Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 7. Spieltag
[Mittwoch, 24.09.2014] 1.FC Heidenheim – 1.FC Nürnberg 3:0 (2:0)

Keine zehn Minuten hat es am Mittwochabend in der baden-württembergischen Provinz gedauert, da wusste man nicht nur als Clubfan, dass der 1. FC Nürnberg auch an diesem Spieltag das Fußballfeld nicht als Sieger verlassen würde. Keine zehn Minuten hat es auch gedauert, da stand der Titel für den heutigen Kommentar fest. Will man also dieser Tage beim Club von Konstanz sprechen, dann mit Sicherheit von der des Niederganges und der fortdauernden Planlosigkeit.
Zweieinhalb Minuten waren beim Aufsteiger gespielt, als der Ball zum ersten Mal im Nürnberger Tornetz lag. Robert Leipertz konnte seelenruhig durchs Nürnberger Defensiv-Mittelfeld spazieren, zog dann mit einem einfachen Haken gleich drei Abwehrspieler auf sich, um schließlich zum vollkommen frei stehenden Marc Schnatterer passen zu können, der aus halblinker Position auf Höhe der Strafraumgrenze kein Problem hatte, das 1:0 zu erzielen. Noch passiver präsentierte sich der Nürnberger Abwehrhühnerhaufen nur sechs Minuten später: Freistoß aus halblinker Position, Niklas Stark steht meilenweit von seinem Gegenspieler Kevin Kraus entfernt und dieser überwindet Raphael Schäfer mit einem tiefenentspannten Schuss aus kurzer Distanz. Als der FCN-Keeper den Ball nach dem 0:2 aus dem Netz holte, war dies seine zweite Ballberührung des Spiels.
Im Grunde hätte man nun nach Hause gehen können, doch als jahrelanger FCN-Sadomaso-Fetischist schaut man natürlich bis zum bitteren Ende hin. In der 36. Minute dann tatsächlich so etwas wie die erste Club-Chance, als Alessandro Schöpf den Heidenheimer Keeper Jan Zimmermann mit einem satten Schuss zur ersten Parade des Spiels zwang. Auch dem Seitenwechsel versuchte es Schöpf noch einmal mit einem Distanzschuss, doch in der 51. Minute strich dieser knapp über das Tor. Nach einer knappen Stunde dann die endgültige Entscheidung. Florian Niederlechner war in der 59. Minute durchgestartet, Raphael Schäfer kam aus seinem Kasten gestürmt und erwischte den Heidenheimer im Lauf. Den fälligen Elfmeter verwandelte Patrick Meyer.
Spätestens als Jan Polak in der 70. Minute dann die gelb-rote Karte wegen wiederholtem Foulspiel kassierte, war der Drops vollends gelutscht. Die restlichen 20 Minuten waren an Langeweile nicht zu überbieten und boten damit den größtmöglichen Kontrast zu den Ereignissen, die am Donnerstag nach dem Spiel folgen sollten. Nachdem sich Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schramm, Sport-Vorstand Martin Bader und der sportliche Leiter Wolfgang Wolf um 11 Uhr zu einer Krisensitzung zurückgezogen hatten, wartete man den ganzen Tag gespannt auf Ergebnisse. Und weil das so lange dauerte, spielte Vielschwätzer Günther Koch den Pausenclown und unterhielt die anwesenden Journalisten mit grenzdebilem Gesülze. Um so ernüchternder dann die Feststellung von Klaus Schramm nach stundenlanger Beratung: „Alles bleibt beim Alten.“
Im ersten Moment kamen Fragen auf: Wen meint der Mann mit dem Alten? Ismaël mit seinen 39 Jahren kann schwerlich gemeint sein. Und Martin Bader mit seinen 46 Jahren kann ja wohl auch kaum gemeint sein… Wieso in aller Welt bleibt dann alles beim Alten??? Aber nein, oh mein Gott, der meint gar keine Person, sondern den Zustand des 1. FC Nürnberg!!! Der Valerien bleibt Trainer, der Martin Sportvorstand und die Mannschaft mit der zweiten Bundesliga hoffnungslos überfordert… schöne Aussichten…
Aber atmen wir einfach mal tief durch, zählen rückwärts von 100 auf Null runter und überlegen wir uns doch mal, was die Herren heute hätten machen können. Gut, sie hätten Valerien Ismaël vor die Tür setzen können – und dann? Wäre die Trainersuche wieder losgegangen und jeder Übungsleiter, der was auf sich hält, hätte den Kopf eingezogen. Am Ende hätte man nach wochenlanger Suche wieder irgendeine Notlösung gefunden und im schlimmsten Fall wäre mit Interimstrainer Wolfgang Wolf der Erfolg zurückgekehrt. In dem Falle hätte sich Martin Bader dann hinstellen können und mit Fug und Recht behaupten können: „Es war knapp, aber am Ende ist alles gut gegangen.“ – Nun ja, zumindest bis zur nächsten Niederlagenserie.
Und ja, man hätte auch Martin Bader heute vor die Tür setzen können – und dann? Wäre die Suche nach einem Nachfolger ähnlich abgelaufen wie eine potentielle Trainersuche. Wer hat Lust, einen Chaosclub zu übernehmen, in dem sich viele Menschen über die Mikrofone, die ihnen hingehalten werden, profilieren wollen, viel reden, so gut wie gar nichts sagen und schon gar keine Lösungsansätze parat haben, wie der Mannschaft wieder Leben einzuhauchen ist. Ein Tag wie dieser Donnerstag trägt jedenfalls mit Sicherheit auch nicht unbedingt dazu bei.
In einem Interview mit der dummen Zeitung mit den vier großen Buchstaben erwähnte Martin Bader am Donnerstag, dass er selbstverständlich auch über den eigenen Rücktritt nachdenke, jedoch noch eine Nacht darüber schlafen wolle. Bleibt zu hoffen, dass der Mann einigermaßen gut schlafen kann und uns allen dann ein klare Ansage macht, was das Beste für die Zukunft unseres geliebten 1.FC Nürnberg ist: Nämlich ein Ende mit Schrecken und kein Schrecken ohne Ende. Denn egal, wie man es dreht und wendet: Martin Bader, Valerien Ismaël und auch Wolfgang Wolf hängen gemeinsam am Seil über dem Abgrund. Und zu Dritt sind sie zu schwer, um sich noch wieder hoch ziehen zu können. Also: Zum Wohle des 1.FC Nürnberg: Herr Bader, wahren Sie Ihr Gesicht und nehmen Sie Ihren Hut. Und nehmen Sie den von Wolfgang Wolf und Valerien Ismaël gleich mit. Machen Sie Platz für einen kompletten Neuanfang und geben Sie der Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag die Gelegenheit zumindest über die Aufsichtsratswahlen zu signalisieren, wie dieser Neuanfang aussehen soll.
Eine Garantie, dass dann alles besser wird, gibt es natürlich nicht. Doch es gibt die Garantie, wenn alles so bleibt, wie es ist, wird es nicht besser.