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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 22. Spieltag
[Sonntag, 22.02.2015] Fortuna Düsseldorf – 1. FC Nürnberg 1:3 (0:0)

Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass Fussball Tagesgeschäft ist, diese Zweitligasaison wäre eben dieser. Noch vor zwei Wochen fühlte man sich als Fan des 1. FC Nürnberg nach der Niederlage beim FSV Frankfurt auf dem Boden der harten Zweitliga-Realtität angekommen. Zur selben Zeit jubelten die Fans eines anderen 1.FCs in der Liga, hatte ihre Mannschaft den Auftakt nach der Winterpause in Braunschweig doch siegreich bestreiten können und sich damit auf Platz zwei des Tableaus katapultiert.
Und heute? Zwei Wochen später? Der Club gewinnt zum ersten Mal 2015 auswärts, während sich die so bieder scheinenden Fußballer vom FSV Frankfurt als Mannschaft der Stunde herauskristallisieren und auch den vor zwei Wochen noch jubelnden FCK besiegen.
Momentaner Nutznießer der ganzen Angelegenheit: Der Karlsruher SC, der sich den vorübergehenden zweiten Platz der Liga durch ein 0:0 (!) zu Hause (!!!) gegen Bochum sicherte und nächste Woche nun zu Gast sein wird in Nürnberg. Der Abstand des Clubs auf den direkten Konkurrenten um den Aufstieg könnte am kommenden Samstag auf zwei Punkte verringert werden, während sich am Böllenfalltor mit Darmstadt und Braunschweig zwei weitere Aufstiegskandidaten gegenseitig die Punkte wegnehmen…
Aber haben wir da richtig gehört? Ist der Club denn nun tatsächlich wieder mit drin im Aufstiegsrennen? Nun, sagen wir es so: Er könnte in zwei Wochen wieder bei der Musik dabei sein – allein aus dem Grund, dass es in der zweiten Liga der Saison 2014/2015 gar kein Aufstiegsrennen gibt. Das, was da ab Platz zwei geschieht, gleicht eher einem Schleichen als einem Rennen – und nur deshalb hat der 1. FC Nürnberg in den nun folgenden zwei Heimspielen die Möglichkeit, sich noch einmal ganz oben einzumischen.
Das Spiel des Clubs in Düsseldorf am Sonntag könnte hier zum Abbild des diesjährigen Aufstiegskampfes werden. Im Moment befindet man sich irgendwo in der ersten Halbzeit, als das Spiel in Düsseldorf nur wenige Höhepunkte bot und die Mannschaften sich eher belauerten als den entscheidenden Schritt zu wagen. Doch seien wir sicher: Ähnlich wie das Spiel in Düsseldorf, wird auch der Kampf um die Bundesliga-Plätze zum Ende hin noch mächtig an Fahrt gewinnen – hoffen wir doch einfach, mit einem ähnlich guten Ausgang für den Club wie am Sonntag.
Der hat sich nämlich in der Esprit-Arena auch durch einen Rückstand dieses Mal nicht aus der Fassung bringen lassen. Der Finne Joel Pohjanpalo hatte in der 68. Minute zum 1:0 für die Hausherren getroffen, nach dem ein Eckball fast unbehelligt durch die gesamte Nürnberger Hintermannschaft hatte segeln dürfen und auch Keeper Patrick Rakovsky vergessen hatte, dass man gefährliche Dinger als Torhüter mitunter auch einfach aus der Gefahrenzone fausten darf.
Die Schockstarre beim FCN dauerte dieses Mal jedoch nur wenige Minuten, denn schon in der 71. Minute folgte der Ausgleich. Freute man sich in Düsseldorf zuvor noch über das Jokertor des gerade eingewechselten Finnen, reagierte Fortuna-Trainer Oliver Reck auch nach dem Führungstor – dieses Mal jedoch falsch. Er brachte Andreas „Lumpi“ Lambertz und die Kultfigur des Düsseldorfer Fußballs sorgte mit einem Foul für den Freistoß, der schließlich nach mehreren (durchaus glücklichen) Ballstaffeten vor dem Füßen von Niklas Stark landete. Der Youngster zog aus rund 17 Metern trocken ab und versenkte die Lederkugel unhaltbar im Düsseldorfer Tor.
In der 78. Minute stach dann auf Nürnberger Seite ein Joker. Eine Ecke leitete Jakub Sylvestr gekonnt weiter und Danny Blum stand genau richtig, um aus kurzer Distanz für die mittlerweile verdiente Führung zu sorgen.
Eine Führung, die nur zwei Minuten später noch einmal auf wackligen Beinen stand, als der ebenfalls eingewechselte Erwin Hoffer den Nürnberger Pfosten traf, die letztlich jedoch durch einen weiteren Einwechselspieler zementiert wurde. Niclas Füllkrug köpfte Sebastian Kerk den Ball in den Lauf und der Winter-Neuzugang aus Freiburg ließ sich in der 88. Minute die Entscheidung nicht entgehen. Ärgerlich: Der Club vergab in den noch folgenden Minuten weitere glasklare Torchancen und damit die Chance, das doch recht schlechte Torverhältnis zumindest noch ein wenig zu korrigieren.
Am Ende bleibt die Freude und für alle Skeptiker ein paar Fakten, die bei allen Berg- und Talfahrten der Gefühle in den letzten Monaten, vielleicht sogar überraschen mögen: Seit René Weiler als Trainer in der Verantwortung beim FCN steht, hat die Mannschaft nun sechs Spiele gewonnen, ein Spiel endete Unentschieden, zwei Partien gingen verloren. Bei einem Torverhältnis von 14:8 bedeutet dies in neun Spielen 19 Punkte. Mit dieser Bilanz ist der 1. FC Nürnberg in der Tabelle der Weiler-Amtszeit (also die Spieltage 14-22) Tabellenführer – noch vor dem FC Ingolstadt, Karlsruhe, Darmstadt, Kaiserslautern oder wie sie alle heißen. Diese Tatsache sollte doch Selbstbewusstsein geben für die nun kommenden zwei Heimspiele gegen Karlsruhe und Heidenheim.
Übrigens: Als René Weiler beim Club übernahm, stand keine der eben genannten Mannschaften auf Platz zwei der Tabelle. Als der Schweizer sein erstes Spiel als Cheftrainer in Angriff nahm, stand der Club mit gerade mal 14 Punkten kurz vor den Abstiegsrängen – und auf Rang zwei: Die am Sonntag überholte Fortuna aus Düsseldorf.