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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 5. Spieltag
[Montag, 15.09.2014] 1.FC Nürnberg – Fortuna Düsseldorf 0:2 (0:1)

Jetzt fängt es dann tatsächlich an, weh zu tun. Der 1. FC Nürnberg befindet sich auch in Liga zwei weiter im freien Fall und musste im Montagsspiel gegen Fortuna Düsseldorf bereits die dritte Saisonniederlage einstecken. Das Schlimme an dem 0:2: Es war verdient. Der durchaus überzeugende Auftritt bei Union Berlin vor der Länderspielpause entpuppt sich schneller als vermutet und befürchtet als Strohfeuer und zeigt allein, dass es in Liga zwei zwar durchaus schwächere Teams als den Glubb gibt – für die selbst gesteckten Saisonziele reicht es bei FCN Mitte September 2014 jedoch bei weitem nicht.
Hatte Trainer Valerien Ismaël nach dem Auswärtsdreier in der Hauptstadt noch von der Geburt einer neuen Mannschaft gesprochen, muss man nach dem blutleeren und harmlosen Auftritt gegen Fortuna Düsseldorf nun konstatieren: Ja, eine Mannschaft, die sich im hinteren Mittelfeld der zweiten Fußball-Bundesliga festsetzen wird. Eine Mannschaft, die mit viel Glück vielleicht den direkten Abstiegskampf wird verhindern können, die jedoch keineswegs das Format besitzt, in den Kampf um die ersten beiden Tabellenplätze eingreifen zu können.
Dabei hatte der Club die 90 Minuten durchaus engagiert angegangen und bereits in der achten Minute eine erste Chance. Daniel Candeias war auf der rechten Seite steil geschickt worden und brachte den Ball von dort scharf nach innen. Jakub Silvestr kam dort auch an die Kugel, verfehlte das Gehäuse von Fortunen-Keeper Michael Rensing aus drei Metern Entfernung jedoch knapp. Was zu diesem Zeitpunkt natürlich noch niemand ahnen konnte: Es sollte neben einem Kopfball von Dave Bulthuis in der 31. Minute die einzig wirklich nennenswerte Torchance der Franken bleiben. Denn die Gäste aus dem Rheinland taten letztlich genau das, was Trainer Oliver Reck vor der Partie angekündigt hatte: Sie standen vor allem in der Abwehr sicher und ließen die Spitzen des Clubs nie zur Entfaltung kommen.
Wenn man dann als Gast noch das gewisse Fortune hat und gleich aus dem ersten halbwegs gelungenen Angriff die 1:0-Führung erzielt, ist man letztlich genau auf dem Weg, auf dem sich auch der FCN nach dem letzten Spiel bereits wähnte. Erwin Hoffer war in der 23. Minute seinen Bewachern enteilt und konnte den Ball nach Flanke von Julian Schauerte problemlos im Nürnberger Tor unterbringen.
Doch die Geburt einer neuen Mannschaft hin, das eigene Unvermögen her: Liest man sich das Interview durch, dass der portugiesische Neuzugang Daniel Candeias im Laufe der letzten Woche dem kicker gegeben hatte, ahnte man als langjähriger Clubfan schon fast, wo das enden würde. Der Mann, der von Benfica Lissabon gekommen war, hatte davon gesprochen, dass er sich den Einstand ins deutsche Fußball Unterhaus nicht so einfach vorgestellt hatte. Nun, spätestens seit Montag, 22.10 Uhr Ortszeit Nürnberg dürfte auch der Portugiese wissen, wie sich der Fall nach dem Hochmut anfühlt und auf dem Boden der Tatsachen gelandet sein. Düsseldorf ließ nämlich auch nach der Führung in Sachen Wachsamkeit, Kampfkraft und Ideen nicht nach, während dem FCN alles fehlte, was auch nur halbwegs nach Fußball aussah. Das 2:0 für die Gäste könnte man da schon fast als logische Konsequenz bezeichnen. Da Silva Pinto hatte mit einem einfachen Doppelpass die gesamte Nürnberger Hintermannschaft ausgehebelt und letztlich keine Mühe, den Ball aus rund 16 Metern halblinker Position ins Nürnberger Tornetz zu dreschen.
Nach dem Spiel versuchte Valerien Ismaël die pfeifende, wütende Menge zu beruhigen, in dem er sagte, man dürfe nun nicht auf die Mannschaft einschlagen, sondern müsse weiter an die gesteckten Zielen arbeiten und dürfe den Kopf nach der Niederlage nicht in den Sand stecken. Die ständige Wiederholung lässt solche Sätze inzwischen jedoch nach reinen Durchhalteparolen klingen. Parolen ohne jede Idee, wo der Hebel wirklich angesetzt werden muss. Bestes Beispiel für die Hilflosigkeit bei den Verantwortlichen: Die Kritik an den Fans und das sofortige Zurückrudern nach dem ersten Gegenwind. Statt die Probleme auf dem Trainingsplatz anzugehen, sucht man die Schuld bei vereinzelten Pfiffen von den Rängen.
Was die Mannschaft braucht, ist ein Ruck, ein Impuls, der nicht nur 90 Minuten hält, wenn man wie in Berlin auf einen schwachen Gegner trifft. Diese Mannschaft hat sich noch nicht gefunden, doch ich erinnere daran: Die Herren in rot-schwarz sind alle Profis und müssten eigentlich durchaus in der Lage sein, sich nach nunmehr sechs Saisonspielen mal so langsam zu finden. Es darf nun also durchaus einmal der Knüppel ausgepackt werden. Denn wer sich nach sechs Spielen und vier Niederlagen inklusive Pokal noch immer nicht gefunden hat, der hat eine Entwicklung verpennt. Und wer pennt, muss eben mit einem mächtigen Schlag geweckt werden. Zeit ist es – nämlich fünf vor zwölf. Gar nicht auszudenken, was passiert, wenn die nun zwei folgenden Auswärtsspiele in Karlsruhe und Heidenheim verloren werden. Von der Hand zu weisen ist die Gefahr, dass genau dies geschehen wird, nicht.