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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 12. Spieltag
[Samstag, 01.11.2014] 1. FC Nürnberg – FC St.Pauli 2:2 (1:1)

Wie heißt es so schön? Liebe kennt keine Liga? Vielleicht müsste es ja aber auch heißen: Keiner liebt die zweite Liga. Oder zumindest den Fußball, der dort geboten wird. Für Ästheten ist das jedenfalls mal nichts, was da allwöchentlich in den Spielen des 1. FC Nürnberg geboten wird. Und überhaupt: Vielleicht muss als Clubfan ja so langsam sogar dazu übergehen, dass man eben nicht mehr sagt, dass Liebe keine Liga kennt. Vielmehr sollte man dazu übergehen und sich gebetsmühlenartig einreden: Liebe kennt keine Ergebnisse!
Nimmt man nämlich das, was da beim Glubb in den letzten Wochen und Monaten unterm Strich so übrig bleibt, der Ertrag ist mehr als kläglich. Kurz gesagt: Man tritt auf der Stelle. Gegen das auswärtsschwächste Team der Liga kann man am Ende froh sein, dass es noch ein Unentschieden wurde und nicht zur siebten Saisonniederlage am 12. Spieltag kam. Dass es so kam, hatte man der eigenen Schläfrigkeit zu Beginn des Spiels zu verdanken, aber auch durchaus einer Schiedsrichterin, die noch im Lauf der Vorwoche im Fadenkreuz diverser Diskussionen stand, warum sie denn nun nicht endlich Bundesliga pfeifen dürfe.
Anfangen hat das Spiel jedoch mit der Schläfrigkeit der Club-Abwehr. Ganze 48 Sekunden waren gespielt, da zappelte der Ball im Nürnberger Tornetz. Sebastian Maier hatte die erste Flanke des Spiels von halblinks gebracht, Ondrej Celustka hatte diese mit dem Rücken noch leicht abgefälscht und so seine eigenen Abwehrkollegen komplett ausgehebelt. Marc Rzatkowski jedenfalls stand völlig frei am langen Pfosten und hatte keine Mühe zum frühen 0:1 einzunicken.
Es erinnerte an das Spiel in Heidenheim – der Club nach dem Rückstand völlig verunsichert und die Gäste aus Hamburg hatten in der Frühphase des Spiels Chance um Chance. Doch während Heidenheim im Oktober die eigenen Chancen nutzte und den Sack früh zumachte, vergab St. Pauli die besten Möglichkeiten in der zweiten, neunten und 15. Minute. Stattdessen lud der Gast in der 18. Minute selbst zum Tore schießen ein. Dennis Daube passte ohne jede Bedrängnis ins eigene Abwehrzentrum, wo sich Jakub Sylvestre die Kugel schnappte, in Richtung Pauli-Tor stürmte, beim ersten Versuch noch geblockt wurde, um im zweiten Versuch schließlich zu vollenden. Statt 3:0 oder 4:0 für St.Pauli stand es plötzlich 1:1 und nun kam Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus ins Spiel. Nur drei Minuten später stand es nämlich plötzlich 2:1 für den Glubb und wer weiß, welchen Verlauf die Partie genommen hätte, wäre der Treffer wegen vermeintlicher Abseitsposition von Sylvestr nicht verwehrt geblieben. Die Betonung bei vermeintlicher Abseitsposition liegt in diesem Falle nämlich auf dem Wort „vermeintlich“. Jakub Sylvestr stand bei der Ballabgabe deutlich erkennbar und mehrere Meter weit nicht im Abseits.
Hatte Frau Steinhaus in dieser Situation einen Pfiff zuviel getätigt, blieb ihre Pfeife in der 51. Minute stumm, als sie hätte schrill ertönen müssen. Viel klarer als Alessandro Schöpf kann man im Strafraum nicht gelegt werden. Frau Steinhaus stand nur wenige Meter daneben, pfiff nicht und dürfte wohl auch in der kommenden Saison – wenn überhaupt, dann doch völlig berechtigt – wetiterhin maximal im deutschen Fußball Unterhaus pfeifen. Bleibt Schiedsrichter-Chef bei seiner Aussage, dass „nur die besten Zweitliga-Schiedsrichter […] die Chance bekommen, in die Bundesliga aufzurücken.“, dürfte es für die einzige Schiedsrichterin im deutschen Profi-Fußball bei weiteren Fehlern schwer werden. Doch warten wir ab, wie die Sache sich entwickelt, denn seit Neustem hat die Frau aus Hannover einen Fürsprecher, der schon so Vielen auf dem Weg der Karriereleiter nach oben geholfen hat, auch wenn das eigene Können im Grunde nicht ausreicht. Die BILD-Zeitung widmet der Schiedsrichterin momentan fast täglich eine Schlagzeile und spart sich auch nach dem Clubspiel jedes noch so kleine Wort der Kritik.
Natürlich waren es nicht nur die Fehlentscheidungen, die dem 1. FC Nürnberg am Ende zum dritten Heimsieg in Folge fehlten. Denn auch, wenn es zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon 3:1 für den Glubb gestanden hätte, darf es nie und nimmer passieren, dass ein gegnerischer Stürmer derart einfach in den eigenen Sechzehner eindringt, wie es Sebsatian Maier in der 59. Minute gelingt. Und wenn der Mann aus 14 Metern dann auch noch frei zum Schuss kommt, steht es eben plötzlich 1:2 statt 3:1. Und in der 75. Minute hätte es dann fast sogar 1:3 gestanden, doch Daube traf völlig freistehend vor Patrick Rakovsky auf kurzer Distanz nur der Pfosten.
Die Antwort der Hausherren? Nun, zumindest Kampf. Zumindest das „Nicht-Aufgeben“. Spielerisch von tiefstem Niveau brauchte die Mannschaft von Valerien Ismaël dann eben den Willen und so kam der Ball drei Minuten vor Schluss auf der linken Angriffsseite zu Niklas Füllkrug, der die Übersicht behält, scharf nach innen passt, wo Sylvestr richtig steht und in der 87. Minute zumindest noch einen Punkt rettet. Der Doppel-Torschütze zeigte sich nach dem Spiel dennoch enttäuscht – und zwar zurecht. Der Club tritt auf der Stelle, schickt St. Paul auf Platz 17 der Tabelle und hat es damit am kommenden Freitag zum zweiten Mal nacheinander mit dem Tabellensechszehnten zu tun. In Sandhausen gilt letztlich das selbe Motto wie gegen St. Pauli: Bloß nicht verlieren, sonst steckt man nach dem Spiel tief im Sumpf und fällt hinter den Gegner zurück. Mit den Zielen, die man in Nürnberg vor der Saison ausgegeben hatte, hat dies indes nichts mehr zu tun. Traurig, wie tief man in nur 12 Spielen sinken kann…