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Ohne jede Frage ist New York City heutzutage so etwas wie die Weltstadt überhaupt. Und auch, wenn Frank Sinatra schon vor vielen, vielen Jahren sang, dass man es überall schaffen könne, wenn man es in New York schaffe, muss man doch festhalten: Das mit dem Glanz und Glamour war und ist nicht immer so.

Schwere Krise in den 1980er Jahren

Anfang der 1980er Jahre erlebte die Stadt am Hudson River so etwas wie ihre schwerste Krise: Die Kriminalstatistiken brachen jährlich neue Rekorde, in Stadtvierteln wie Haarlem und der Bronx bildeten sich Schwarzenghettos, die mehr und mehr den Eindruck von Slums machten. New York City war nur noch ein Schatten seiner selbst und traurig anzusehen. Und es ist ein Verdienst von Regisseur J.C.Chandor, dass man dieses schon nach wenigen Einstellungen in »A Most Violent Year« so auch spürt. Die Zeiten sind trostlos und die eingeleiteten Programme von Bürgermeister Ed Koch greifen noch nicht. Umso mehr müssen die Menschen kämpfen, wenn sie in dieser Stadt erfolgreich sein wollen. Gar unmöglich scheint der Kampf um Erfolg, wenn man diesen mit ehrlichen Mitteln erreichen will.

Eine Existenz aufbauen

Dies bekommt auch der Einwanderer Abel Morales zu spüren, der sich über Jahre zwar durchaus eine Existenz als Heizöl-Spediteur aufbauen konnte, gleichzeitig aber weiß, dass er weiter expandieren muss, wenn die Firma überleben soll. Schwer gemacht wird ihm dieses Überleben durch unbekannte Öl-Diebe, die seine Lastwagen überfallen und das bereits bezahlte Heizöl in mafiösen Tanks verschwinden lassen. Abel ist an dem Punkt, an dem viele Menschen zur Waffe greifen würden, um sich zu wehren. Immer enger zieht sich die Schlinge der drohenden Pleite um seinen Hals zu – auch, weil er sich auf Geschäfte eingelassen hat, die man durchaus als halsbrecherisch bezeichnen könnte.

Ein Kammerspiel im Großen

Regisseur J.C.Chandor gelingt es nach seinen viel beachteten »The Margin Call« und »All Is Lost« erneut, den Zuschauer mit einer an sich recht unspannenden Geschichte trotzdem zu fesseln. Und er tut dies erneut in Form eines Kammerspiels im Großen. Chandor konzentriert sich auf wenige Beteiligte, schafft Interesse für die Charaktere, die mit Aufgaben konfrontiert sind, denen sie hilflos gegenüberstehen. Waren es in »The Margin Call« die Börsenmakler, die in den Abgrund des drohenden Börsencrashs schauten, erlebte Robert Redford in »All Is Lost« seine Aussichtslosigkeit auf hoher See.

Nur ein kleines Rädchen

Nun also Abel Morales als kleines Rädchen in einem großen Geschäft, in dem er das legitime Bedürfnis hat, ein größeres Rädchen zu werden und gerade deshalb Gefahr läuft, zermalmt zu werden. Die spannende Frage stellt sich auch hier: Wird Morales zum Opfer der Gegebenheiten (wie Redford auf hoher See) oder wird der klare Weg zum Ziel und setzt sich mit seiner Anständigkeit am Ende durch?

A Most Violent Year (USA 2014), Regie: J.C.Chandor; Darsteller: Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo; 125 Minuten

DVD-Erscheinung: Donnerstag, 07. August 2015

A Most Violent Year
Kammerspielartige CharakterstudiePräzise gezeichnet
89%Gesamt
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