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2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 32. Spieltag
[Samstag, 30.04.2016] Eintracht Braunschweig – 1.FC Nürnberg 3:1 (1:0)

Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt – beim Fußball geht das manchmal sehr schnell. Gerade eine Woche nach dem fulminanten Kantersieg gegen Union Berlin ist der 1. FC Nürnberg nach seinem Spiel bei Eintracht Braunschweig auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Die Freude über den Punktverlust von RB Leipzig im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am Freitagabend verpuffte im Niedersachsener Niemandsland. Einmal mehr zeigte der FCN, dass er auch in der aktuellen Besetzung zumindest eine Sache richtig gut kann: Dinge, die er sich mühsam aufgebaut hat, am Ende dann doch mit dem Hintern wieder einzureißen. Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, werden in diesem Leben keine Lieblingsgegner mehr vom Glubb. Das hat sich gegen Karlsruhe genauso gezeigt wie in Braunschweig. Wenn der Gegner frei aufspielen kann und der Club am Horizont die Chance auf mehr sieht, stehen unter dem Strich dann leider auch in dieser Saison zu oft null Punkte.
Auf das Spiel vom Samstag genauer einzugehen – diese Qual braucht im Grunde kein Clubfan und daher soll an dieser Stelle auch darauf verzichtet werden. Nur so viel: Braunschweig hat es im Grunde genau richtig gemacht, dem Glubb in Präzision die eigenen Schwächen im Defensivverhalten bei schnellem Umschaltspiel aufgezeigt und am Ende auch deshalb gewonnen, weil man eben in den richtigen Momenten das Tor getroffen hat. Immer, wenn man im Eintracht-Stadion an diesem Samstag den Eindruck gewinnen konnte, der FCN bekäme das Spiel langsam in den Griff, klingelte es im eigenen Tornetz. Dies war kurz vor der Halbzeit so und auch nach einer knappen Stunde. Die Ergebniskorrektur von Guido Burgstaller in der 78. Minute war letztlich nichts anderes als eben genau dies: Eine Ergebniskorrektur. Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht zeigte seinem Gegenüber Renè Weiler also deutlich, an welchen Stellschrauben man beim Glubb für die Relegation noch drehen muss.
Denn: die große Chance im Endspurt noch einmal auf RB Leipzig aufzuschließen und den Blechdosenverein eventuell sogar noch zu überholen, sind mit der Schlappe in Braunschweig auf ein Minimum gesunken. Theoretisch ist dies zwar noch möglich, doch die Wettquoten dürften bei den Buchmachern ähnlich hoch liegen, wie sie zu Beginn der Saison auf Leicester City als englischer Meister lagen. Bleibt nach dem Abpfiff in Braunschweig direkt nach dem Spiel natürlich zu allererst die Enttäuschung über die verpatzte Gelegenheit. Einstellen sollte sich nach der ersten Enttäuschung jedoch recht schnell die Freude über das Erreichte: In St. Pauli, Bochum und selbst in Braunschweig wäre man wahrscheinlich hoch zufrieden, würde man dort stehen, wo der 1.FC Nürnberg nach 32 Spieltagen steht. Die Mannschaft von René Weiler hat bis auf wenige Ausnahmen eine großartige Saison gespielt und uns als Clubfans oft jubeln lassen, wo wir es vielleicht nicht einmal unbedingt erwartet haben. Den direkten Vergleich mit dem Brauseclub aus Leipzig haben wir mit 3:1 und 2:3 auch gewonnen und selbst, wenn man sich dafür am Ende eben nichts kaufen kann, braucht die Mannschaft nun in den letzten beiden Partien die Unterstützung, um aus einer großartigen Saison eine überragende Saison zu machen. Bei aller Trauer über das Ergebnis und die verdiente Niederlage in Braunschweig: Der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga ist weiterhin möglich und ist dem Team auch bis zur letzten Minute dieser Saison nicht mehr zu nehmen. Der Relegationsplatz ist sicher und die Chancen für eine Mannschaft, die im Laufe der Saison oft gezeigt hat, dass sie nie aufgibt, sondern an sich glaubt, stehen durchaus gut.
Die Frage in den kommenden beiden Wochen wird sein: Wie sehr kann René Weiler seiner Mannschaft dieses Gefühl wieder vermitteln. Wie sehr schafft es der Glubb, die letzten beiden Spiele so positiv zu gestalten, damit man erhobenen Hauptes und mit den Selbstbewusstsein der drittbesten Mannschaften in der Zweiten Liga in die beiden Relegationsspiele geht. Denn eines darf man auf keinen Fall vergessen: Der Gegner in diesen beiden Spielen ist zwar Bundesligist – hat als Tabellensechszehnter jedoch eine grauenvolle Saison gespielt. Und noch viel wichtiger: Wer auch immer am Ende im Oberhaus auf Platz 16 landet – er macht sich heute, zwei Wochen vor Saisonende, definitiv noch Hoffnung auf Platz 15. Wer also auch immer am Ende der Gegner in der Relegation sein wird: Er wird enttäuscht sein, dass es nicht zum direkten Klassenerhalt gereicht hat. Ein 1.FC Nürnberg, der sich darüber freut, dass das Ziel Aufstieg mit den letzten beiden Spielen nach der Saison noch erreicht werden kann, wird für diesen enttäuschten Gegner eine sehr hohe Hürde sein.