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2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 31. Spieltag
[Samstag, 23.04.2016] 1.FC Nürnberg – Union Berlin 6:2 (0:2)

Es wurde an dieser Stelle schon des Öfteren gesagt und gerade nach diesem Spiel am Wochenende muss es auch noch einmal wiederholt werden: Spiele gegen Berliner Mannschaften sind für einen Clubfan, der im Hauptstadt-Exil lebt, doch immer wieder etwas Besonderes. Dass dieses Spiel gegen Union auch auf lange Zeit in Erinnerung bleiben wird, liegt jedoch mit Sicherheit nicht an der Tatsache, dass der Gast aus Berlin kam. Zum ersten Mal seit über 23 Jahren gewinnt der 1.FC Nürnberg ein Pflichtspiel, in dem er bereits mit zwei Toren zurückgelegen hat. Wer kann sich erinnern? Es war der 27. Februar 1993 – 19. Spieltag der Fußball-Bundesliga und der damals amtierende deutsche Meister vom VfB Stuttgart war zu Gast im Frankenland. Zur Halbzeit hatte es nach Toren von Thomas Strunz (-> was erlauben Strunz?) und Fritz Walter 0:2 gestanden. Der Glubb jedoch schlug zurück – Christian Wück und gleich zwei Mal Jürgen Kramny (-> genau der, der heute Trainer beim VfB ist) trafen in Halbzeit zwei zum 3:2-Sieg.
Nun also gegen Union nach langer, langer Zeit mal wieder der Phoenix aus der Asche. Das sagt sich so leicht und kommt irgendwie trotz allem fast emotionslos rüber – und aber eben genau dies war der Sieg am Samstag gegen Union nicht. Nach zwei verlorenen Partien und der großen Frage, ob die beiden Niederlagen gegen Duisburg und in Karlsruhe der Anfang vom Ende aller Aufstiegsträume war, sah es gegen den kleinen Hauptstadtclub zunächst so aus, als würde man als Clubfan die Antwort auf die Frage nach den Aufstiegsträumen mit einem großen Holzhammer direkt auf die Stirn genagelt bekommen. Gefühlt war der FCN jedenfalls am Samstag nicht ein einziges Mal am Ball, ehe dieser bereits in den Maschen des eigenen Tornetzes zappelt. Michael Parensen flankt von links und findet Ex-Clubberer Adrian Nikci, der zur frühen Gästeführung einnickt.
Als Union schließlich nach 23 Minuten zum zweiten Mal überhaupt in Richtung Nürnberger Tor startet, steht es dann auch schon 2:0. Dieses Mal leitet Nikci durch einen Pass auf Bobby Wood ein, dessen abgefälschte Flanke am langen Pfosten Damir Kreilach findet. Wie schon beim ersten Gegentor steht Laszlo Sepsi zu weit von seinem Gegenspieler entfernt und da auch Patrick Rakovsky irgendwie eine mehr als unglückliche Figur macht, steht es eben nach 23 Minuten 0:2. Das Vorhaben, an diesem Samstag zumindest den Relegationsplatz einzutüten, scheint schon nach weniger als einem Viertel des Spiels gescheitert.
Dass man bei der aktuellen FCN-Mannschaft die Rechnung jedoch ohne den Wirt macht, wenn man sie zu früh abschreibt, sah man im Max-Morlock-Stadion schon in den Minuten nach dem Nackenschlag. Sebastian Kerk scheiterte mit einem Direktversuch in Minute 28 knapp an Union-Keeper Jakob Busk und als der Ball nur eine Minute später nach einem Eckball zum vermeintlichen Anschluss im Union-Tor lag, fragte sich Torschütze Niclas Füllkrug nicht zu Unrecht, warum Schiedsrichter Martin Thomsen dem Treffer die Anerkennung versagte. Die Aufregung war groß, jedoch harmlos gegen das Feuerwerk, dass die Mannschaft von René Weiler dann schließlich in der zweiten Halbzeit abfeuerte.
Gerade vier Minuten waren nach dem Wiederanpfiff vergangen als Tim Leibold nach Musterpass von Kerk zum 1:2 traf und auch der Schiedsrichter keinen Grund mehr fand, dem Treffer die Anerkennung zu verweigern. Der Rest ist pure Spielfreude und mit einem Wort zu beschreiben: Läuft!
Die Nordkurve wollte gerade zum „kleinen Bub“ anstimmen, da gibt es Elfmeter, den Füllkrug zum Ausgleich verwandelt. Sieben Minuten später trifft Füllkrug zum zweiten Mal, als er einen Schuss von Guido Burgstaller entscheidend abfälscht. Weitere sieben Minuten später trifft der Vorlagengeber aus Österreich selbst zum 4:2 und wer mitgerechnet hat, weiß nun, dass das Spiel im Grunde nach 74 Minuten entschieden war. Das Spiel war gedreht und der Wille der Gäste gebrochen, der Rest war eine große Feier. Zumal Füllkrug in der 90. Minute auch noch ein drittes Mal an diesem Nachmittag traf und Even Hovland in der Nachspielzeit sogar noch auf 6:2 erhöhte. Zwei Treffer, die zwar auf den Rängen bei den (warum eigentlich nur) 30.000 Zuschauern für Begeisterungsstürme sorgten, die für das Spiel selbst jedoch keine Bedeutung mehr hatten. Zwei Treffer aber auch, die am Ende der Saison jedoch noch immer das Zünglein an der Waage sein können, wenn es im Vergleich mit Leipzig auf das Torverhältnis ankommt. Und selbst, wenn es eben nicht mehr zum Vergleich mit Leipzig kommt: Fürs Selbstbewusstsein haben die beiden Treffer zum Schluss mehr als gut getan. Die Mannschaft von René Weiler hat den Bock wieder umgestoßen und wird sich die Chance auf den direkten Aufstieg in den kommenden drei Partien so lange wie nur irgendwie möglich offen halten. Der Druck jedenfalls liegt nun eindeutig bei den Blechdosen aus Leipzig, die zwischenzeitlich bereits weit enteilt schienen und die schon allein aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten auf jedem Aufstiegszettel der Nation standen. Nun wird es wieder knapp und die Mannschaft von Ralf Rangnick durfte bereits am letzten Wochenende nach der Heimpleite gegen Sandhausen erleben, was es bedeutet, keine Fans, sondern nur Anhänger zu haben. Jedenfalls wurde das Team nach der Niederlage gnadenlos ausgepfiffen. Die Hosen sind entsprechend voll und man darf gespannt sein, was das Nervenkostüm der Leipziger am Montagabend auf dem Betzenberg so hergibt. Dass die aktuelle Mannschaft des 1.FC Nürnberg Nerven wie Drahtseile hat, weiß man nicht erst seit der Aufholjagd gegen Union. Und gute Nerven braucht man in einer eventuellen Relegation auf alle Fälle.