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2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 26. Spieltag
[Freitag, 11.03.2016] Arminia Bielefeld – 1.FC Nürnberg 0:4 (0:0)

Der 1.FC Nürnberg marschiert weiter durch die Zweite Bundesliga und hat mit einem klaren 4:0-Sieg am Freitagabend auf der Bielefelder Alm ordentlich Alarm gemacht und ein deutliches Zeichen in Richtung Freiburg und Leipzig gesendet. Die beiden Teams an der Tabellenspitze stehen damit am Sonntag in ihren Spielen unter Zugzwang, ehe es am nächsten Wochenende dann in Nürnberg zum Topspiel zwischen dem Club und Rasenballsport kommt.
Der 4:0-Auswärtssieg mag vom Ergebnis deutlicher aussehen als es das Spiel in Ostwestfalen gewesen ist, doch gerade die beiden Treffer zum Drei- und Vierzunull in der 88. und 90. Minute zeigten erneut, dass der Fußball-Club Nürnberg des Jahres 2016 erst mit dem Abpfiff eines Spiels wirklich zu stoppen ist. Die beiden Tore zeigen auch, dass die Mannschaft von René Weiler begriffen hat, worum es nun geht. Schließlich hat man gegenüber Freiburg und Leipzig nicht nur in Sachen Punkte einen Rückstand aufzuholen, sondern auch, was das Torverhältnis angeht. Und wenn der direkte Gegner um Tabellenplatz zwei in Bielefeld mit 4:1 gewinnt, muss man selbst eben mindestens mit 4:0 gewinnen, um am Ende auch in Sachen Tore zumindest leicht an Boden gut zu machen.
Und genau darum geht es für den 1.FC Nürnberg nach dem Sieg in Bielefeld und der gleichzeitigen Niederlage von St. Pauli zu Hause gegen Paderborn. Es geht um Platz zwei! Darum, Boden nach oben gut zu machen und nicht mehr darum, Platz drei zu verteidigen. Erlaubt man sich beim FCN keinen größeren Lapsus mehr, dürfte der Relegationsplatz bei inzwischen mindestens sieben Punkten Vorsprung auf Platz vier kaum noch in Gefahr geraten. Dies zwar nicht unbedingt, weil sieben Punkte so ein beruhigendes Polster sind, sondern vielmehr, weil sich Bochum, St. Pauli und erst recht Braunschweig zu inkonstant zeigen, um vorne noch einmal angreifen zu können. Wer im eigenen Selbstbewusstsein inzwischen jedoch derart gestärkt ist wie der Club, der gewinnt dann eben auch Spiele wie das am Freitag bei der Arminia. Der Aufsteiger zeigte sich nämlich wie schon im Hinspiel als durchaus unangenehmer Gegner, der Pech hatte, dass ihm in der neunten Minute ein klarer Vorteil und damit eine klare Torchance abgepfiffen worden war. Nachdem Dave Bulthuis im Mittelfeld seinen Gegenspieler Christoph Hemlein umgesenst hatte, unterbrach Schiedsrichter Martin Petersen die Partie, um dem Niederländer im Club-Trikot die Gelbe Karte zu zeigen. Und das, obwohl der Ball nach dem Foulspiel direkt in den Lauf von David Ulm gesprungen war und dieser bereits fast unbedrängt in Richtung FCN-Tor unterwegs war.
Den Rest der ersten Halbzeit kann mit wenigen Worten zusammenfassen: Kampfbetontes Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe mit einem leichten Chancenplus auf Bielefelder Seite. Daran änderte sich auch in der ersten Viertelstunde in Durchgang zwei nichts, doch die wirklich starke Phase der Gäste sollte ja noch kommen. Vor der Partie auf der Alm hatte der 1.FC Nürnberg 22 seiner 47 Treffer in den letzten dreißig Minuten eines Spiels erzielt – Höchstwert in Liga zwei. Als in Bielefeld die Stunde geschlagen hatte, deutete zunächst nicht viel darauf hin, dass diesen 22 Treffern weitere folgen würden – und schon gar nicht darauf, dass es sogar vier Treffer werden würden.
Dann jedoch ließ sich Bielefelds Kapitän Fabian Klos auf einen unnötigen Mittelfeld-Zweikampf gegen Patrick Erras ein, verlor diesen prompt und konnte dann nur noch hinterherschauen, wie plötzlich alles rasend schnell ging. Erras passte auf Guido Burgstaller, der schließlich Sebastian Kerk steil schickte. Dieser umkurvte den herausgeeilten Arminia-Keeper Wolfgang Hesl und traf in der 61. Minute zum 1:0 für den Glubb. Kerk salutierte vor der gut gefüllten Gästekurve und nur wenige Minuten später konnten die Fans hier erneut jubeln. Dieses Mal war Niclas Füllkrug vor dem Bielefelder Tor aufgetaucht und von Manuel Hornig in letzter Sekunde von den Beinen geholt worden. Die Konsequenz: Elfmeter für den Club und Rote Karte für Hornig. Füllkrug verwandelte den Strafstoß in der 65. Minute zum 2:0 für die Gäste.
Was danach kam, bezeichnete FCN-Trainer René Weiler hinterher als „nicht schön“, denn die Gastgeber hatten durchaus noch Möglichkeiten auf den Anschluss, wenn nicht gar auf den Ausgleich. Beim Torschuss von Christopher Nöthe in der 72. Minute zeigte Patrick Rakovsky jedoch mit einer Glanzparade, dass er an diesem Abend ein würdiger Ersatz für den verletzten Raphael Schäfer war, und in  der 80. Minute zeigte Klos, dass dieser 11. März nicht unbedingt sein Tag war. Völlig frei vor dem Nürnberger Tor hämmerte der Torjäger den Ball völlig freistehend aus kürzester Distanz an die Querlatte. So kann man sich selbst um den Lohn der Arbeit bringen und schließlich für die eigene Demotivation sorgen. Guido Burgstaller und Hanno Behrens erzielten die bereits weiter oben erwähnten Treffer zum deutlichen Endstand und schraubten damit die beeindruckende Serie auf nunmehr 16 Spiele ohne Niederlage. In der Rückrunde bleibt der Club mit nun sieben Siegen und nur zwei Unentschieden bei 23 von 27 möglichen Punkten das Maß aller Dinge. Platz zwei im Tableau der Rückrunde belegt Rasenballsport Leipzig – am nächsten Wochenende Gast im Frankenland. Wer da nicht Glubb guckt, dem ist beim besten Willen nicht mehr zu helfen.