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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 19. Spieltag
[Samstag, 20.12.2014] 1. FC Nürnberg – SpVgg Greuther F**** 0:0 (0:0)

Was soll man davon nun halten? Der Club bestreitet das letzte Spiel des Kalenderjahres 2014 torlos und verpasst gegen die Westvorstadt eine Revanche für die klare Niederlage im August. Nach zuletzt drei Siegen in Folge verpasst man in Nürnberg zudem den durchaus noch vor den Weihnachtsferien möglichen Anschluss an die Spitzengruppe der zweiten Bundesliga und hat gegen die Kleeblätter dann doch eines gewonnen: Erkenntnis! Die Erkenntnis nämlich, dass zwar gegen Teams aus dem tiefen Süden der Tabelle durchaus auch mal drei Siege am Stück möglich sind, doch schon bei der Aufgabe, den Tabellenzwölften zu besiegen, erhebliche Schwierigkeiten auftauchen – und dass, obwohl man in rot-schwarz fast 40 Minuten in Überzahl war.
So schön die letzten drei Siege am Stück nun auch waren – am Samstag hat man gesehen, wie weit das Team von René Weiler wirklich ist. Die Defensive steht und lässt wenig zu, nach vorne jedoch geht zu wenig. Diese Erkenntnis gibt es freilich nicht erst seit diesem Wochenende, sie hätte nach den letzten Partien jedoch auch leicht in Vergessenheit geraten können. Will man dem torlosen Remis gegen die Westvorstadt also ums Verderben etwas Gutes abringen, dann sicherlich die zweite Erkenntnis des Nachmittags: Das Unentschieden mag nach 12 von 15 Punkten aus den Spielen mit dem neuen Trainer nach wenig aussehen – für den Verein 1. FC Nürnberg war es immens wichtig.
Hätte man das Spiel nämlich gewonnen (und dann vielleicht sogar noch haushoch), die Verantwortlichen hätten sich zurückgelehnt, süffisant gelächelt und sich selbst anerkennend auf die Schulter geklopft – denn am Ende wurde die Kurve gekratzt und die vielen Siege unter René Weiler hätten gezeigt, dass man keine neuen Spieler braucht, sondern die Maßnahme des Trainerwechsels vollkommen ausreicht. So nun kann man als Fan des 1. FC Nürnberg sagen: Zum Glück wird es so weit nicht kommen; das Zurücklehnen fällt aus. Ein Team, dass gegen die Westvorstand zu Hause nicht gewinnt, braucht Verstärkung! Und zwar dringend! Die Turbulenzen der zweiten Jahreshälfte kommen nicht von ungefähr. Denn ja: Es gibt Mannschaften, die kann auch der 1. FC Nürnberg der Saison 2014/2015 schlagen. Aber auch ja: Es gibt Mannschaften gegen die der 1. FC Nürnberg der Saison 2014/2015 auch in der zweiten Saisonhälfte unterlegen sein wird, gibt es auf den entscheidenden Positionen in der Winterpause keine Verstärkung.
Die Verantwortlichen sind also in der Pflicht und das Spiel gegen F**** hat dies mehr als deutlich gemacht. Eine knappe halbe Stunde sah das an diesem Samstag gut aus – sowohl im Defensivbereich als auch in der Offensive. Eine knappe halbe Stunde reicht jedoch nicht, um ein Spiel zu gewinnen, wenn spätestens in Überzahl dann die Ideen fehlen, wie man den zusätzlichen Raum auf dem Spielfeld effektiv nutzen kann. Eine knappe halbe Stunde reicht genauso wenig ein Spiel zu gewinnen, wie drei Siege in Folge für den Aufstieg reichen. Wollen wir hoffen, dass dies spätestens mit der Nullnummer vom Samstag auch bei den Verantwortlichen so angekommen ist und in der Winterpause endlich wieder richtige Entscheidungen getroffen werden. Denn allein schon wegen seiner Fans gehört der 1. FC Nürnberg in die oberste deutsche Spielklasse. Die Nordkurve hat dies mit ihrer Choreographie beim Derby wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt und wer erstklassig choreographiert verdient auch erstklassigen Fußball. Es wird Zeit, dass der Club seine fußballerischen Darbietungen möglichst schnell wieder der Unterstützung seiner Fans anpasst: Diese Unterstützung ist nämlich trotz sinkender Qualität auf dem grünen Rasen in den letzten Jahren stets erstklassig geblieben.
Herr Bader, Herr Wolf, Herr Woy: Sie haben einen Auftrag! Ein neues Jahr ist wie geschaffen für einen neuen Anfang! In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Euch allen! Und im Jahr 2015 wird wieder angegriffen! Wäre doch gelacht, wenn wir die lächerlichen sechs Punkte auf Platz zwei nicht aufholen würden.

Foto: Andi Haber