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Ein kleiner Junge wacht morgens in seinem Bett auf und begrüsst zunächst sämtliche Einrichtungsgegenstände seines Zimmers. Er wirkt ungepflegt, sein Schlafanzug schon länger nicht mehr gewaschen und irgendwie aus der Mode gefallen. Auch sein Zimmer wirkt verwohnt und schmuddelig. Auffällig an dem Jungen: Seine langen Haare, die er sich zu einem Zopf bindet.

Irgendetwas stimmt nicht

Schnell wird dem Zuschauer klar: Hier stimmt irgendetwas nicht. Auch wenn der Junge durch das Bett seiner Mutter springt und sie durch Freudensprünge weckt, weil an diesem Tag offensichtlich sein fünfter Geburtstag ist, bleibt das ungute Gefühl, dass die Freude nicht so ausgelassen ist, wie sie bei einem Kind seines Alters sein sollte.
Das ungute Gefühl hat einen Grund: Jack (Jacob Tremblay) und seine Mutter Joy (Brie Lasrson) können den Raum, in dem sie aufwachen, nicht verlassen. Sie leben auf wenigen Quadratmetern und sind offensichtlich Gefangene.
Warum dies so ist und wie lange das Martyrium bereits anhält, erfährt der Zuschauer erst nach und nach. Man wird quasi zum Mitgefangenen, der von den spärlichen Informationen der Protagonisten angewiesen ist. Genau wie Jack und Joy von den milden Gaben ihres Peinigers abhängig sind.

Fritzl und Kampusch als Vorbilder?

Schreckliche Vorbilder für die Situation von Jack und seiner Mutter gab es in der vergangenen Jahren genug. Und auch wenn Romanautorin Emma Donaghue, die nach ihrer eigenen Vorlage auch das Drehbuch für »Raum« schrieb, stets beteuert, dass ihre Geschichte keinerlei reale Vorbilder habe, drängen sich Vergleiche mit den Fällen einer Natascha Kampusch oder auch eines Josef Fritzls durchaus auf. Während die öffentliche Aufarbeitung dieser Fälle jedoch vor allem rückblickend nach den Erfahrungen der Gefangenen während des Martyriums fragt, werden die Protagonisten in diesem Fall auch in die Freiheit begleitet. Nach ihrer Flucht aus dem Raum sind Jack und Joy noch längst nicht am Ende ihrer Probleme angekommen. Nach Jahren in der Isolation braucht das Leben in Freiheit seine Zeit. Die traumatisierten Jack und Joy müssen sich an ihr neues Leben erst gewöhnen und lernen, sich den Dämonen der letzten Jahre zu stellen.

Vielfach ausgezeichnet

»Raum« war 2016 in vier Kategorien für den Oscar nominiert, darunter als Bester Film, für die beste Regie (Lenny Abrahamson) und das beste adaptierte Drehbuch. Brie Larsen wurde für ihre Darstellung der Joy als Beste Hauptdarstellerin vielfach ausgezeichnet. Neben dem Oscar erhielt sie auch einen Golden Globe, den British Academy Film Award, den Critics Choice Awards und wurde auf unzähligen Festivals ausgezeichnet. »Raum« ist eine echte Perle des Independent Film und seit Donnerstag, den 28. Juli 2016 auf DVD und Video on Demand erhältlich.

Raum-DVDRaum (Room – IRL/CAN 2015), Regie: Lenny Abrahamson; Darsteller: Brie Larson, Jacob Tremblay, Joan Allen, William H. Macy; 118 Minuten

»Raum« auf DVD
Spürbare KlaustrophobieGroßartige DarstellerEin Blick in die Abgründe der menschlichen Seele
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