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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 6. Spieltag
[Sonntag, 21.09.2014] Karlsruher SC – 1.FC Nürnberg 3:0 (3:0)

Den etwa 3.000 armen Clubfans, die sich am Sonntag auf den Weg nach Karlsruhe gemacht haben, wird es entgangen sein – daher sei an dieser Stelle darauf hingewiesen. Der Bezahlsender Sky macht während des Clubspiels mit seiner Einblendung links oben im Bild schon einmal unmissverständlich klar, wohin es für den 1.FC Nürnberg geht, wenn er weiter so Fußball spielt wie am Sonntag im Wildpark. So weit ist es also schon gekommen: Man muss sich mit dummen Witzen über Wasser halten, weil das Geschehen auf dem grünen Rasen bei Clubspielen inzwischen nicht mehr erträglich ist. Ist das überhaupt noch Fußball? Oder versteht die Mannschaft da grundsätzlich etwas verkehrt und ist kollektiv der Meinung, dass mit dem Schiedsrichterpfiff nach einer Woche harten Trainings das Auslaufen beginnt?
Den Spielern des Karlsruher SC dürfte jedenfalls gefallen haben, was da von Seiten der Franken an fehlender Gegenwehr und Unterstützung vor allem in den ersten 45 Minuten gekommen ist. Ich spare mir an dieser Stelle die Aufzählung der Grundtugenden eines guten Fußballspielers – sie waren zumindest in rot-schwarz am Sonntag sowieso nicht zu sehen.
Ganze neun Minuten hat es gedauert: Ilijan Micanski darf auf der rechten Seite mutterseelenallein durchstarten, gibt den Ball flach und scharf in die Mitte, wo der Japaner Hiroki Yamada auch gegen zwei indisponierte Club-Verteidiger (Javier Pinola, Ondrej Celustka) keine Probleme hat, den Ball im Nürnberger Netz unterzubringen.
Noch haarsträubender wurde es in der 20. Minute. Ohne jede Bedrängnis spielt Pinola den Ball Gaetan Krebs in die Füße, der Mann zeigt dem Club, was schnelles Umschaltspiel bedeutet und passt zu Reinhold Yabo, der wiederum Ondrej Petrak wie eine Slalomstange stehen lässt und aus rund 20 Metern trocken zum 2:0 vollendet.
Und ja, richtig: Auch das 3:0 fällt noch vor dem Pausenpfiff. Verwirrung im Nürnberger Strafraum, Yamada trifft den Pfosten, von wo der Ball Yabo vor die Füße springt, der zum zweiten Mal an diesem Nachmittag trifft. Die Entscheidung des Spiels nach 40 Minuten.
Bezeichnend für die komplette Mannschaft war hierbei das Verhalten von Javier Pinola. Der Argentinier steht im eigenen Strafraum auf Höhe des Fünf-Meterraums, hält Tiefschlaf und hebt damit eine eventuelle Abseitsposition des Torschützen auf. Als der Ball schließlich im Tornetz zappelt, ist es – ganz genau – Javier Pinola, der als Erster den Arm hebt und in Richtung Linienrichter protestiert. Es war also wie immer in den letzten Wochen: Wenn ein Spieler des FCN überhaupt mal reagierte, dann zu spät.
Über die zweite Halbzeit decken wir beschämt den Mantel des Schweigens und fassen es zusammen, wie schon der Sky-Reporter richtig sagte: „Karlsruhe will nicht mehr, der Club kann nicht mehr.“ Erwähnt sei noch das selten dumme Handspiel von Cristian Ramirez, mit dem er trotz aller Unbedrängtheit zumindest seinem Keeper Raphael Schäfer noch die Möglichkeit gibt, sich auszuzeichnen, indem er einen Strafstoß hält.
Der Rest ist Fassungslosigkeit. Der Club befindet sich im freien Fall und sollte nicht bald eine nachhaltige Kehrtwende eintreten, darf man sich bald wieder auf Augenhöhe mit Arminia Bielefeld, Energie Cottbus oder auch dem VfL Osnabrück messen. Spätestens mit dem Spiel in Karlsruhe, vor allem aber durch das Wie der Niederlage, steht nun nicht nur Trainer Valerien Ismael, sondern auch Martin Bader und Wolfgang Wolf unter besonderer Beobachtung. Bei allen Verdiesten rund um den Pokalsieg 2007: Herr Bader, in den letzten zwei Jahren haben Sie so ziemlich alles falsch gemacht, was nur falsch zu machen geht. Kümmerliche sieben Siege sind in den letzten 12 Monaten bei insgesamt 24 Pflichtspielen rausgesprungen. Auf gut Deutsch: Nach jedem Dreier folgten in schöner Regelmäßigkeit erst einmal durchschnittlich dreieinhalb Niederlagen. Und diese Niederlagen lagen an allem, Herr Bader, was Sie zur verantworten haben. An den Trainern, die Sie verpflichtet haben, an der Mannschaft, die Sie mit Ihren Trainern aufgebaut haben und es liegt vor allem am eigenen Anspruchsdenken. Wer in jedes Bundesligajahr mit dem Minimalziel Nicht-Abstieg startet, darf sich nicht wundern, wenn ihn nach und nach alle überholen und man am Ende dann keine zwei Teams mehr hinter sich stehen hat. Wer nach dem Abstieg schließlich alle Eckpfeiler der Mannschaft ziehen lässt, weil die Verträge vorher dementsprechend schlecht ausgehandelt waren und sich dann gleichzeitig scheut, die vielen Millionen, die durch die Transfers in die Kasse fließen, adäquat zu reinvestieren, wer stattdessen Spieler holt, die bei direkten Konkurrenten keine Chance auf einen Einsatz haben, dann aber gleichzeitig das Ziel direkter Wiederaufstieg herausgibt, hat entweder nicht alle Nadeln an der Tanne oder keine Ahnung von Fußball. Und da ich mir nicht vorstellen kann, Herr Bader, dass Sie auf intellektueller Ebene nicht auf der Höhe sind, muss ich leider annehmen, dass hier Zweiteres zutrifft und Sie in den ersten Jahren Ihres Schaffens ganz einfach nur das Glück des Tüchtigen und vor allem des Anfängers hatten. Mag also sein, dass das Glück Sie in den letzten Jahren ein wenig verlassen hat. Wir, die wir am 1.FC Nürnberg hängen, können nur hoffen, dass sich die Glückssträhne möglichst bald wieder einstellt und Sie spätestens dann die Reißleine ziehen, wenn es für Sie auch andere berufliche Möglichkeiten gibt. Da jedoch zu befürchten steht, dass Sie auch weiter an ihrem Stuhl kleben, wird es spätestens bei einer Niederlage in Heidenheim wieder ein Bauernopfer geben. Dann jedoch, Herr Bader, möchte ich am 30. September bei der Mitgliederversammlung nicht ihrer Haut stecken.