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2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, Relegation – Rückspiel
[Montag, 25.05.2016 – 20.30 Uhr] 1.FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 0:1 (0:0)

0:1 (66.) Haris Seferovic

Natürlich ist es schade! Und natürlich ist man enttäuscht! Und ja, gerade die Frankfurter Eintracht hätte man liebend gerne in die zweite Liga geschickt. Und dennoch trifft es vor allem René Weiler bereits direkt nach dem Spiel auf den Punkt: Die Qualität hat einfach gefehlt. Oder sagen wir es so – sie hat nicht ausgereicht. Eintracht Frankfurt war in beiden Relegationsspielen die bessere Mannschaft und jedes weitere Wort über die hessischen Zeitschinder und unfairen Sportsleute wäre an dieser Stelle zuviel und deshalb lassen wir dies.

Nicht verdient, sondern glücklich

Dass sie die Relegation verdient gewonnen haben, werden sie von mir nicht hören, denn wer einen Vergleich insgesamt nur 2:1 gewinnt, obwohl der Gegner in 180 Minuten nicht eine einzige echte Torchance hat, gewinnt nicht verdient, sondern glücklich! Sein Auswärtsspiel in Nürnberg verdient gewonnen, hat in der abgelaufenen Saison nur eine Mannschaft: Die Hertha – und wer mich kennt, weiß, wie schwer es mir fällt, diese Tatsache auszusprechen.

Viele Punkte gesammelt

Zum Glück gibt es ja aber noch diese andere Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison – sogar mehr als einmal – verdient in Nürnberg gewonnen hat: Der Club! Als zweitbestes Heimteam der Liga hat die Mannschaft von René Weiler ihre Gegner in siebzehn Spielen elf Mal als Verlierer nach Hause geschickt – darunter auch die späteren Aufsteiger aus Freiburg und Leipzig. Die 65 Punkte, die der FCN in den 34 Spielen gesammelt hat, hätten in der letzten Saison noch zur Meisterschaft in Liga zwei vor dem FC Ingolstadt gereicht und seit Einführung der Drei-Punkte-Regel überhaupt nur ein einziges Mal nicht zum direkten Aufstieg – in der Saison 2012/2013 hätte man sich mit der aktuellen Bilanz hinter Hertha und Braunschweig eingereiht und Relegation spielen müssen.

Die wahre Tabelle

Aber was heißt schon aktuelle Bilanz? Werfen wir mit all den Gerechtigkeitsfanatikern mal einen Blick auf die Wahre Tabelle? Auf die 12(!) Punkte Unterschied zwischen der aktuellen Bilanz und dem, was da eigentlich auf der Habenseite des Club stehen müsste? Irgendwie interessant wäre es schon gewesen, was der DFB und die DFL sich hätten einfallen lassen, wenn nun plötzlich mit der Eintracht und dem Brauseclub zwei Lieblingskinder gegeneinander hätten spielen müssen…

Die Weissagung der Cree

Aber soll ich es ehrlich sagen: Letztlich ist es mir scheißegal. Sollen sich die Lieblingskinder doch in Liga eins kabbeln. Sollen sich Honoratioren auf den VIP-Tribünen bei Spielen zwischen Wolfsburg und Ingolstadt, RedBull und Hoffenheim langweilen. Soll sich Sky über Einschaltquoten im nicht mehr messbaren Bereich ärgern. In Anlehnung an die Weissagung der Cree könnte man in diesem Zusammenhang vielleicht sagen: Erst wenn der letzte Traditionsverein abgestiegen, der letzte Sponsorendeal abgeschlossen, die letzte Pyrotechnik gezündet ist, werdet Ihr merken, dass man Stimmung und Leidenschaft nicht kaufen kann.

Heiße Duelle in Liga zwei

In diesem Sinne freue ich mich auf ein weiteres Jahr in der zweiten Liga, auf heiße Duelle gegen Kaiserslautern, Union und St. Pauli, auf Frankenderbys gegen F**** und Würzburg, auf enge Duelle gegen Bochum, Stuttgart und die Fortuna, auf ein ausverkauftes Haus bei 1860, auf Spiele mit nicht ganz so weiter Anreise von Berlin in Braunschweig, Hannover, Dresden und Aue. Die beiden Spiele der Relegation haben gezeigt, dass unsere Mannschaft noch nicht so weit ist, um bei den langweiligen Klassikkonzerten der ersten Liga mitzuspielen. Gut so! Mir ist eine Liga, in der wir mithalten können, in der es möglich ist, eine geile Serie von 18 ungeschlagenen Spielen zu starten, tausend Mal lieber, als eine Liga, in der wir jedes Wochenende ohne Punkte nach Hause fahren.

Füllkrug und Burgstaller

Und bei aller Wertschätzung sei auch dies kurz angemerkt: Lieber Niklas Füllkrug, lieber Guido Burgstaller, Ihr seid zwei fantastische Fußballer und mit Sicherheit in Sachen Angriff das Beste, was dem FCN seit vielen Jahren passiert ist. Und selbstverständlich strebt Ihr nun zu Höherem und Reisende soll man nicht aufhalten… trotzdem aber: Habt Ihr in den direkten Zweikämpfen nicht nur in der Relegation, sondern auch im Pokal gemerkt, was es heißt, wenn Ihr einen gestandenen Bundesliga-Abwehrrecken gegen Euch habt? Ihr Zwei seid Spitzenmänner – in Liga zwei. Gegen die Verteidiger einer Arminia aus Bielefeld, eines FSV aus Franfurt, eines SV aus Sandhausen mag das alles wunderbar aussehen und effektiv sein. Aber habt Ihr nicht selbst gemerkt, wie schnell der Ball jedes Mal wieder weg war, wenn ein Verteidiger aus der Bundesliga seine Beine nach dem Ball ausstreckt?

Eine schwierige Zeit

In diesem Sinne: Wenn es letztlich eine Erkenntnis in der Relegation gegeben hat, dann die, dass es diese Saison am Ende eben noch nicht gereicht hat. Und natürlich werden nun sofort die Unkenrufe laut, dass dem FCN eine schwierige Zeit bevorsteht. Dies sind die selben Unkenrufe, die man auch vor der nun abgelaufenen Saison gehört hat. Darf ich daran erinnern? Der Club hat die Vorsaison mit negativer Bilanz auf Platz neun der zweiten Liga abgeschlossen. Für die laufende Saison konnte René Weiler dann erstmals zumindest seine Wünsche für die nötigen Stellschrauben äußern. In der Winterpause mussten wir einen als unersetzlich geltenden Alessandro Schöpf nach Gelsenkirchen ziehen lassen, in der Rückrunde hat sich zuerst Raphael Schäfer verletzt, dann auch noch ein Mann, den vor der Saison wahrscheinlich nicht mal die eingefleischesten Fans mit auf der Rechnung hatten: Patrick Erras. Also: Einfach war das auch diese Saison mitnichten. Trotzdem ging es irgendwie. Einfach wird es auch in der kommenden Saison nicht. Aber es wird schon irgendwie gehen.