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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 11. Spieltag
[Montag, 27.10.2014] SV Darmstadt 98 – 1. FC Nürnberg 3:0 (1:0)

Nun haben wir dann also wohl doch Gewissheit: Allen Unkenrufen zum Trotz und aller Hoffnung entgegen, die die letzten drei Clubspiele geschürt haben mögen, diese Mannschaft ist nicht fähig und wird für den Rest Saison nicht fähig sein, an der Tabellenspitze der zweiten Fußball-Bundesliga anzugreifen. Diese Mannschaft wird im besten Fall der Fälle im grauen Mittelmaß des Fußball-Unterhauses untergehen und nach 34 Spieltagen heilfroh sein dürfen, wenn zumindest der Klassenerhalt mit Hängen und Würgen geschafft wird.
Ohne despektierlich wirken zu wollen, aber wer in Darmstadt gegen ein durch und durch biederes Lilien-Team dermaßen untergeht und Fehler begeht, die jedem anständigen Fußballer schon in der B-Jugend abgewöhnt werden, der sollte sich ernsthaft fragen, zu was er sich beruflich in der Lage fühlt. Für den Großteil der momentanen Nürnberger Mannschaft wird es im Laufe ihrer Karriere jedenfalls nicht für die erste Liga reichen. Ein paar Alibichancen, hilfloses Gekicke und hohe Bälle ins Nichts sind jedenfalls eher Zeichen erheblicher Mängel in der fußballerischen Qualität und bei entsprechendem Kampf maximal ausreichend, um am Ende besser als Platz 16 in Liga zwei dazustehen. Wer dazu nach zuletzt sieben Punkten aus den letzten drei Spielen nicht fähig ist, den entsprechenden Rückenwind auf den grünen Rasen zu retten, hat entweder ein gehöriges Kopfproblem oder ganz einfach die falsche Einstellung.
Ja ja, man darf auf die jungen Kerle nicht so draufhauen, denn schließlich sind die ja noch jung… doch, halt: Sind nicht all diese jungen Spieler mit der Vorgabe nach Nürnberg gekommen, den Glubb auf schnellstem Wege wieder eine Etage nach oben zu führen? Und hat nicht jeder dieser jungen Spieler mit seiner Unterschrift auch bestätigt, dass er sich dieser großen Aufgabe gewachsen fühlt? Hat nicht auch ein Valerien Ismaël vor der Saison laut und deutlich verlautbart, dass er sich mit dem vorhandenen Kader in der Lage sieht, im nächsten Jahr wieder erstklassig antreten zu dürfen?
In diesem Falle seien die Fragen erlaubt: Warum bei einem knappen 0:1 den kreativen Alessandro Schöpf vom Feld, um den grobschlächtigen Peniel Mlapa zu bringen? Warum nach dem 0:2 Daniel Candeias als letzte Kreativkraft auch noch vom Feld? „In manchen Situationen waren wir zu naiv. Wir müssen klare Entscheidungen treffen“, war vom Trainer nach dem Spiel zu hören. Dumm nur, wenn man als Verantwortlicher sowohl naiv ist und dann auch noch die falschen Entscheidungen trifft…
Der Club im Herbst 2014/2015 befindet sich in einer traurigen Situation. Nachdem man am Anfang der Saison auf ein Team mit jungen Spielern gesetzt hatte und erfahrene Korsettstangen nicht nur der Mannschaft, sondern auch dem unerfahrenen Trainer den nötigen Halt verschaffen sollten, steht man nach Demission des Gerüstes nun ohne jede Erfahrung da. Der Trainer hat sie nicht, die jungen Spieler auch nicht – und das mag dann nach ersten Erfolgserlebnissen auch mal zwei bis drei Spiele gut gehen, so lange der Einsatzwille, der Kampf und das nötige Quäntchen Glück vorhanden sind. Doch selbst der Laie hat im alt-ehrwürdigen Böllenfalltor gesehen, was nach dem ersten Rückschlag passiert: Man ist ruck-zuck wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen.
Da hilft auch alles lamentieren nichts, dass 98-Stürmer Dominik Stroh-Engel ausgerechnet gegen den FCN seine Ladehemmung ablegt und bei seinem Sturmlauf in der 39. Minute noch dazu knapp im Abseits stand. So lange man nach knappen Rückstand eine gesamte zweite Halbzeit nicht fähig ist, auch nur eine einzige halbwegs gefährliche Situation vor dem Tor des Gegners herauf zu beschwören, so lange muss man sich am Ende auch nicht wundern, wenn auf der anderen Seite noch die Treffer zum 2:0 und 3:0 fallen – vor allem, wenn sich die Abwehrspieler in rot-schwarz ähnlich unkonzentriert und harmlos zeigen, wie ihre Mitspieler im Angriff. Ein einfacher Hackentrick von Tobias Kempe reichte in der 70. Minute, um die gesamte Nürnberger Hintermannschaft in Verlegenheit zu bringen. Leon Balogun startete durch, wurde nicht richtig angegriffen und hatte vom Strafraumeck alle Zeit der Welt, um Maß zum 2:0 zu nehmen. Der Vorlagengeber Kempe setzte in der 82. Minute noch den Schlusspunkt, als er aus ähnlicher Position wie zuvor Balogun traf.
Für den leidgeprüften Clubfan bleibt am Ende: Nichts! Fußball ist und bleibt Tagesgeschäft und natürlich keimte auch beim Autor dieser Zeilen nach den Auftritten gegen Kaiserslautern und Leipzig und in Bochum so etwas wie Hoffnung auf eine späte Kehrtwende auf. Schaut man nun jedoch nach einem Drittel der Saison auf die Tabelle und nimmt man das Spiel in Darmstadt mit in die Wertung, muss man konstatieren: Es reicht nicht! Mag das ein oder andere gute Spiel dabei, mag es auch mal zu einer kurzen Serie reichen. Wer aufsteigen will, muss in der Lage sein, Serien zu starten, die weit länger andauern als nur drei Spiele. Wer aufsteigen will, muss in Darmstadt so auftreten, wie es die Fortuna aus Düsseldorf beim letzten Spiel Heimspiel des Aufsteigers vorgemacht hat und den Gastgeber mit 4:1 aus dem Stadion fegen. Alles andere ist nur Mittelmaß und reicht nach 11 Spieltagen eben gerade mal zu Platz 12. Zum Relegationsplatz sind es gerade mal zwei Punkte Vorsprung – und auf eben diesem Relegationsplatz steht zur Zeit der FC St. Pauli. Die Kiezkicker sind am kommenden Samstag unser Gegner im Max-Morlock-Stadion und ich denke, ein jeder Clubfan weiß, was die Stunde schlagen wird, wenn es am Wochenende nicht zum Heimsieg reicht…