Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt
Das FCB-Syndrom

Der Schweizer Fußball ist wahrscheinlich sehr viel besser als sein Ruf. Seit vielen Jahren ist das kleine Land bei jedem größeren Turnier dabei und nicht wenige eidgenössische Profis verdienen ihr Geld inzwischen in der Bundesliga. Dort sind sie nicht nur Mitläufer, sondern mitunter Leistungsträger oder langjähriger Rückhalt, wie etwa Diego Benaglio beim VfL Wolfsburg. Die Schweizer Fußballliga leidet indes ein wenig an einem Phänomen, dass auch wir Deutschen nur zu gut kennen: Die heimische SuperLeague wird seit vielen Jahren von ein und derselben Mannschaft dominiert, während der Rest hinterherläuft und allenfalls mal für ein Spiel ein Bein stellen kann. Die Ironie an der Geschichte: Genau wie der FC Bayern wird auch der FC Basel mit FCB abgekürzt. Man könnte letztlich also auch sagen: Sowohl die Schweiz als auch Deutschland leiden unter dem FCB-Syndrom.

Der FC Aarau – erneuter Abstieg droht

Da ich dominierende Mannschaften, die eine Meisterschaft künstlich verlangweiligen nicht sonderlich mag, fiel meine Wahl bei einer Groundhopping-Möglichkeit Anfang Mai daher auf das entgegengesetzte Ende der Schweizer Tabelle. Dort steht nach langer Sieglos-Serie der FC Aarau, seines Zeichens immerhin dreimaliger Schweizer Meister, zuletzt 1993. Nachdem der Verein viele Jahre als etabliertes Mitglied der ersten Schweizer Liga gegolten hatte, konnte man 2010 die Erstklassigkeit nicht halten und ist seitdem ein wenig zur Fahrstuhlmannschaft verkommen. Drei Jahren Zweitklassigkeit folgte erst im letzten Sommer wieder der Aufstieg und in der laufenden Saison droht der erneute Abstieg, beträgt der Abstand zum rettenden Ufer nur wenige Spieltage vor Spielzeitende doch immerhin schon sechs Punkte.
Das Problem der Aarauer ist u.a. auch die nicht vorhandene Möglichkeit der Expansion. Seit vielen Jahren schon möchte man in der Kantonshauptstadt ein neues Stadion bauen – mitten in die Stadt, direkt am Bahnhof. Das Problem dabei: Die Schweiz ist ein grunddemokratischer Staat und gibt es auch nur einen Menschen, der gegen irgendwelche Pläne irgendwelche Gründe der Ablehnung vorbringen kann, bedarf es erst wieder einer Abstimmung im Volke, um festzustellen, wie die Meinung der Mehrheit aussieht. So etwas kann sich ziehen. Mitunter auch gerne mal mehrere Jahre.

Das Warten auf ein neues Stadion

Während der FC Aarau also weiter auf sein neues Stadion wartet, war ich froh, das alte Brügglifeld noch erleben zu dürfen. Fußball, wie es ihn in Deutschland auf höchster Ebene Anfang der 1980er Jahre zuletzt gegeben hatte. Eine Gegengerade, die nichts anderes als ein mit Wiese bewachsener Wall ist, Würstchenbuden, deren Gestank die Spieler auf dem Rasen noch riechen und ein paar Steinplatten, die als Stehplatztribüne herhalten müssen. Die Tribüne selbstverständlich nicht überdacht.
Das war an diesem Mai-Wochenende jedoch auch gar nicht nötig. Das Wetter war bestens, die Stimmung beim FC Aarau verständlicherweise jedoch nur so mittel. Denn bereits nach drei Minuten lag man gegen die Gäste aus Zürich mit 0:1 hinten. Die Grasshoppers igelten sich daraufhin in der eigenen Hälfte ein und verteidigten den knappen Vorsprung gegen ideenlose Gastgeber ohne große Probleme.
Eine Reise wert war das Fußballspiel dennoch. Eben schon allein aufgrund des Stadions – oder soll man sagen des Sportplatzes mit Tribünen drumrum? Eine Sportanlage auf alle Fälle, wie man sie in Deutschland frühestens unterhalb der vierten Liga noch findet.