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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

2. Fußball-Bundesliga 2014/2015, 3. Spieltag
[Samstag, 23.08.2014] 1.FC Nürnberg – FSV Frankfurt 0:1 (0:1)

Bei einer Sache kann man sich sicher sein: Denkt man, es kann nicht mehr schlimmer kommen, kommt der Glubb und beweist einem das Gegenteil. Unglaubig schaut man sich das Geschehen auf dem grünen Rasen an und mehr als ein Kopfschütteln und ab und an ein ungläubiges, ironisches Grinsen ist nicht mehr drin. Was der FCN an die Wand fahren kann, fährt er an die Wand. Und die Hoffnung? Die stirbt ja bekanntlich zuletzt – doch genau an diesem Punkt ist man als Clubfan Ende August 2014 angekommen. Mit dieser Mannschaft wird das nichts. Nicht, weil sie nicht will, sondern weil sie nicht kann. Weil sie die Klasse nicht hat, die es braucht, um am Ende der Saison den Aufstieg feiern zu dürfen. Weil man zwar durchaus talentierte und begabte Spieler gekauft hat, die jedoch in ihrer Unerfahrenheit noch nicht das Zeug haben, ein Spiel umzukrempeln und Zeichen zu setzen. Weil inzwischen selbst den erfahrenen Spielern derart der Arsch auf Grundeis geht, dass selbst klarste Torchancen leichtfertig vergeben werden.
Denn sind wir mal ehrlich – so schlecht hatte der frühe Samstagnachmittag gegen den FSV Frankfurt gar nicht begonnen. Noch keine zehn Minuten waren gespielt als Timo Gebhart deutlichen Zug zum Tor zeigte und vom Neu-Frankfurter Innenverteidiger Hanno Balitsch nur per Foul gestoppt werden konnte. Das Vergehen fand zwar nach genauer Betrachtung knapp vor dem Strafraum statt, doch Schiedsrichter Bastian Danert zeigte trotzdem auf den Punkt. Es hätte also alles so schön werden können: Hanno Balitsch – erst in der vorigen Woche vom Valznerweiher nach Frankfurt gewechselt – wird zur tragischen Figur, weil Javier Pinola nach zehn Minuten den Torreigen eröffnet…
Doch Pustekuchen: Javier Pinola verwechselt den Elfmeter mit einer Rückgabe zum eigenen Keeper und bei den Clubspielern beginnt das Kopfkino über vergebene Chancen und die unbedingte Notwendigkeit, an diesem Samstag drei Punkte einzufahren. Schlimmer noch: Hanno Baltisch wird statt der tragischen Figur zum gefeierten Frankfurter Helden als er in der 29. Minute nach einem Eckball genau richtig steht – auch, weil Ersatzkeeper Patrick Rakovsky im Stile eines Kreisklassentorhüters unter der Flanke durchsegelt. Und auch, warum Tobiuas Pachonik auf der Linie steht und trotzdem nicht wirklich reagiert, wird wohl eine für immer ungelöste Frage bleiben. Hanno Balitsch und die mitgereisten ca. 30 Frankfurter Fans jedenfalls jubeln und da Peniel Mlapa in der 39. Minute noch die einzig halbgare Torchance für den FCN versemmelt, weil er über die eigenen Füsse stolpert, gibt es zur Halbzeit als Quittung eben ein Pfeifkonzert.
Wirklich besser wurde das Spiel des Clubs in Durchgang zwei nicht. Die ein oder andere Möglichkeit, die zur Chance hätte werden können – mehr nicht. Am Spielfeldrand ein Trainer in rosa Hemd, der auch durch seine Ein- und Auswechselungen nicht wirklich für Veränderungen sorgte und eben eine Mannschaft, die hilflos wirkte, weil ihr ganz einfach die Qualität fehlt. Weil der Typ fehlt, der die Ärmel hochkrempelt und die Parole „Folgt mir!“ ausgibt. Weil man offensichtlich nicht mal fähig ist, das Spieltempo auch nur annähernd zu variieren, jede Kreativität fehlt und alle Angriffe nach dem gleichen 08/15-Prinzip durchgezogen werden.
Dem FSV Frankfurt jedenfalls reicht eine mehr als unterdurchschnittliche Leistung, den knappen Vorsprung zu verteidigen und die ersten Punkte der Saison einzufahren. Vorne treffen, hinten dicht! Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass der Club in dieser Saison auf einen Gegner mit dieser Einstellung trifft. Umso wichtiger ist es, dass man beim FCN möglichst schnell eine Lösung findet, wie man auch solche Partien erfolgreich bestreitet. Eine erste Reaktion war am Sonntag die Verpflichtung von Daniel Caneias und Ondrej Celustka. Während Ersterer von Benfica Lissabon auf Leihbasis kommt und eher für die Offensive zuständig ist, kommt der Tscheche Celustka von Trabzonspor, war zuletzt an den AFC Sunderland ausgeliehen und ist ein Mann für die Defensive. Wirkliche Spuren in den Geschichtsbüchern des Fußballs haben beide Spieler noch nicht hinterlassen, doch wer in der momentanen Situation erwartet, dass der Club in Person von Martin Bader irgendwelche Topstars aus dem Hut zaubert, denen der Glubb leid tut und die ihn ohne große Bezahlung zurück in die erste Liga bringen wollen, der lebt entweder in einer anderen Welt, hat von Fußball keine Ahnung oder gar Beides.
Und so schließt sich wenige Tage vor dem Spiel des Clubs in Berlin der Kreis: Die Hoffnung, dass die beiden Neuzugänge Besserung bringen, stirbt zuletzt und das Denken, dass es schlimmer nicht mehr kommen kann, hat mit der Heimpleite gegen den FSV Frankfurt mit Sicherheit auch nicht aufgehört. Bleiben wir gespannt, was uns der 1. FC Nürnberg am Freitag in der Alten Försterei dann lehrt…