Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 33. Spieltag
[Sonntag, 17.05.2015] TSV 1860 München – 1. FC Nürnberg 2:1 (0:1)

Nachdem es urlaubsbedingt nach dem feinen Sieg gegen Braunschweig am letzten Wochenende keine Wortmeldung vom Disorder gab, soll das Fußballspiel, das mit fast 70.000 Zuschauern zu den bestbesuchten Spielen in der Zweitliga-Historie gehört, zumindest kurz kommentiert werden. Sportlich ging es für den Glubb nur noch um die Goldene Ananas und hätte man es nicht besser gewusst, man hätte dies zumindest in Halbzeit eins auch von den Gastgebern vermuten können. Das Spiel tröpfelte ohne Höhepunkte dahin, während sich die Fangruppen beider Lager mit „Sch… FC Bayern“ den Ball gegenseitig zuspielten. Kurz vor der Halbzeit durfte Danny Blum dann von der linken Seite völlig unbedrängt und aus dem Stehen (!) in die Mitte flanken, wo Niklas Stark sich nicht lange bitten ließ und den Kopf hinhielt – das 1:0 für den Club in der 45. Minute.
Nach dem Seitenwechsel tat sich der 1. FC Nürnberg dann selbst einen Gefallen und stellte das Fußballspielen mal wieder ein. Wir Fans werden den Spielern in der kommenden Saison dafür noch dankbar sein, denn was hätten wir uns von unseren Verantwortlichen nach dem Spiel wieder alles anhören müssen, wäre das Duell bei den Löwen die vierte Partie ohne Niederlage geworden. Ja, ja, die Mannschaft entwickelt sich, braucht nur punktuelle Verstärkungen etc. pp. blablabla. Die 90 Minuten in München haben zum Glück gezeigt: Wenn es gegen Mannschaften geht, die beißen, die kämpfen und die Willen zeigen, hat der Ruhmreiche in der momentanen Besetzung keine Chance. Und da die Löwen an diesem Sonntag bekanntlich noch jeden noch so hart erkämpften Punkt gegen den Abstieg brauchten, fielen die Gegentore eben fast zwangsläufig noch. Erst stieg Guillermo Vallori in der 56. Minute höher als sein Gegenspieler Dave Bulthuis und brachte den Ball zum Ausgleich in den Nürnberger Maschen unter und dann traf Daniel Adlung in der 72. Minute vom Elfmeterpunkt, nachdem Torschütze Stark im eigenen Sechzehner die Hand irgendwo in der Luft hatte, wo sie definitiv nicht hin gehörte und dies im Moment der Ballberührung eben richtigerweise zum Pfiff durch Schiedsrichter Dr. Jochen Drees führte.
Womit wir dann auch schon beim Spielleiter wären – denn ganz entgegen den Vorgaben des DFB, nach denen sich die Unparteiischen möglichst unauffällig zu verhalten haben, übernahm der Mann im hellblauen Jersey nun die Hauptrolle des Spiels.
Hätten sich zunächst die Gäste aus Nürnberg nicht beschweren können, wenn der Mann aus Münster-Sarmsheim nach einem Foul von Even Hovland an Valdet Rama in der 82. Minute erneut auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte, waren es in der 86. Minute unzweifelhaft die Löwen, die sehr, sehr tief durchatmeten, als der Referee einem regulären Treffer von Bulthuis die Anerkennung verweigerte – nachdem er ihn zunächst anerkannt hatte. Wahrscheinlich war dem Herrn Doktor nach seinem Torpfiff die Szene vier Minuten zuvor eingefallen und da vom Abstieg bedrohte Mannschaften für gemeinhin sehr viel stärkeren Wind machen, wenn sie benachteiligt werden, dachte sich der Mann, der ja allein durch seinen Doktortitel schon bewiesen hat, dass er so ganz dumm nicht sein kann: Wenn ich 1860 den Elfmeter verwehre und dem Glubb das Tor, steht es zwar letztlich nur 2:1 und nicht 3:2 – an der Punkteverteilung ändert sich jedoch nichts.
Also könnte man sagen: Glückwunsch, Dr. Schiedsrichter, alles richtig gemacht!
Leider liegt die Betonung hier auf dem Wort „könnte“: Nimmt man nun nämlich den gar nicht so unwahrscheinlichen Fall an, dass der FSV Frankfurt und Erzgebirge Aue ihre Spiele am kommenden Wochenende gewinnen, weil es für ihre Gastgeber Düsseldorf und Heidenheim um nichts mehr geht, und geht man weiter davon aus, dass sich der momentan formstarke FC St. Pauli beim SV Darmstadt 98 ein Unentschieden erkämpft, geht es in Sachen Abstieg bzw. Relegationsplatz genau um zwei Mannschaften: den TSV aus München und die von uns so innig geliebte Westvorstadt. Geht man nun weiter davon aus, dass sich die Löwen in Karlsruhe ein torloses Unentschieden ermauern, reicht den Grün-Blöden in ihrem Spiel in Leipzig nämlich schon ein 8:10, um den direkten Abstieg zu verhindern. Ein 8:10, das definitiv ein 9:10 hätte sein müssen, wäre das Spiel zwischen den Löwen und dem Club 3:2 und nicht 2:1 ausgegangen…
Stelle sich das doch mal einer vor: Ich jedenfalls möchte dann nicht in der Haut von Dr. Jochen Drees stecken… aber, ach: Nein, ich möchte sowieso nicht in seiner Haut stecken. Also lassen wir das und überlegen wir uns lieber noch einmal, ob wir am Ende der Saison dastehen möchten und sagen müssen: Wir haben gegen einen Absteiger 1:5 verloren…
Kurz: Wie man es dreht und wendet – diese Saison bleibt Scheiße!