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Bereits zum 27. Mal wurde im kleinen Dorf Wacken in Schleswig-Holstein der Heavy-Metal-Musik gefrönt. Was 1990 als kleines Dorf-Festival anfing, ist inzwischen zur weltweit größten Open-Air-Veranstaltung für Musik der härteren Gangart geworden. Jedes Jahr strömen rund 75.000 Metalfans aus der ganzen Welt zum W:O:A. Die Tickets für das kommende Jahr sind oft schon wenige Tage nach Beendigung des Festivals ausverkauft – oft, ohne dass der Headliner bereits feststeht.

Iron Maiden in guter Form

Headliner 2016 waren – wenn man so will – Iron Maiden. Die Briten beendeten in Wacken ihre erfolgreiche Welt-Tournee und gaben im Regen Nord-Deutschlands noch einmal alles. Frontmann Bruce Dickinson zeigte sich gewohnt stimmgewaltig und auch seine Bandkollegen merkte man die unzähligen Konzerte ihrer Tour nicht an. Die Herren machen den Eindruck als haben sie irgendwo einen Jungbrunnen.

Vielleicht ist dieser Jungbrunnen ja aber auch »nur« die Musik. Schaute man sich auf dem Festival-Gelände so um, stach es schon ins Auge, dass die Anzahl der graumelierten Damen und Herren doch überdurchschnittlich hoch war. Wahrscheinlich wäre dies jedoch auch bei genauerer Betrachtung der meist männlichen Bühnen-Derwische aufgefallen. Die ein oder andere graue Haarsträhne war hier definitiv mit dabei – zumindest, wenn sie nicht überfärbt worden war.

Alte Männer mit grauen Haaren

Liest man sich die Bandnamen des Festivals so durch, darf man sich über das gesetzte Alter der Headbanger jedoch wenig wundern. So eröffneten den Donnerstag vor Iron Maiden drei Bands das Line-Up, die man schon in den 1980er Jahren bestens kannte. Zunächst auf der guten Seite mit Saxon, dann auf der peinlichen Ebene mit Foreigner und einem Sänger, der ein wenig wie eine Mischung aus Steven Tyler und Mick Jagger wirkte und mit seinen weißen Leggins und dem Seiden-Halstuch reichlich deplatziert daher kam. Versöhnen konnten dann wieder Whitesnake, deren Frontmann David Coverdale mit seinen 65 Jahren noch lange nicht wie ein Rentner wirkt.

Ministry und Testament machen Druck

Nach all dem Hardrock vom Donnerstag wurde am Freitag dann ordentlich auf Saiten und Trommelfelle eingeprügtelt. Schade, dass die Highlights des Abends mit Ministry und Testament erst spät in der Nacht spielten. Die beiden Bands sind ebenfalls bereits seit vielen Jahren im Geschäft und ließen trotz vorgerückter Stunde auch nachts um drei Uhr nichts von ihrer Härte vermissen.

Tiefpunkt: Blind Guardian

Die große Frage, die sich am frühen Freitagabend jedoch auftat: Was finden die Leute an Blind Guardian? Warum darf ein uninspirierter Passat-Fahrer mit seiner Band aus stocksteifen Minimalkönnern zur Hauptsendezeit auf die Bühne? Und was bitte schön bejubeln die vielen Menschen dort vor der Bühne? Die Kopie einer Kopie einer Kopie? Die Bühnenshow kann es jedenfalls nicht gewesen sein. Es gab nämlich keine. Die alten Männer an ihren Klampfen verließen ihren Platz während des Konzertes nicht einmal. Offensichtlich fürchteten sie bereits das Multitasking aus ein paar Schritten und dabei Gitarre spielen. Wahrscheinlich wären sie entweder gestolpert oder hätten sich verspielt. Den Mantel des Schweigens hüllen wir hier über die langweilige und 0815-Performance von Sänger Hansi (!!!) Kürsch.

Letzter Festivalabend war dann der Samstag und hier rockten zunächst die alten Herren von Clutch die Partybühne. Stonerrock, den man sich nicht entgehen lassen sollte und der auch auf dem aktuellen Album »Psychic Warfare« noch frisch und rotzig klingt.

Twisted Sister als Entertainer

Mehr als überraschend frisch klangen auch Twisted Sister, die sich an diesem Abend von ihrem deutschen Publikum verabschiedeten. Nach der Tour ist Schluss für die Band und die Show in Wacken war die letzte der Band auf deutschem Boden. Ein wenig wehmütig konnte man durchaus werden, zumal sich Frontmann Daniel »Dee« Snider noch immer als Entertainer auf höchstem Niveau präsentiert. Seinen Ansagen zwischen den Songs dauerten mitunter mehrere Minuten und entrissen selbst dem düstersten Schwermetaller zumindest ein kurzes Grinsen.

Wacken 2016
Leben pur an vier großartigen TagenBeste Stimmung mit vielen tollen BandsBreites musikalisches Spektrum zwischen Rock und MetalZumindest rund ums Festival-Gelände moderate Bierpreise
Blind Guardian
95%Gesamt
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