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2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 16. Spieltag
[Sonntag, 29.11.2015] FC St.Pauli – 1. FC Nürnberg 0:4 (0:2)

Im Hamburger Stadtteil Sankt Pauli wird der Einlauf beider Mannschaften im Millerntor-Stadion stets von Glockenschlägen der australischen Hardrockband AC/DC begleitet. Der Gegner des FC St. Pauli soll schon vor der Partie das Gefühl bekommen, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat. Funktioniert hat dies am Sonntag gegen den 1.FC Nürnberg nicht. Im Gegenteil: Die Gegentore eines hocheffizienten Gastvereins müssen den Paulianer selbst wie Schläge ins eigene Mark vorgekommen sein.
Der Auftritt der Franken war das Paradebeispiel eines taktisch klug geführten Fußballspiels. Trainer René Weiler hatte sich die Kiezkicker vorher offensichtlich genau ausgeguckt und auf eine Taktik des Konterns gesetzt. Eine Taktik, die voll und ganz aufging und der der FC St. Pauli trotz größerer Spielanteile faktisch nichts entgegenzusetzen hatte, während der Glubb im Grunde jeden gelungenen Angriff auch mit einem Tor abschloss.
Drei halbwegs brauchbare Chancen hatten die Gastgeber in der siebten, in der elften und in der 17. Minute, ehe den fränkischen Gästen quasi aus dem Nichts mit ihrem ersten Gegenangriff zum 1:0 trafen. Kevin Möhwald hatte den Ball rechts auf Miso Brecko gespielt, der seine Flanke scharf herein gab. In der Mitte verpasste Hanno Behrens zunächst, doch Niclas Füllkrug, der für den gelb-gesperrten Guido Burgstaller in der Anfangself stand, erwischte das Leder mit dem Knie und bugsierte es zur Führung über die Linie.
Bis kurz vor der Pause überließ der 1. FC Nürnberg dann wieder den Gastgebern das Feld, hatte durch Kevin Möhwald in der 25. und 30. Minute jedoch die besseren Torchancen. Bei Sankt Pauli ging an diesem Sonntag nicht viel zusammen, während beim FCN Dinge klappten, die sonst nur im Training funktionieren. Allessandro Schöpf stand in der 43. Minute mit dem Rücken zum Tor, als er aus dem Mittelfeld Füllkrug steil in Richtung Pauli-Tor schickte. Füllkrug nahm die Gelegenheit gerne an und schraubte das Ergebnis auf 2:0.
Nach dem Pausentee verpasste zunächst Lennart Thy in der 50. Minute den schnellen Anschlusstreffer. Der Mann, der im letzten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf noch vier Mal für Sankt Pauli getroffen hatte, verpasste das Zuspiel von Marc Hornschuh jedoch knapp und als sich drei Minuten später zwei Hamburger im Mittelfeld gegenseitig über den Haufen liefen, nutzte erneut Schöpf die Gelegenheit, um einen Angriff einzuleiten. Nach einem Doppelpass mit Füllkrug spielte der Österreicher schließlich auf Tim Leibold, der links gestartet war und letztlich aus rund elf Metern keinerlei Mühen hatte, zum 3:0 zu treffen.
Das Spiel war nun entschieden und der Glubb hatte keinerlei Mühe, den klaren Vorsprung über die Zeit zu bringen. Im Gegenteil: Kurz vor dem Ende nutzte Patrick Erras die Unsicherheit von Pauli-Keeper Robin Himmelmann nach einem Eckball und erzielte in der 89. Minute aus kurzer Distanz das 4:0.
Die Mannschaft von René Weiler hat mit dem Sieg in Hamburg eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie in dieser Saison noch etwas erreichen will. Der zweite Auswärtssieg der Saison bedeutete auch, dass man zum zweiten Mal in dieser Saison zwei Spiele nacheinander gewinnen konnte. Mit dem Heimspiel gegen Paderborn am kommenden Freitag besteht also die Chance, das Punktekonto auf neun Punkte aus drei Spielen zu schrauben. Ein Vorhaben, dass beim letzten Mal nach den Siegen gegen Sandhausen und in Kaiserslautern mit einem 2:2 im Heimspiel gegen Bielefeld scheiterte. Vielleicht gelingt es ja gegen die Mannschaft von Stefan Effenberg und gesetzt den Fall, dass am Ende des kommenden Heimspiels tatsächlich drei Punkte auf der Habenseite stehen, wird man in Nürnberg auch wieder Ansprüche nach oben anmelden dürfen. Zum Relegationsplatz, auf dem trotz der herben Pleite noch immer St. Pauli steht, sind es inzwischen nur zwei Punkte. Es kann also bei optimalem Verlauf bereits am kommenden Spieltag zu Platz drei in der Liga reichen. Ein Platz der für die zweiten 17 Spiele der Saison alle Möglichkeiten offen lässt und vor allem bei der Anhägerschaft die Hoffnung nährt, dass die laufende Spielzeit nicht ähnlich ereignislos austropft wie die vergangene Saison.