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Manchmal lohnt tatsächlich auch ein Blick ans andere Ende der Welt – und in diesem Falle ist das tatsächlich auch so gemeint, denn lauscht man den Worten von Fußballtrainer Stan Foster kann man im Grunde nur vermuten, dass Mikronesien das Ende der Welt ist. Die Frage könnte nun lauten: Was kann man am Ende der Welt lernen? Und die Antwort fällt eindeutig aus, blickt man auf die U23-Fußball-Nationalmannschaft des kleinen Inselstaates: Leidenschaft! Und zwar Leidenschaft im wahrsten Sinne des Wortes.

Leidenschaft im wahrsten Sinne des Wortes

Anders als mit Leidenschaft für den Fußball wird man jedenfalls kaum erklären können, warum die jungen Spieler vom anderen Ende der Welt diese Woche nicht entnervt die Fußballschuhe an den Nagel gehängt haben. In drei Spielen haben diese in den letzten beiden Wochen versucht, sich für das Fußballturnier der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu qualifizieren. Liest man die Bilanz der drei Fußballpartien, kommt einem sofort das Wort »verheerend« in den Sinn: Es setzte drei Niederlagen – und zwar 0:38, 0:30 und schließlich 0:46.
Gut, kann man sagen, gegen einen starken Gegner kann man auch im Fußball mal zweistellig verlieren. Das Problem ist nur: Die Gegner hießen Fidschi, Tahiti und Vanuatu und das sind beileibe nun keine Weltmächte des Fußballs.

Keine Qualifikation

Mit der Qualifikation Mikronesiens für Olympia hat es jedenfalls nicht geklappt und die Tatsache, dass es trotz der Klatschen keine Trainerdiskussion gibt, spricht für die Gelassenheit der Insulaner. Dementsprechend nahm dann in gegenseitiger Lobhudelei Trainer Stan Foster seine Spieler noch in Schutz: »Viele meine Spieler waren nie zuvor außerhalb ihres Dorfes, geschweige denn außerhalb ihrer Insel. Wir waren gerade in Guam, dort sind meine Jungs das erste Mal mit einem Aufzug und einer Rolltreppe gefahren. Sie waren einfach ein wenig eingeschüchtert.«
Schön, dass es so etwas in unserer heutigen, technisierten Welt noch gibt: Junge Menschen im Alter von 20 Jahren, die zum ersten Mal in ihrem Leben Rolltreppe fahren. Und es beruhigt irgendwie, dass diese jungen Leute trotzdem wissen, was Fußball ist, wenn vielleicht auch – ein wenig boshaft ausgedrückt – das Verständnis noch fehlt, wie man ihn spielt. Doch gerade in dieser Hinsicht muss man nun eben auch ein wenig auf die FIFA hoffen, deren Stärke bei aller Korruption im Grunde ja immer war, den Fußball in Regionen zu bringen, wo er vorher nur Randsportart war.

Kein offizielles FIFA-Mitglied

Was Mikronesien bisher nämlich fehlt, ist die Anerkennung als offizielles FIFA-Mitglied. Nationaltrainer Foster spricht jedoch aus, was auf dem Inselstaat mit seinen gerade mal 110.000 Einwohnern jeder hofft: »Ich hoffe, dass die FIFA jetzt zu Inspektionen nach Mikronesien kommt. Wir möchten endlich einem internationalen Verband angeschlossen werden, das würde uns viele Hilfsmittel bringen.«
Und einem anderen FIFA-Mtiglied würde es die Möglichkeit bieten, den Makel eines Negativ-Rekords schnell loszuwerden. Den der höchsten Niederlage in einem offiziellen FIFA-Spiel hält nämlich trotz des 0:46 von Mikronesien gegen Vanuatu noch immer Amerikanisch-Samoa. Die Nationalmannschaft hatte bei der Qualifikation zur WM 2002 gegen Australien mit 0:31 verloren. Ein Rekord, der Bestand hat, weil die Olympia-Qualifikation von U23-Teams ausgetragen wird und somit nicht zu den offiziellen FIFA-Spielen gehört.