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2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, Relegation – Hinspiel
[Donnerstag, 19.05.2016 – 20.30 Uhr] Eintracht Frankfurt – 1.FC Nürnberg 1:1 (0:1)

0:1 (43.) Marco Russ (Eigentor)
1:1 (65.) Mijat Gacinovic

Mit einem Hin- und Rückspiel ist das ja so eine Sache. Natürlich hat man sich gestern über das 1:1 des Clubs in Frankfurt gefreut, über das Auswärtstor, darüber, dass den Gastgebern gegen eine aufopferungsvoll kämpfende Nürnberger Mannschaft nicht viel eingefallen ist und das Tor zur Bundesliga nach den ersten 90 Minuten für den FCN doch recht weit offen steht. Und trotzdem: Mit einem Hin- und Rückspiel ist das eben so eine Sache. Man versucht die Dinge einzuschätzen, die Chancen abzuwägen, sich vorzustellen, was am Montag in Nürnberg passieren wird. Und trotzdem – oder gerade deshalb, weil es beim Versuch bleibt – hat der Autor dieser Zeilen gerade das Gefühl, er würde über eine erste Halbzeit schreiben.

Nur eine erste Halbzeit

Eine erste Halbzeit, in der weder eine Entscheidung noch auch nur Vorentscheidung gefallen ist. Eine Halbzeit, die – im Gegenteil – für die entscheidende Phase alles offen lässt. Vom haushohen Heimsieg des FCN über ein tolles 0:0 – oder ein dummes 2:2-Unentschieden bis hin zur knappen Heimpleite ist am Montag leider noch immer alles möglich. Und dass eine gute erste Halbzeit am Ende nichts bedeutet, hat schließlich der FC Liverpool am vorgestrigen Mittwoch im EuropaLeague-Finale erst gezeigt. Die 1:0-Führung aus dem ersten Durchgang hielt nach dem Wiederanpfiff keine zwanzig Sekunden und verwandelte sich nach und nach, aber unaufhaltsam für einen auseinanderbrechenden FC in eine 1:3-Niederlage.

Noch nichts gewonnen

Alles, was damit gesagt werden soll, ist jedoch: Noch ist nichts gewonnen. Das Tor zur Bundesliga steht offen und der FCN hat sich Donnerstag in die komfortable Situation gebracht, dass er im Grunde nur noch durchgehen muss. Ein paar Schritte müssen noch gegangen werden und dass dies im heimischen Max-Morlock-Stadion auch gegen starke Mannschaften absolut möglich ist, haben die Spiele gegen den SC Freiburg und die Dosenfußballer aus Leipzig gezeigt. Die Heimspiele gegen den MSV Duisburg oder den FSV Frankfurt haben jedoch gezeigt, dass das Spiel am Montag auch für die zweitbeste Heimelf der Zweiten Bundesliga kein Selbstläufer wird.

Mehr als effizient

Letztlich ist es egal, wie man es dreht oder wendet: Man stochert im Dunkeln. Das Hinspiel in Frankfurt hat positive Aspekte gezeigt. Der Club hat sich gewehrt, hat aus keiner Torchance ein Tor gemacht, hat letztlich mehr als effizient gespielt und sich durch eine konzentrierte Abwehrleistung eine gute Ausgangslage verdient. Der Club hat nach vorne jedoch auch alles vermissen lassen, was ihn in dieser Saison ausgezeichnet hat. Nicht ein einziger Spielzug wurde ansatzweise zu Ende gespielt, Pässe kamen nicht an und Kontermöglichkeiten wurden oft schon in der eigenen Hälfte wieder verspielt. Sollte sich dies am Montag in ähnlicher Form wiederholen, kann man als Clubfan am Ende wirklich nur auf ein glückliches 0:0 hoffen.

Sehr taktisch

Die Leistung vom Donnerstag mag für ein Hinspiel ausreichend gewesen sein und taktisch wahrscheinlich in ähnlicher Weise vielleicht sogar vorgegeben worden sein. Um den Aufstieg letztlich dann auch einzutüten, wird am Montag nicht nur eine andere taktische Ausrichtung, sondern auch eine Leistungssteigerung nötig sein. Um ganz sicher zu sein, sollten am Ende mindestens drei Tore auf der Habenseite stehen – alles andere birgt die Gefahr des Lucky Punch für Frankfurt in den Schlussminuten. Keine leichte Aufgabe also – aber eben durchaus auch machbar. Wissen, ob es letztlich geklappt hat, werden wir sowieso erst am späten Montag.

Das Thema Marco Russ

Und egal, wie das Ergebnis aussehen wird, auch ein Marco Russ wird froh sein, dass er sich dann voll und ganz seiner Genesung widmen kann. Und zwar in Ruhe! Nicht aufgebauscht von Medien, die inzwischen keine Rücksicht mehr kennen, wenn es darum, eine Story zu verkaufen. Ja, eine Tumor-Diagnose ist schlimm – vor allem und in erster Linie für den Betroffenen. Und ja, man wünscht dem Betroffenen dann selbstverständlich alles Gute, viel Kraft und eine vollständige Genesung. Doch ist es wirklich nötig, dass es rund um ein Fußballspiel plötzlich kein anderes Thema mehr gibt? Ist es wirklich nötig, dass man das Mitgefühl auch direkt nach einem hoch-anstrengenden und ohne Frage emotionalen Spiel bei jedem einzelnen Beteiligten vor laufenden Kameras abruft? Hilft es dem Betroffenen wirklich, wenn er durch unzählige Beiträge vor und nach dem Spiel immer wieder daran erinnert wird, dass er krank ist? Und was ist mit den tausenden und abertausenden Menschen, die tagtäglich dieselbe und vielleicht noch viel schlimmere Diagnosen bekommen, jedoch nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen? Was ist mit all den schwer erkrankten Menschen, die nicht das Glück haben, als Fußballer nicht nur finanziell gut abgesichert zu sein, sondern über den Verein auch noch eine hervorragende medizinische Betreuung zu genießen?

Gute Genesung

Ja, auch ich wünsche Marco Russ eine schnelle und gute Genesung – genau, wie ich es allen namenlosen kranken Menschen dieser Welt auch wünsche. Und zwar jeden Tag, jeden Minute und nicht nur, wenn Journalisten nach einer Geschichte suchen.