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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 21. Spieltag
[Sonntag, 15.02.2015] 1. FC Nürnberg – Union Berlin 3:1 (1:1)

Na, das ist doch mal eine Erleichterung: Der Club kann also auch im Jahr 2015 gewinnen. Gegen den kleineren Hauptstadtverein gab es am Sonntag sogar den höchsten Heimsieg der Saison. Euphorie ist wieder angesagt – der Durchmarsch in die Erste Bundesliga gar nicht mehr aufzuhalten und auch hier ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis es endlich zur zehnten deutschen Meisterschaft des ruhmreichen Fußball-Club Nürnberg kommt. Aber was reden wir von der Meisterschaft… wenn es mit dem Durchmarsch so weiter geht, ist auch der erste ChampionsLeague-Titel natürlich nur noch eine Frage der Zeit… Alles schön beim Glubb, wir sehen einer rosigen rot-schwarzen Zukunft entgegen!
So oder so ähnlich könnte mein Kommentar aussehen, tut er aber nicht. Der Club hat gewonnen! Schön! Nicht mehr und nicht weniger! Er hat genau das gezeigt, was man von ihm erwarten konnte und durfte und was nun bis zum Ende dieser Saison zu sehen sein wird: Er wird Spiele gewinnen und er wird Spiele verlieren – und das wahrscheinlich sogar in schöner Regelmäßigkeit und vielleicht sogar in einer Art regelmäßigen Abwechslung zwischen Heim- und Auswärtsspielen. Und am Ende wird der 1. FC Nürnberg irgendwo im Mittelfeld der Liga stehen – mit ähnlich viel gewonnenen wie verlorenen Spielen, ein paar Unentschieden dazu und letztlich als die große graue rot-schwarze Maus im Unterhaus der deutschen Fußball-Etage.
Gegen Union Berlin half dem Glubb am Sonntag ein Topstart mit Glück ins Spiel. Noch keine fünf Minuten waren gespielt, als Peniel Mlapa nach einer Ecke einem Abwehrversuch der Unioner Hintermannschaft nicht entscheidend aus dem Weg gehen konnte und das Spielgerät somit plötzlich im Tornetz der Hauptstadtgäste zappelte.
Der Fairness halber muss an dieser Stelle jedoch angemerkt werden, dass dem Kuddelmuddel im Berliner Strafraum eine durchaus sehenswerte und auch offensichtlich so gewollte Aktion von Alessandro Schöpf und Guido Burgstaller vorausging. Ein kurzer Pass in die Schnittstelle und Union kam ins Schwimmen.
Auch in der Folge des 1:0 hatte der Club seine Möglichkeiten und zunächst mehr vom Spiel. Bis zum Ausgleich der Gäste dauerte es nach der Führung dennoch nur eine knappe Viertelstunde. Sebastian Polter zeigte, dass er seit seiner Zeit beim FCN durchaus dazugelernt hat, ließ in der 17. Minute die gesamte Nürnberger Hintermannschaft wie langsame Amateure aussehen und traf aus halblinker Position zum 1:1.
Bis zur 41. Minute passierte dann mal reichlich wenig im Max-Morlock-Stadion. Da Schöpf die sich plötzlich bietende Chance jedoch ungenutzt ließ, kam er erst in Durchgang zwei wieder zu Toren.
Nachdem Jakub Sylvestr in der 49. Minute noch knapp scheiterte, durfte er sich dann in der 54. Minute den Ball auf dem Elfmeterpunkt legen. Union-Torschütze Polter hatte einen Aussetzer, als er einen Club-Freistoß im eigenen Strafraum klar mit der Hand abwerte. Sylvestr blieb vom Punkt cool und brachte den Club mit 2:1 in Front.
Was nun folgte, war ein Spiel auf typischem Zweitliga-Niveau. Die Nürnberger Deckung hatte sich stabilisiert und Union fehlten die Ideen, die Club-Abwehrspieler so richtig ins Schwitzen zu bringen. Und so kam es, wie es so oft kommt: Union bemühte sich vergebens und am Ende traf auf der anderen Seite der Club noch einmal. In der 87. Minute musste Sylvestr aus kurzer Distanz nur den Fuß hinhalten, nachdem Union die Abwehr geöffnet und Niklas Stark den Ball scharf nach innen gegeben hatte.
Der Rest war Jubel und eben die Erkenntnis, dass Fußball Tagesgeschäft ist. Wem die nötige Intelligenz für den Weitblick fehlt, mag nun also wieder aufs Euphorie-Gaspedal treten. Alle anderen werden gesehen haben, dass der Club an diesem Sonntag nur die etwas bessere zweier mittelmäßiger Zweitliga-Mannschaften war. Kommenden Sonntag ist man dann zu Gast bei einer anderen Zweitliga-Mannschaft, die momentan nicht viel besser als Mittelmaß ist. Mögen wir hoffen, dass am Ende wieder der Club die bessere dieser beiden Mannschaften gewesen sein wird.
Und ja, lieber Club – ich bin auch nicht böse, wenn Du mich mit diesem Kommentar die letzten 13 Spiele dieser Saison so richtig auflaufen lässt. Sehr gerne sogar darfst Du auch die letzten 13 Partien dieser Saison gewinnen und meine Einschätzungen als Fehleinschätzungen in die Club-Historie eingehen lassen. Ich kann mit Fehlern leben, ich gestehe sie auch gerne ein.