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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 5. Spieltag
[Sonntag, 30.08.2015] 1. FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 1:0 (0:0)

Von Dusel zu sprechen mag letztlich vielleicht etwas übertrieben sein, doch zu einem knappen Sieg gehört eben auch immer ein wenig Glück – und dieses Glück hat sich der Club am Sonntag in der Gluthitze des Max-Morlock-Stadions durchaus erkämpft.
Sehen wir es also positiv: Der 1. FC Nürnberg hat gegen Fortuna Düsseldorf im dritten Heimspiel seinen zweiten Sieg gefeiert, bleibt im eigenen Stadion ungeschlagen und liegt mit nunmehr sieben Punkten mal gerade drei Punkte hinter dem Drittplatzierten der Liga. Dort steht im Moment der 1. FC Heidenheim – eine Mannschaft, die der Glubb in dieser Saison bereits schlagen konnte. Im Umkehrschluss müsste das dann doch eigentlich heißen: Da geht doch noch was in dieser Saison. Zumal man im erneuten Umkehrschluss – also praktisch im umgekehrten Umkehrschluss sagen könnte: Zum ersten Abstiegsplatz sind es jetzt fünf Punkte Vorsprung und jedem, der nun kommt und sagt, man müsse nach unten aufpassen, kann man nun mit gutem Gewissen ins Gesicht grinsen und sagen: Dann geht aber nach oben definitiv auch noch was – bis auf Platz zwei sind es nämlich auch nur fünf Punkte.
So weit die Theorie, wenn man die eigene Phantasie ähnlich bunt sprudeln lassen möchte, wie es die Ultras in ihrer Kurvenchoreographie taten. Realistisch gesehen darf man sich mit Sicherheit über den Sieg freuen, weil er weitere Diskussion rund um die Mannschaft zumindest vorerst verhindert hat. Zumindest ein Team wie die Fortuna scheint man in dieser Saison auf Abstand halten zu können. Womit wir dann eben auch gleich beim eigentlichen Problem des Sieges wären: Ohne despektierlich sein zu wollen – aber es war eben auch nur die Fortuna. Und diese Fortuna präsentiert sich eben in dieser Saison bisher nicht nur glücklos, sondern macht vor allem in Richtung gegnerisches Tor einen äußerst harmlosen Eindruck.
Seien wir also ehrlich: Ein Team mit ordentlicher Klasse hätte diese Düsseldorfer Gäste am Sonntag mit drei oder vier Gegentore nach Hause geschickt. Der Club jedoch mühte sich in der Sommersonne zwar redlich, kam jedoch nur selten zu wirklich zwingenden Aktionen und muss am Ende dann eben damit zufrieden sein, dass man wahrscheinlich genau dieses eine Tor besser war als der Gast aus dem Rheinland. Nicht mehr und nicht weniger und am Ende des Tages also ganz einfach ziemlich mittendrin. Mit viel Luft nach oben, aber wohl auch zumindest mit ausreichend Luft nach unten. Eine graue Maus im Mittelfeld, mehrere Millionen Kilometer nicht nur von den eigenen Ansprüchen, sondern auch von den Erfolgen der jüngsten Vergangenheit entfernt. Wenn an einem sonnigen Sonntag-Nachmittag das Stadion mal gerade etwas mehr als die Hälfte gefüllt ist und die Leute lieber ins Freibad gehen, statt den Club siegen zu sehen, dann spricht das Bände. Das müssen auch nach einem Sieg Fragen erlaubt sein. Fragen nach den Gründen und vor allem Fragen danach, was man in naher Zukunft unternehmen will, damit es wieder besser wird.
Die ersten Antworten haben die Verantwortlichen am Tag nach dem Spiel quasi durch ihr eigenes Stillschweigen gegeben. Der Club ist am letzten Tag des offenen Transfermarktes nicht mehr tätig geworden, hat das Geld, das vor Wochenfrist durch den Transfer von Niklas Stark zur Hertha nach Berlin in die Kassen gespült wurde, nicht direkt in die Mannschaft reinvestiert. Offensichtlich wurden die Millionen zur Stopfung anderer Löcher benötigt und beim lauthalsen Stillschweigen der kompletten Vorstandschaft muss man sich dann doch mal fragen, welche Leichen da noch im Keller liegen. Das Sportliche jedenfalls spielt beim 1. FC Nürnberg im Moment nur eine Nebenrolle. Natürlich freut man sich als Fan über einen Sieg und fährt freudestrahlend und singend zurück nach Berlin. Doch hat ein solcher Dreier früher dazu ausgereicht, einen mit Dauergrinsen durch die gesamte Woche zu tragen, reicht die Freude nun meist nur wenige Stunden. Dann sind sind sie wieder da: Die quälenden Gedanken und Fragen nach den Gründen – dem echten Liebeskummer nicht unähnlich. Man lacht, man freut sich, wenn man abgelenkt wird, doch im Grunde ist der Schmerz sofort wieder da, wenn das Lachen verklungen ist.