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Sie sind auf der Suche nach einem Beispiel dafür, dass Geld den Charakter verdirbt? Bitte schön: Kaufen Sie sich doch einfach das aktuelle Bundesliga-Sonderheft des kicker. In der Ausgabe für die anstehende Bundesliga-Saison 2015/2016 gibt es unter Anderem ein Interview mit Manuel Neuer, dem Torhüter des FC Bayern München und der Deutschen Nationalmannschaft (kurz: Die Mannschaft). Ein Interview, wohlgemerkt, das an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten ist und letztlich den wohl eigentlich gedachten Sinn und Zweck auf fast unfreiwillig komische Art und Weise ins Gegenteil verkehrt.

Werbung für Sponsoren

Was ist passiert? Fakt ist: Manuel Neuer macht in dem Interview unverhohlen Werbung für seine Sponsoren – auf eine derart plumpe und dumme Art und Weise, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Ob das beabsichtigt war? Mit Sicherheit nicht, denn das Internet reagiert mit Hohn und Spott und die ursprünglich offensichtlich gewollte Werbewirkung dreht sich gerade ins Gegenteil. Doch wie kann so etwas passieren? Nun, sagen wir es doch, wie es ist: Da waren Amateure am Werk, bestenfalls Praktikanten. Alle anderen Möglichkeiten, die man wohlwollend durchgehen mag, führen letztlich nur zu Kopfschütteln: Nein, so kann das nicht gewesen sein.

kicker-neuerMedienprofis am Werk?

Da die Strippen in solchen Fällen anderweitig gezogen werden und am Ende natürlich wieder niemand von irgendwas gewusst haben will, bleibt am Ende die reine Spekulation, wie ein solcher Fauxpas passieren kann. Letztlich ist es jedoch auch nicht das Wie und/oder das Warum, das an dieser Stelle wichtig ist. Vielleicht lachen sich in diesem Moment ja sogar irgendwelche Medienprofis ins Fäustchen, weil sie an den Reaktionen im Internet mehr und mehr merken, dass ihre Rechnung bei aller Peinlichkeit doch aufgegangen ist – wer hätte über das Interview und die genannten Sponsoren sonst überhaupt gesprochen?

Das Heft der Peinlichkeit

Das entscheidende Heft der Peinlichkeit hält in diesem Falle Manuel Neuer selbst in der Hand: Früher hat der Junge in der Nordkurve des Gelsenkirchener Parkstadions gestanden, mit ordentlich Bodenhaftung einem Malocherverein (der inzwischen auch keiner mehr ist) zugejubelt und geheult, wenn dieser wieder nur »Meister der Herzen« wurde. Heute ist Manuel Neuer ein abgehobener Weltstar, der sich im Konzert der Millionäre von der Säbener Straße inzwischen derart integriert hat, dass ihm nicht einmal mehr auffällt, wenn er der Lächerlichkeit Preis gegeben wird.