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Zweite Bundesliga 2016/2017, 3. Spieltag
Sonntag, 28.08.2016 – 13.30 Uhr
Eintracht Braunschweig – 1.FC Nürnberg 6:1 (2:1)

0:1 (8.) Guido Burgstaller
1:1 (43.) Dominick Kumbela
2:1 (45.) Saulo Decarli
3:1 (55.) Saulo Decarli
4:1 (64.) Dave Bulthuis (Eigentor)
5:1 (87.) Nik Omladic
6:1 (88.) Christoffer Nyman

Es sollte ein Schritt in die richtige Richtung werden und wurde letztlich zum Absturz mit Bruchlandung. Nach einem mehr als durchwachsenen Saisonstart in Dresden und Köln, sowie einem verpatzten Heimspiel gegen Heidenheim, wollte der Club in Braunschweig den Neustart und beweisen, dass die Mannschaft der neuen Saison nicht schlechter ist als die der letzten Spielzeit.

Frühe Führung

Dieser Neustart ging gehörig in die Hose – und das, obwohl es zunächst durchaus so aussah, als sei man auf dem richtigen Weg. Mit viel Glück, Spucke und letztlich dem Kopf vom bereits liegenden Guido Burgstaller wurde das Spielgerät nach nicht einmal zehn Minuten irgendwie über die Torlinie der Gastgeber bugsiert.

Mit der frühen Führung im Rücken funktionierten beim Club dann auch plötzlich Dinge, die man in dieser Saison noch nicht gesehen hatte. Kurzpassspiel und gut vorgetragene Angriffe über die Außen – am Ende fehlte im Grunde nur der erfolgreiche Torabschluss. Der Gastgeber aus Braunschweig jedenfalls kam in den ersten 40 Minuten der Partie nicht zur Entfaltung. Der Club hingegen zeigte bis zu diesem Zeitpunkt seine bisher beste Saisonleistung.

Das Blatt wendet sich

Umso unverständlicher ist es, dass sich das Blatt ohne großen Grund plötzlich änderte. Drei Minuten vor der Halbzeit musste Laszlo Sepsi in höchster Not vor dem einschussbereiten Dominick Kumbela retten. Doch als sei diese erste Braunschweiger Chance so etwas wie das Startsignal für Nürnberger Unsicherheiten in der Defensive, zappelte das Leder nur eine Zeigerumdrehung später im Tornetz des FCN. Dieses Mal traf Kumbela aus sieben Metern, nachdem ihm das Spielgerät im Anschluss an einen unberechtigten Eckball vor die Füsse fiel.

Für die mitgereisten Clubfans kam es jedoch vor dem Seitenwechsel noch schlimmer: Wieder verteidigt der FCN nach einem Eckball nur halbherzig und so trifft Saulo Decarli in der zweiten Minute der Nachspielzeit aus 17 Metern Distanz noch zum 2:1 für Braunschweig. Das Spiel war gedreht und wer nach der Pause ein Aufbäumen der Gäste erwartet hatte, wusste schnell, dass er enttäuscht werden würde. Das Spiel dominierten weiter die Hausherren.

Zusammenbruch in Halbzeit zwei

Nach 55 Minuten klingelte es nach einem Freistoß zum dritten Mal im Club-Gehäuse. Wieder hatte Decarli getroffen. Keine zehn Minuten später hieß es dann sogar 4:1 – nachdem Salim Khelifi die Lederkugel von der Grundlinie in den Nürnberger Strafraum gespielt hatte, wo sie Dave Bulthuis an den Oberarm sprang und so die fränkische Torlinie überquerte.

Im Anschluss gab es zwar für den FCN noch ein paar Möglichkeiten zur Ergebniskorrektur, doch sowohl Hanno Behrens als auch Edgar Salli und Tim Leibold scheiterten jeweils. Und so kam kurz vor Ende, was kommen musste: Das Team von Alois Schwartz brach vollends auseinander. Bei den Braunschweiger Treffern durch Nik Omladic und Christoffer Nyman in der 87. und 88. Minute waren die Nürnberger Abwehrspieler als Slalomstangen nur noch körperlich anwesend.

Problem in der Mannschaft

Nach nur vier absolvierten Pflichtspielen in der neuen Saison steht man nach der Blamage in Braunschweig in Nürnberg nun bereits ratlos vor einem Scherbenhaufen. Von der Mannschaft, die in der vergangenen Saison mehr als eine Halbserie ungeschlagen geblieben ist, ist offensichtlich nicht mehr viel übrig. Die Antwort auf die Frage, warum dies so ist, können Außenstehende jedoch nur schwer beantworten. Hier sind die Verantwortlichen gefragt. Schwächstes Glied in der Kette ist mit Sicherheit Trainer Alois Schwartz und so verwundert es nicht, dass nach dem Debakel in Niedersachsen bereits erste Stimmen nach dessen Demission laut werden.

Bei aller Diskussion, ob eine Trainerentlassung zu einem solch frühen Zeitpunkt der Saison auf lange Sicht eine Wirkung erzielt, bleibt offensichtlich, dass es in der Mannschaft zur Zeit nicht stimmt. Man kann ein Spiel hoch verlieren, weil man einen schlechten Tag erwischt hat. Doch nach einer Führung und durchaus ansehnlichen 40 Minuten, muss es einen tieferen Grund geben, wenn ein Team so derart auseinander bricht, wie es der FCN am Sonntag getan hat. Noch in der letzten Saison hat diese Mannschaft gezeigt, wie gut sie Rückschläge wegstecken kann, hat sich stets zurückgekämpft und selbst schlechte Spiele (wie das in Bielefeld) mit Moral am Ende noch gewonnen.

Niedergang oder Krise?

Diese Moral scheint auf dem Weg zwischen Relegation und dem momentanen Stand der Dinge vollkommen verloren gegangen zu sein. Ein Grund mag der unschöne Abgang von Trainer René Weiler gewesen sein. Ein Grund mag auch der Abgang von Niclas Füllkrug sein – vor allem Guido Burgstaller vermisst seinen Sturmpartner ganz offensichtlich. Auch die präzisen Flanken von Sebastian Kerk waren in der vergangenen Saison immer wieder ein Mittel, eng stehende Abwehrreihen über eine Standardsituation zu knacken.

Diese drei fehlenden Leute jedoch dafür verantwortlich zu machen, dass sich die Mannschaft nun erst wieder finden muss, ist in meinem Augen zu kurz gegriffen. Im Gegenteil: Es ist die Aufgabe eines Trainers, Abgänge zu kompensieren, neue Lösungen zu finden und eine Mannschaft in der Vorbereitung zu einem Team zu formen. All dies ist Alois Schwartz in Nürnberg bisher nicht gelungen. Die elf Männer laufen über den Rasen wie Einzelkämpfer und vor allem Raphael Schäfer scheint inzwischen abzuwinken, noch ehe der Angriff des Gegners überhaupt zu Ende gespielt ist.

Stellschrauben anziehen

Wer das Spiel in Braunschweig in voller Länge gesehen hat, muss wahrlich kein Fußballexperte sein, um zu erkannen: In dieser Mannschaft stimmt etwas nicht. Und leider ist es wie so oft beim Club: Als Außenstehender bleibt am Ende leider wieder nur die Hoffnung, dass die Verantwortlichen wissen, was es ist und die entsprechenden Stellschrauben möglichst schnell anziehen. Durch die Länderspielpause hat man schließlich auch eine Woche mehr Zeit als normalerweise. Umso mehr müssen die Rädchen heute in zwei Wochen gegen 1860 München dann jedoch endlich ohne Reibung ineinander greifen. Hakt es gegen die Blau-Weißen auch weiter im Getriebe, bleibt Andreas Bornemann im Grunde nur ein Ausweg.

Bruchlandung in Braunschweig
Früh in Führung gegangenBis zur 40. Minute ganz ansehnlich gespielt
Defensivverhalten bei StandardsArbeitsverweigerung kurz vor SchlussKeine Moral nach RückstandAuseinanderbrechen nach Rückschlägen
10%DER CLUB IN BRAUNSCHWEIG
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