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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 20. Spieltag
[Sonntag, 08.02.2015] FSV Frankfurt – 1. FC Nürnberg 2:1 (1:1)

Der 1. Fußball-Club Nürnberg wird auch in der kommenden Saison sein Dasein in der Zweiten Fußball-Bundesliga fristen. Mit einer blutleeren und hilflosen Vorstellung beim FSV Frankfurt zog die Mannschaft von René Weiler einen dicken, fetten Schlussstrich unter jede Hoffnung, dass man im Kampf um die ersten drei Plätze in dieser Saison noch eingreifen könne. Der Grottenkick am Bornheimer Hang sollte auch dem letzten Optimisten gezeigt haben: Mehr Zweitliga-Mittelmaß-Niveau hat dieses Team nicht. Wer es bei einem biederen FSV Frankfurt nicht schafft, die Oberhand zu behalten, sollte sich bedeckt halten und sehen, dass er den Rest der Saison ohne weiteren größeren Schaden übersteht. Die Betonung liegt hier eindeutig auf „weiteren“, denn der Großschaden als solches ist in Nürnberg längst eingetreten. Die Winterpause wurde – aus welchen Gründen auch immer – jedenfalls nicht dazu genutzt, um die Mannschaft zu verstärken. Viel mehr konzentrierte man sich darauf, Fehleinkäufe ebenbürtig zu ersetzen.
Kopfschüttelnd muss man sich dann mit ansehen, wie Patrick Rakovsky und Javier Pinola sich in der 21. Minute gegenseitig in den Tiefschlag schaukeln und nach dem Motto „Nimm Du ihn, ich hab‘ ihn sicher“ dabei zuschauen, wie Odishe Roshi eine Hereingabe von Marc-André Kruska aus wenigen Metern mühelos über die Torlinie bugsiert. Kopfschüttelnd muss dann auch mit ansehen, wie dem Club nach dem Rückstand einfach mal gar nichts gelingt und der Ausgleich letztlich aus dem Nichts kam. Neuzugang Sebastian Kerk brachte in der 41. Minute eine Ecke herein und der glückliche Zufall wollte es, dass FSV-Keeper Patric Klandt sich offensichtlich von den vorherigen Versuchen des Ex-Freiburgers hatte einlullen lassen. Diese waren nämlich sämtlich irgendwo im Niemandsland gelandet und so vermutete Klandt wohl auch dieses Mal keine Gefahr. Der Torhüter kam jedenfalls zu spät aus seinem Tor und Even Hovland nutzte die Gelegenheit für einen Kopfball aus kürzester Distanz.
Am Ende musste man dann als Clubfan jedoch wieder kopfschüttelnd mit ansehen, dass auch der Ausgleich kurz vor der Halbzeit rein gar nicht bewirkt hatte und die Gastgeber den Altmeister in Durchgang zwei mit einfachsten  Mitteln in Schach hielten. Vincenzo Grifo sorgte mit einem trockenen Schuss in der 60. Minute schließlich für den entscheidenden Schlag. Sein Schuss aus der zweiten Reihe schien bei genauerem Hinsehen mehr als haltbar.
Am Ende eines Grottenkicks bleibt letztlich erneut nur die Frage: Herr Bader, was läuft da schief? Es ist keine zwei Jahre her, da konnte man sich als Glubberer noch als Fan eines etablierten Bundesligisten fühlen, der unter den Zwängen des modernen Fußballs das Optimum aus seinen Möglichkeiten macht. Und heute? Anfang 2015 muss man konstatieren, dass es andere Vereine sind, die dieses Optimum noch nach oben ausdehnen. Was ist passiert, Herr Bader, dass ein Verein wie der FC Augsburg, der vor noch nicht einmal fünf Jahren in der Relegation chancenlos war und dessen finanzielle Rahmenbedingungen mit Sicherheit nicht besser gestellt sind als die des Clubs, dass also genau so ein Verein (auch, wenn es nur eine Zwischenaufnahme sein mag) heute mit diversen Ex-Club-Spielern im Kader an die Qualifikation zur ChampionsLeague klopft, während der FCN auf Jahre im Mittelmaß der zweiten Liga zu versinken droht?
Nun, Herr Bader, ich kann Ihnen sagen, was passiert ist… beim FC Augsburg sitzt mit Stefan Reuter ein Ex-Clubberer-Weltmeister an den entscheidenden Hebeln. Ein Mann, der Ahnung vom Fußball hat und dies auf den großen Plätzen dieser Welt bewiesen hat. Ein Mann, der es nicht nötig hat, irgendwelche Ex-Trainer als Strohpuppen zu installieren, um von der eigenen Inkompetenz abzulenken. Ein Mann, der nicht an seinem Stuhl klebt, weil er Angst haben muss, dass er sonst nirgendwo mehr unterkommt…