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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 12. Spieltag
[Samstag, 24.10.2015] MSV Duisburg – 1. FC Nürnberg 0:0 (0:0)

Zum zweiten Mal in Folge verpasst der 1. FC Nürnberg einen möglichen Sieg und muss sich am Ende gegen einen unterlegenden Gegner mit einer Punkteteilung zufrieden geben. Im Gegensatz zur Vorwoche ist die Ursache nach dem Spiel in Duisburg jedoch eher bei der eigenen Leistung zu suchen und nicht beim Unparteiischen. Zwar bot sich für Schiedsrichter Timo Gerach in der 83. Minute durchaus die Möglichkeit, nach einem Foul an Robert Koch auf den Elfmeterpunkt zu zeigen, doch die Pfeife des Mannes aus Landau blieb stumm, obwohl das Tackling im Duisburger Strafraum durchaus deutlicher war, als der Zweikampf, den Schiedsrichter Heft in der letzten Woche zum entscheidenden Pfiff nutzte.
Bis auf diese eine strittige Szene knapp zehn Minuten vor dem Abpfiff bot die Partie in der Duisburger Arena nur wenige aufregende Momente. Den Gastgebern merkte man über die gesamte Spiellänge sowohl die eigene Unsicherheit als Tabellenletzter, als auch die Tatsache an, dass die eigenen fußballerischen Mittel doch recht begrenzt sind. Beim Club hatte man letztlich genau den Eindruck, der sich in den letzten Wochen mehr und mehr verhärtete: Die Mannschaft von René Weiler hat durchaus spielerische Fähigkeiten, es fehlt dem jungen Team jedoch deutlich an Konstanz. Auf den Punkt gebracht: Allessandro Schöpf, Guido Burgstaller und Co. haben durchaus das Können, es fehlt jedoch die Fähigkeit, dieses Können auf den Punkt abzurufen. Ein Mangel, der den Club von einer Spitzenmannschaft unterscheidet und ihn mehr und mehr zu einer grauen Mittelfeldmaus in Liga zwei werden lässt. Besserung ist da zumindest in absehbarer Zeit leider nicht in Sicht.
Entsprechend kleine Brötchen wird man beim FCN in den Wochen bis Weihnachten backen müssen – und unter Berücksichtigung der eigenen finanziellen Lage wohl auch mindestens noch im kommenden Jahr.
So lange jedoch an den entscheidenden Stellschrauben aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht gedreht werden kann, wird es eben maximal zu nah dran statt mittendrin reichen. Es wird immer mal wieder zu positiven Überraschungen kommen (wie der Sieg auf dem Betzenberg in Kaiserslautern), denen dann jedoch auch wieder Wochen der Wahrheit mit sich wiederholenden Enttäuschungen folgen werden. Mit den Spielen gegen Frankfurt, Duisburg, Karlsruhe und Union Berlin hatte der Spielplan dem 1. FC Nürnberg durchaus die Möglichkeit auf eine kleine Erfolgsserie geboten. Nach zwei Unentschieden in Folge kann man zusammenfassen: Der Wille allein zählt eben nicht.
Ginge es nämlich allein um den Willen, wäre der Club im Herzen vieler Fans doch schon längst zum zwanzigsten Mal Deutscher Meister. Das ist aller Ehren wert und im Grunde auch normal für einen Fan, dass er sich sein Team stets siegreich und dementsprechend weit oben in der Tabelle wünscht. Wovor die neuen Verantwortlichen beim 1. FC Nürnberg nun jedoch auch aufpassen müssen, ist ein Phänomen, dass er bisher eher bei Vereinen wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Leverkusen verfolgen konnte. Kaum war an diesem unsäglichen Samstag der Abpfiff nach einem enttäuschenden, zeitweise langweiligen Spiel ertönt, ploppten in den diversen Kartenbörsen im Internet die Angebote für kommende Clubspiele auf – sie dies nun das Pokalspiel unter der Woche oder auch das Aufeinandertreffen mit dem Karlsruher SC am kommenden Montag.
Die Leute verlieren die Geduld. Das Dahindämmern des 1. FC Nürnberg dauert inzwischen zu lange, als dass Erfolgsfans diesen Atem beweisen können. Man sieht dies deutlich an den Zuschauerzahlen im Max-Morlock-Stadion – und ob man es im Frankenland nun glaubt oder nicht: Auch im Berliner Max und Marek merkt man einen deutlichen Zuschauerschwund. Im großen Rund eines Fußballstadions mag ein solcher Rückgang noch zu verkraften sein – zumal man weiß, dass Bundesligavereine ihre Finanzen inzwischen nur noch zum Bruchteil über die Eintrittskarten bestreiten. Im kleinen Eck einer Fanclubkneipe merkt man einen Rückgang der Zuschauerzahlen schneller und die Folgen können dementsprechend schneller dramatisch sein. Irgendwie muss sich das Ganze am Ende ja dann auch rechnen. Es wird also dringend Zeit, dass der FCN wieder erfolgreicher spielt – schon allein, damit die nun wegbleibenden Zuschauer wieder zurückkehren und man sie persönlich fragen kann, welche Vorstellung sie davon haben, wie ein Unternehmen (sei es der Club selbst oder eine Fanclubkneipe desselben) erfolgreich bzw. erfolgreicher wirtschaften soll, wenn man ihm gerade in der größten Not die finanziellen Mittel entzieht.

P.S. Und ja: Die Anstoßzeiten sind scheiße! Sind sie aber auch für die, die trotzdem zum Glubb gehen.