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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 4. Spieltag
[Sonntag, 23.08.2015] VfL Bochum – 1. FC Nürnberg 2:1 (1:1)

Nimmt man es genau und hat man auch nur ansatzweise Ahnung von Fußball, muss man als Clubfan nach dem Spiel beim VfL Bochum im Grunde fast schon resignierend konstatieren, dass die Spielzeit 2015/2016 für den 1. FC Nürnberg bereits nach vier Spieltagen beendet ist – zumindest, was die Ambitionen nach oben angeht. Mehr als Ansätze liefert diese Mannschaft nicht und kann sich am Ende eines sonnigen Sonntags noch glücklich schätzen, dass Schiedsrichter Tobias Welz im Ruhrstadion einen exzellenten Tag erwischt hat und sich nicht scheute, innerhalb von wenigen Minuten gleich drei Treffern der Gastgeber die Anerkennung zu verweigern. Der Unparteiische lag zwar bei allen drei Entscheidungen richtig, doch so mancher Referee hätte wahrscheinlich spätestens nach dem zweiten Treffer Angst vor der eigenen Courage bekommen und den richtigen Pfiff verweigert. Ohne einen mutigen Schiedsrichter hätte der Club in Bochum schon zur Halbzeit mit 1:3 oder 1:4 zurückliegen können – und hätte sich nicht einmal beschweren können.
Bleibt die Frage, warum die Gäste aus Franken nach dem sehr frühen und zwar durchaus glücklichen 1:0 durch Guido Burgstaller bereits in der zweiten Minute das Spiel trotzdem nicht in den Griff bekamen. Normalerweise führt ein solch früher Führungstreffer zu Selbstbewusstsein. Selbstbewusstsein, das beim Club an diesem Sonntag nur wenige Minuten andauerte und schließlich wieder in einem heillosen Durcheinander in der Hintermannschaft mündete. Die Antwort auf die Frage nach dem Warum ist einfach: Die Mannschaft von René Weiler kann es eben nicht besser. Kämpferisch und mit Abstrichen auch läuferisch kann man dem Team keinen Vorwurf machen. Spielerisch fehlen nicht nur auf den VfL Bochum im Zweitliga-Vergleich Welten. Der Angriffsmaschinerie von Ex-Club-Trainer Gertjan Verbeek hatte man jedenfalls wenig bis gar nichts entgegenzusetzen und auch, wenn Keeper Thorsten Kirschbaum in der ein oder anderen Situation einen Rückstand verhindern konnte, muss man sich auch dieses Mal unter dem Strich wieder fragen, wo der Mann sein Stellungsspiel gelernt hat. Die Antwort auf die Frage, was er beim 1:1-Ausgleich irgendwo im Niemandsland des Strafraums gesucht hat, wird Kirschbaum allein beantworten können.
Und als seien all diese Einsichten in die mangelnden Fähigkeiten der FCN-Spieler in der Saison 2015/2016 nicht schon ernüchternd genug, musste man sich am Tag nach dem Spiel als Clubfan noch einmal mehr am Kopf kratzen und sich fragen: Was soll das denn nun wieder? Niklas Stark wechselt zur Hertha nach Berlin und auch wenn oder gerade, weil der Transfer kolportierte drei Millionen in die Kassen des FCN spült, bleibt das große Fragezeichen hinter den Gründen für den Transfer. Natürlich sehen die sportlichen Perspektiven für Niklas Stark bei der Hertha momentan besser aus als in Nürnberg. Wenn man jedoch allein nach den Perspektiven geht, dürfte es im Grunde momentan überhaupt keinen Spieler geben, der für den Glubb spielt. Welche Perspektiven hat er denn im Frankenland?
Perspektiven sind doch im Grunde auch immer mit dem Anspruch der Vereinsführung verbunden. Welche Perspektiven will man zukünftig denn bieten, wenn man seine jungen Talente abgeben muss, weil die Vereinsführung offensichtlich nicht wirtschaften kann und schon bei einer niedrigen Millionensumme inzwischen gezwungen ist, das eigene Tafelsilber entgegen eigener Aussage zu verscherbeln? Es ist jedenfalls noch nicht lange her, da stand die alte Tante Hertha keinesfalls für bessere Perspektiven als der Glubb. Die Frage muss erlaubt sein, was beim 1. FC Nürnberg schief gelaufen ist. Die hilflosen Versuche einen Georg Marggreifer im selben Atemzug mit dem Abgang von Niklas Stark als Verstärkung zu verkaufen, zeigen, dass die Vorstandsarbeit beim 1. FC Nürnberg nicht erst seit Wochen und Monaten zum Himmel stinkt.
So traurig es ist: Für den Fan ohne genaue Einblicke in die Vereinsgremien bleibt die einzig spannende Frage der Saison, wer da nun genau Mist gebaut hat. War man sich mit sich selbst in den letzten Wochen vielleicht auch einig, dass vor allem Martin Bader vom Anfängerglück seiner frühen Amtsjahre längst verlassen worden war, drängt sich spätestens mit den Transfers von diesem Montag das ungute Gefühl auf, dass die neue Führungsspitze um Wolfgang Wolf es auch nicht besser kann. Denn selbst, wenn der Stark-Transfer letztlich doch der noch nötige Verkauf war, um einen sich als Gerücht hartnäckig haltenden Punktabzug noch zu verhindern, könnte man als neue Vereinsspitze doch jetzt so langsam mal anfangen, mit offenen Karten zu spielen und die eigenen Fans nicht für dumm zu verkaufen.