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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2015/2016, 2. Spieltag
[Freitag, 31.07.2015] 1. FC Nürnberg – 1. FC Heidenheim 3:2 (2:1)

So ein Sprung ins kalte Wasser kann in der warmen Jahreszeit ja durchaus für die gewünschte Erfrischung sorgen. Trotzdem soll es ja Menschen geben, die sich lieber Schritt für Schritt ins kalte Nass wagen. Diese Menschen sind beim 1. FC Nürnberg dieser Tage definitiv falsch. Der Saisonstart des Altmeisters in die Spielzeit 2015/2016 glich eher einem Kopfsprung in unbekanntes Gewässer – und kaum hatte man sich versehen, war man auch schon mitten drin im Strudel.
Zuerst die 13 Minuten von Freiburg, die so schnell wahrscheinlich kein Clubfan vergessen wird, dann der nächtliche Stopp der Mannschaft auf einer Autobahnraststätte irgendwo in der süddeutschen Pampa, zwei Tage später die Ankündigung des Bader-Rückzugs, durch die eine – zumindest, was die Umstände angeht – fast lächerlich wirkende Verpflichtung von Miso Brecko praktisch unbemerkt untergeht und am Ende der Woche dann ein hart erkämpfter, doch letztlich verdienter 3:2 gegen die Fußballweltmacht 1. FC Heidenheim. Der Club hat es mal wieder geschafft: Innerhalb von nur fünf Tagen hat er im deutschen Blätterwald so viele Schlagzeilen fabriziert, wie es der SV Sandhausen und der SC Paderborn gemeinsam in einer ganzen Saison nicht schaffen.
Wir gratulieren und wenn man dem Spiel gegen die Heidenheimer am Ende etwas abgewinnen möchte, dann die Tatsache, dass der Heimsieg zumindest in den kommenden Tagen ein wenig Ruhe am Valznerweiher wird einkehren lassen. Die ersten Punkte sind eingefahren und bei realistischer Einschätzung steht der FCN im Moment genau dort, wo man ihn vor der Saison nach den ersten beiden Spielen erwarten durfte. In Freiburg kann man eben mal verlieren, gegen Heidenheim sollte man – zumindest im eigenen Stadion – gewinnen können. Und blickt man zurück auf die letzte Saison, ist mit dem Sieg durchaus ein Fortschritt zu erkennen. Ein Sieg gegen der 1. FC Heidenheim (und/oder überhaupt Punkte) ist der Mannschaft mit dem Glubb-Wappen auf dem Trikot in der vorherigen Spielzeit nicht gelungen. Es geht also aufwärts und wer hier Ironie entdeckt, darf sie behalten.
Dass es auch am Freitag gegen die Mannschaft von Frank Schmidt eng wurde, muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden. Nach einer solchen Woche liegt das in der Natur der Dinge. Was die Mannschaft gegen Heidenheim erneut gezeigt hat: Wenn es mal nicht so läuft (und böse Zungen behaupten, dass kann bei diesem Kader in Zukunft öfter passieren), funktioniert zumindest der Willen und der Kampf. Das hat man in Freiburg zu Beginn der zweiten Hälfte gesehen und man hat es am Freitag gegen Ende des Spiels gesehen. Das 3:2 durch Jan Polak in der 87. Minute war ein pures Produkt des Willens. Zwei Mal hatte die Mannschaft von René Weiler in Führung gehen können, zwei Mal hatten die Gäste von der Ostalb zurückgeschlagen. So etwas mag frustrieren, doch Frustration hat auf dem Weg zu drei Punkten noch nie geholfen. Zumindest dies scheinen der tschechische Torschütze und seine jungen Hüpfer inzwischen verinnerlicht zu haben.
Bleibt die Frage nach dem seltsamen Bild zu diesem Artikel mit den Clubfans und dem seltsamen Hintergrund in blau-weiß. Nun, hier ist die Antwort ganz einfach: Wenn der Bezahlsender mit den drei Buchstaben Dich in der eigenen Fanclubkneipe hängen lässt, musst Du eben ins Exil und dort nach Möglichkeit „feindliches Terrain“ übernehmen. Dies ist uns in der Nachbarschaft auch dank einer sehr lieben und netten Wirtsfrau gelungen und so wurde der offizielle Hertha-Fantreff „Zum Kugelblitz“ (—> Ailton ???) zumindest für eineinhalb Stunden zur fränkischen Oase. Allen Beteiligten im Kugelblitz an dieser Stelle ein fettes Dankeschön – so geht das in Berlin: Man schaut kurz verwundert, kratzt sich hinter dem Ohr und fragt sich: „Was? Es gibt einen FCN-Fanclub in Berlin?“ Danach öffnet man Tür und Tor und am Bierhahn alle Ventile – und ab geht die Post!