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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 23. Spieltag
[Samstag, 28.02.2015] 1. FC Nürnberg – Karlsruher SC 1:1 (1:1)

Unentschieden… das ist so… ja, eben: unentschieden! Weder Fleisch, noch Fisch und wie ein Glas Wasser, das eben sowohl halb voll, als auch halb leer ist. Nichts Ganzes, nichts Halbes und ja: Man fühlt sich nach Abpfiff eben genau so: unentschieden! Soll man lachen, weil es gegen eine Spitzenmannschaft der zweiten Liga zu einem Punkt gereicht hat und eben keine Niederlage gesetzt hat? Oder soll man heulen, weil es gegen eine Spitzenmannschaft der zweiten Liga nur zu einem Punkt gereicht hat und eben nicht zu einem Heimsieg?
Dabei hatte es im Max-Morlock-Stadion doch mindestens genau so gut begonnen, wie zwei Wochen zuvor gegen Union Berlin. Keine fünf Minuten waren vergangen, da schickte Jakub Sylvestr seinen Mannschaftskameraden Guido Burgstaller steil und anders als noch vor Wochenfrist in Düsseldorf behielt der Österreicher dieses Mal die Nerven und schob abgeklärt an KSC-Keeper Rene Vollath zur frühen Club-Führung ein. Beste Voraussetzungen also, die Erfolgswochen beim 1. FC Nürnberg auch im Heimspiel gegen den Tabellenzweiten fortzusetzen.
Mit der Führung im Rücken fehlte beim Gastgeber jedoch das letzte Quäntchen Glück. Burgstaller wurde in der 14. Minute von Enrico Valentini gerade noch abgeblockt, Sylvestr wurde in der 25. Minute von Hiroki Yamada gerade noch am erfolgreichen Abschluss gehindert und setzte seine zweite gute Chance in der 40. Minute knapp über die Latte.
Und so kam  es noch vor der Halbzeit, wie es fast zwangläufig kommen musste, denn wer vorne nicht trifft, kriegt hinten die Dinger. Jan Polak erledigte seine Aufgabe als Staubsauger vor der Abwehr nur mehr als schlampig, der Ball kam über Manuel Torres nach rechts draußen zu Yamada und dessen Flanke segelte an den versammelten, aber hilflosen Ondrejs (Celustka und Petrak) vorbei zum völlig unbewachten Rouwen Hennings, der am zweiten Pfosten wenig Mühe hatte, den Ausgleich zu erzielen.
Direkt nach der Pause hätte es dann mit der erneuten Führung fast sofort geklappt, doch Niklas Stark scheiterte nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff an KSC-Keeper Vollath. Den folgenden dreißig Minuten, in denen sich beide Teams auf Augenhöhe neutralisierten, folgte eine spannende Schlussviertelstunde, in der zunächst Celustka in letzter Sekunde ausgebremst wurde, dann KSC-Verteidiger Philipp Max eine Ecke von Alessandro Schöpf auf der Linie klären musste und schließlich Kapitän Polak in der 76. Minute nur den Pfosten des Gästetors traf.
Es schwante einem als geneigtem Clubfan also schon so etwas wie eine Vorahnung, als auch der eingewechselte Danny Blum eine gute Minute vor Schluss nur die Latte traf und so blieb es am Ende bei einer Punkteteilung, die keines der beiden Teams so richtig voran bringt. Neutrale Beobachter bescheinigten dem Club nach dem Spiel zwar eine der besten Saisonleistungen, doch ohne jetzt allzu fränkisch klingen zu wollen – so langsam tritt die Saison dann doch in eine Phase, in der Schönheit nicht mehr zählt. Wer ganz oben noch einmal eingreifen will (und wer das nicht will, wenn sich die Chance bietet, hat auf einem Fußballplatz nichts zu suchen), muss nun Ergebnisse liefern und keine Gläser, die halbvoll sind. Wenn man möchte, dass das Glas am Ende der Saison voll ist, muss man nun beginnen, es Tropfen für Tropfen zu füllen und muss vor allem aufpassen, dass niemand mehr etwas abtrinkt. Nur so bleibt die Möglichkeit erhalten, dass der Wasserstand am 34. Spieltag doch noch knapp über dem Eichstrich steht und sich somit in Champagner verwandelt. Und gerade für die Verantwortlichen wäre diese Verwandlung lebenswichtig, denn als Clubfan ist man in den letzten Jahren doch zu sehr bei Brot und Wasser gehalten worden.