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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 18. Spieltag
[Mittwoch, 17.12.2014] Erzgebirge Aue – 1. FC Nürnberg 0:1 (0:0)

Das tiefe Durchatmen beim Glubb wird lauter. Nach nun drei Siegen in Folge kann man beim 1. FC Nürnberg erstmals seit langer, langer wieder eine zumindest ausgeglichene Bilanz betrachten und hat nun beim letzten Spiel des Jahres sogar die Chance, den Anschluss zumindest an den Relegationsplatz noch vor der Winterpause herzustellen. Neu-Trainer René Weiler feierte mit seinem Team den vierten Sieg im fünften Spiel unter seiner Verantwortung.
Was den Dreier im Erzgebirge so besonders macht? Er zeigt in vollem Umfang, was sich beim Club mit dem neuen Trainer geändert hat, behält den warnenden Zeigefinger jedoch trotzdem oben. Denn seien wir ehrlich – bei aller Feld-Überlegenheit hatten die Gäste auch durchaus das Glück, dass man in Aue auf eine Mannschaft traf, die sich im Spiel nach vorne so harmlos wie kaum ein anderes Team der diesjährigen zweiten Bundesliga präsentierte. Bestes Beispiel dafür war die Großchance der Hausherren in der 27. Minute, als Arvydas Novikovas nach schwerem Patzer von Glubb-Kepper Patrick Rakovsky das leere Tor um Zentimeter verfehlte – wenn auch aus zugegeben schwerem Winkel und direkt aus der Drehung heraus. Es gibt Mannschaft in der zweiten Liga, die einen Torwartfehler anders bestrafen als Novikovas gestern. Und dennoch zeigt die Szene eben auch, dass das nötige Quäntchen Glück nach Nürnberg zurückgekehrt ist. Ein Quäntchen Glück, das man sich eben erarbeiten muss und das man mit Sicherheit nicht hat, wenn das eigene Selbstbewusstsein wie beim Gegner von Mittwochabend am Boden liegt.
Zahlreiche Torraumszenen auf beiden Seiten sorgten in Durchgang eins für ein munteres, gut anzusehendes Spiel – und das trotz tiefem Rasen. Der Club brauchte eine Halbzeit, ehe das Pendel in Durchgang zwei dann in seine Richtung ausschlug. Erst vergab Alessandro Schöpf nach toller Energieleistung in der 53. Minute nur knapp, ehe nur eine Minute später Romario Kortzorg im Anschluss an eine Ecke nach einem Kopfball von Jakub Sylvestr gerade so auf der Linie klären konnte. Eine Chance, die Aue übrigens ähnlich auch in der ersten Halbzeit gehabt hatte – in diesem Fall hatte Robert Koch auf der Linie klären können.
Dennoch waren die ersten Ausrufezeichen der zweiten Hälfte nun gesetzt und mündeten in der 64. Minute endlich in die längst verdiente Clubführung. Schöpf nahm bei einem Konter Niclas Füllkrug mit, der sich am Strafraum in halblinker Position schön durchsetzen konnte und den Ball schließlich flach in Richtung Fünf-Meter-Raum passte. Dort stand Jakub Sylvestr, der die Lederkugel perfekt mitnahm und nach mustergültiger Drehung um die eigene Achse schließlich unhaltbar unter die Latte traf.
Schöpf und Daniel Candeias setzten in der 66. bzw. 67. Minute chancentechnisch noch nach, scheiterten jedoch und verwalteten danach mit ihren Mannschaftskollegen den knappen Vorsprung. Vor ernste Herausforderungen wurden die Gäste aus Franken indes nur selten gestellt und wenn man dem Glubb in dieser Phase einen Vorwurf machen konnte, waren dies die zu dieser Zeit schlampig ausgespielten Konter. Man schien beim Club mit dem knappen Vorsprung zufrieden und zeigte dem Gegner in aller Deutlichkeit, dass das Selbstbewusstsein inzwischen so gewachsen ist, dass man auch den knappsten aller Vorsprüngen am Ende über die Zeit bringt. Erst in der 88. Minute kam Erzgebirge Aue zu einer passablen Torchancen – bezeichnenderweise durch einen Freistoß aus rund 20 Metern halbrechter Position. Novikovas nahm Maß und zwang Rakovsky zu einer Glanztat, um den gut getretenen Freistoß abzuwehren.
Am Ende folgte dem zweiten Auswärtssieg vom letzten Sonntag nun also gleich der dritte Erfolg auf fremdem Platz. Wie schon zu Beginn der Saison erzielte Jakub Sylvestr das entscheidende, weil einzige Tor gegen seinen Ex-Klub und machte den Unterschied aus. Bei aller Euphorie über zuletzt 12 von 15 möglichen Punkten und ersten „Europapokal“-Gesängen: Bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen. Der Clubsieg in Aue war schön, hat uns alle gefreut und war vor allem wichtig. Denn nur so steht der FCN vor dem Derby überhaupt vor der Möglichkeit, in oberen Tabellenregionen noch einmal angreifen zu können. Um diesen Angriff in die Tat umzusetzen müssen jedoch weitere Siege her. Noch ist nichts gewonnen – man hat lediglich abgewendet, bereits jetzt schon alles verloren zu haben. Viel gewinnen kann man als 1. FC Nürnberg erst am kommenden Samstag, wenn die Jungs von Greuther F**** über die Stadtgrenze kommen. Mit einem Sieg im Derby hätte man die eigenen Fans wohl endgültig wieder auf die eigene Seite gezogen. Bliebe dann nur abzuwarten, ob man als Glubb auch im neuen Jahr gewinnen kann, wenn die Gegner eben nicht 1860 München, VfR Aalen oder Erzgebirge Aue heißen und aus den südlichen Regionen des aktuellen Tableaus kommen.