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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 15. Spieltag
[Montag, 01.12.2014] Eintracht Braunschweig – 1. FC Nürnberg 1:0 (1:0)

Kalt war es in Braunschweig – richtig saukalt! Und nur eine Woche nach dem 2:1-Sieg gegen Tabellenführer FC Ingolstadt hat man als Clubfan leider auch auf dem grünen Rasen nur wenig bis gar nichts gesehen, was das eigene Gemüt erwärmen konnte. Der Motivationsschub durch den neuen Trainer hatte offensichtlich nicht für ein zweites Spiel gereicht und so präsentierte sich die Mannschaft im ersten Dezember-Spiel wieder so wie man sie kennt: Ohne jede Idee in Richtung gegnerisches Tor.
Zwar mag man im defensiven Bereich durchaus Verbesserungen und vielleicht sogar so etwas wie dazugewonnene Stabilität festgestellt haben, doch im Stadion einer Mannschaft, die einen Lauf hat und die der Sieg im Montagspiel immerhin auf Platz zwei der Tabelle vorgespült hat, reicht das nicht. Entweder, man hält hinten komplett dicht und rettet sich ein unschönes 0:0 über die Zeit, oder aber, man muss eben fähig sein, Fehler, die hinten passieren, vorne wieder auszubügeln. Keins von Beidem hat der 1. FC Nürnberg am Montag in Braunschweig geschafft.
Die Befürchtung wird nun also zur Tatsache: Diese Mannschaft hat nicht das Zeug, den angepeilten, sofortigen Wiederaufstieg zu realisieren. Diese Mannschaft hat bestenfalls das Niveau einer grauen Maus in der zweiten Bundesliga. Wobei die Betonung hier auf bestenfalls liegt und sich erst die kommenden Wochen gegen 1860 München, den VfR Aalen und Erzgebirge Aue zeigen werden, ob die Mannschaft fähig ist, sich die Kellerkinder der Liga vom Hals zu halten. Zweifel dürfen sogar in diese Richtung angemeldet werden.
Die Frage nach dem Warum und den Verantwortlichen für das Desaster in rot-schwarz wurden an dieser Stelle oft genug erläutert und die Antworten auf diese Fragen dürfte inzwischen auch Jede(r) für sich beantwortet haben. Aus Resterampen, die sich auch in Aalen, Sandhausen und Düsseldorf die Spiele ihrer Teams meist schon nur von der Bank angeschaut haben, kann man eben kein Team formen, das um den Aufstieg ein ernstes Wörtchen mitredet.
Der 1. FC Nürnberg der Saison 2014/2015 läuft auch kurz vor Ende der Hinrunde seinen eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher und auch, wenn der neue Trainer aus der Schweiz nun bereits erste Korrekturen im Kader für die Winterpause angekündigt hat: Hilft das noch? Wen wird man denn kriegen? Wer will sich einem strauchelnden Altmeister anschließen, um mit diesem in der Bedeutungslosigkeit der zweiten Fußball-Bundesliga zu verschwinden?
Ja, es war kalt in Braunschweig an diesem Montag im Dezember – und tatsächlich gab es im Clubspiel nicht eine einzige Szene, bei der einem hätte zumindest ums Herz warm werden können. Torchancen des 1. FC Nürnberg in Halbzeit zwei? Fehlanzeige! Braunschweig wollte nach der Führung durch Havard Nielsen in der 38. Minute nicht mehr, der Club konnte nicht. Hohe Bälle von links, hohe Bälle von rechts – mehr fiel der Mannschaft von René Weiler nicht ein. Ins Schwitzen dürfte der Club die Braunschweiger Hintermannschaft bei den kalten Temperaturen wohl kaum gebracht haben.
Und so bleibt am Ende ein lang anhaltendes Kopfschütteln und vor allem eine Frage: Warum ist man selbst so emotionslos? Ist es wirklich nur die Kälte? Oder ist es das seltsamer Gefühl, dass die Spieler, die dort unten auf dem grünen Rasen das rot-schwarze Trikot tragen, irgendwie nicht zum 1. FC Nürnberg gehören? Zweifellos – man hat als langjähriger Clubfan schon viel mitgemacht. Von der Dritten Liga bis zum Pokalsieg und diversen Auswärtsfahrten ins europäische Ausland war da alles vertreten. Und egal, ob himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt – der Club war Emotion pur und am liebsten wollte man den Spieler bei jedem noch so unwichtigen Fehlpass an die Gurgel springen. Man hat sich identifiziert mit den Fußballern in rot-schwarz, hat mit ihnen gelitten, gejubelt und gezittert. Sie alle hatten einen Namen und selbst ein Leon Benko hatte seine Sternstunde mit dem 2:2-Ausgleich in St. Petersburg. Die größten Krücken waren dabei; andere, die in Nürnberg nie ihr wahres Potential abgerufen haben; wieder andere, die hoch gelobt wurden und später tief fielen; und wieder andere, die über Jahre solide bis gute Leistungen zeigten und sich so ins Herz der Anhänger gespielt haben. Und nun? Kennt man überhaupt alle 11, die dort unten auf dem Rasen stehen und weinrote Trikot tragen? Und wenn man den Namen kennt: Wo hat der vorher nochmal gespielt? Ganz zu schweigen davon, ob ein Nicht-Clubfan auch nur einen einzigen Spieler aus dem aktuellen Kader nennen könnte…?
Natürlich mag das egal sein, ob ein Hertha- oder HSV-Fan, mit dem man sich auf Arbeit unterhält, nun noch aktuelle Clubspieler kennt oder nicht. Es ist jedoch auch Zeichen dafür, wie sehr der 1. FC Nürnberg in kürzester Zeit in der Versenkung verschwunden ist. Warum das wichtig ist? Nun, wie oben schon geschrieben: Welcher Spieler, der auch nur einigermaßen auf sich hält und der dem Club schon allein dadurch weiterhelfen könnte, wechselt schon zu einem bedeutungslosen Verein?
Ja, es war kalt in Braunschweig, verdammt kalt! Um den 1. FC Nürnberg ist es inzwischen jedoch schon weit kälter geworden…