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Absprung in letzter Sekunde

Nun ist es dann also doch passiert… Bereits während der Trainer-Rochade rund um André Breitenreiter, Markus Weinzierl und Ralph Hasenhüttl, die ihre Kreise letztlich bis zu Norbert Meier in die Tiefen der Zweiten Liga zog, hatte man als Clubfan stets mit Sorge auf die Schlagzeilen und Gerüchte geschaut, ob und wann der Name René Weiler dort auftauchen würde. Als sich das Karussell mit der Darmstädter Verpflichtung des Bielefelder Trainers schließlich erheblich verlangsamte, konnte man in gewisser Weise so etwas wie ein kollektives Aufatmen vernehmen.

Mitten in dieses Aufatmen platzte am späten Mittwochabend (15.06.) eine Meldung des kicker. René Weiler möchte gerne ein Angebot des belgischen Serienmeisters RSC Anderlecht annehmen und hat dies offensichtlich auch den Verantwortlichen beim 1.FC Nürnberg bereits mitgeteilt. Ein Paukenschlag mit Signalwirkung, denn warum sollte der Schweizer zunächst alle Angebote aus der lukrativen Bundesliga ausschlagen, um dann letztlich in der international wenig renommierten belgischen Liga zu landen?

Wer die Schlagzeilen rund um den Glubb in den letzten Wochen gelesen hat, der kennt die Antwort. Zu Zeiten als Rasenballsport aus Leipzig angeklopft hat, hatte René Weiler in Nürnberg eine Mannschaft mit Perspektiven unter sich. Man klopfte nach langer Siegesserie ans Tor der Bundesliga und für den Schweizer gab es keinerlei Grund daran zu zweifeln, dass man bei Umsetzung aller möglichen sportlichen Ziele die Aufbauarbeit der letzten Jahre würde fortführen können.

Die finanzielle und sportliche Realität

Nur wenige Wochen sieht die Realität beim 1.FC Nürnberg jedoch anders aus: Das – durchaus hoch gesetzte – Ziel des Bundesligaaufstiegs wurde nicht erreicht und nachdem Michael Meeske den finanziellen Scherbenhaufen eines Martin Baders letztendlich dann einmal sortiert hatte, wurde und wird mehr und mehr deutlich: So nah wie in der abgelaufenen Saison wird der Club dem hehren Ziel Bundesliga in den kommenden Jahren nicht mehr kommen. Der 1. FC Nürnberg wird in der Sommerpause Transfererlöse erzielen müssen und auch, wenn es momentan in Sachen Spielerverkäufe noch recht ruhig ist am Valznerweiher – spätestens nach der EM wird das Spielerkarussell wieder Fahrt aufnehmen und für den FCN mit Sicherheit nicht zu seinem Vorteil. René Weiler wird diesbezüglich Interna kennen, die man als außenstehender Fan nur vermuten kann und befürchten muss, und hat daraus seine Konsequenzen gezogen.

Statt mit dem 1.FC Nürnberg im Niemandsland der zweiten Liga zu dümpeln, streckt er sich nach Strohhalm erfolgreich arbeiten zu können und schluckt dafür auch die Kröte der belgischen Zweitklassigkeit im internationalen Renommee. Böse ausgedrückt könnte man sagen: Die erste Ratte verlässt das sinkende Schiff. Ein Absprung mit Signalwirkung, dem weitere Abgänge folgen werden. Einziger Trost für den Club: Man wird sich den Abschied des Erfolgstrainers hoffentlich gut bezahlen lassen. Denn so traurig es ist, es ist inzwischen längst die Realität und mit Sicherheit keine Neuigkeit, dass bei allen sportlichen Perspektiven, die immer wieder gerne vorgeschoben werden, am Ende doch nur das Geld zählt. Das Geld ist es schließlich, das sportliche Perspektiven überhaupt erst eröffnet und wir alle inzwischen wissen, ist es genau dieses Geld, das dem 1.FC Nürnberg fehlt. Die sportlichen Perspektiven sind dementsprechend.