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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 34. Spieltag
[Samstag, 10.05.2014] FC Schalke 04 – 1.FC Nürnberg 4:1 (2:0)

Der 1. FC Nürnberg ist zum achten Mal aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen und damit in Sachen Abstieg nun alleiniger Rekordhalter. Was sich über die letzten Wochen bereits angekündigt hatte, wurde auf Schalke letztlich in Stein gemeißelt: Der Club wird in der Saison 2014/2015 sein Dasein in der zweiten Bundesliga fristen – und dort natürlich die sofortige Rückkehr ins Oberhaus des deutschen Fußballs anstreben. Wer als Clubfan am Samstag noch die irrwitzige Hoffnung hatte, der FCN könne eine von vorne bis hinten verkorkste Saison durch einen Auswärtsdreier beim ChampionsLeague-Anwärter aus Gelsenkirchen noch retten, sah sich ähnlich wie eine Woche zuvor gegen Hannover 96, schnellstens eines Besseren belehrt. Wie vor Wochenfrist waren auch an diesem Samstag keine sechs Minuten gespielt, ehe die Lederkugel zum ersten Mal im Nürnberger Tornetz zappelte. Joel Matip traf nach einem Eckball trotz intensiver Störungsversuche von Per Nilsson mit dem Kopf – auch, weil Patrick Rakovsky sich bei der Hereingabe nicht recht entscheiden konnte, ob er nun rauskommen wollte oder lieber auf der Torlinie stehen bleibt. Rauslaufen wäre in diesem Fall mit Sicherheit die bessere Option gewesen.
Die Weichen auf Schalke waren also schnell gestellt und auch, wenn der Club in der Veltins-Arena mit zunehmender Spieldauer besser ins Spiel kam und in der 26. Minute durch Martin Angha eine durchaus sehenswerte Chance zum Ausgleich hatte und damit mit dem 25. Aluminiumtreffer der Saison noch das silberne Jubiliäum feiern konnte: Insgesamt hatten die Gastgeber das Spiel sicher im Griff, machten nicht mehr als unbedingt nötig, während bei den Franken mit jeder nicht geglückten Aktion die Hoffnung auf eine Wende sank. Endgültig gestorben war die Hoffnung dann kurz vor der Halbzeit, als Roman Neustädter in der 45. Minute für das 2:0 sorgte.
Nach dem Seitenwechsel fand ein echtes Aufbäumen der Gäste aus Franken nicht mehr statt – das Spiel plätscherte dahin, der Club torkelte seinem achten Abstieg entgegen. Julian Draxler sorgte in der 75. Minute mit einem Fernschuss noch für das 3:0 und in der ersten Minute der Nachspielzeit nutzte Josip Drmic noch die Gelegenheit zu seinem 17. Saisontreffer. Der Schweizer konnte sich so praktisch in der letzten Minute der Saison noch den dritten Platz in der Torjägerliste der Saison 2013/2014 sichern – hinter Robert Lewandowski (Borussia Dortmund) und Mario Mandzukic (Bayern München), jedoch immerhin noch vor so prominenten Namen wie Marco Reus, Stefan Kießling, Ivica Olic oder gar Klaas-Jan Huntelaar. Für den Schweizer ein schöner Erfolg, den er sich zu Hause hinter den Spiegel hängen kann und der ihm wahrscheinlich einen hochdotierten Vertrag bei Bayer Leverkusen einbringen wird.
Exemplarisch für den gesamten Saisonverlauf war dann noch die Tatsache, dass nach dem 1:3 durch Drmic in der zweiten Minute der Nachspielzeit dann auf der anderen Seite noch das 1:4 fiel. Und wie: Chinedu Obasi zieht aus 15 Metern ab, der Ball prallt an den Pfosten, von dort an den Rücken von Patrick Rakovsky und so schließlich doch noch ins Tor. Für den Club nichts weiter als der letzte Sargnagel.
Die Liga hat im Schneckentempo nach zwei Absteigern gesucht und wie immer, wenn jemand „Scheiße“ ruft, hebt der Glubb lieb und brav die Hand. Während man in Hamburg, Stuttgart, Freiburg und Frankfurt nicht den Mut für einen Neuanfang in Liga zwei aufbringt, stürzt sich der 1. FC Nürnberg mit Vergnügen in die Zweitklassigkeit. Und es völlig normal, dass nun die Diskussionen über die Verantwortlichen für den achten Abstieg beginnen. Und natürlich wird der Name Martin Bader in dieser Diskussion besonders häufig genannt. Dass der Sportvorstand nach einer Abstiegssaison in der Diskussion steht, ist völlig legitim. Trotz des Abstiegs sollte man in Nürnberg nun jedoch auch kühlen Kopf bewahren und nicht in blinden Aktionismus verfallen. Unüberlegte Handlungen und Panikattacken haben noch keinem Verein gut getan – der Club selbst kann davon ein Lied  singen. Doch auch, wenn man nun mal wieder nur zweitklassig da steht: Beim 1. FC Nürnberg wird rund um Martin Bader gute Arbeit geleistet. Schauen wir uns doch mal um, wo die Mannschaften stehen, gegen die der Club bei seinem letzten Abstieg vor gerade mal sechs Jahren noch gespielt hat. Wo spielen der MSV Duisburg, Hansa Rostock, Arminia Bielefeld, Energie Cottbus und der VfL Bochum heute? Kaum vorstellbar, aber all diese Teams waren vor sechs Jahren noch Erstligisten und sind inzwischen größtenteils in Liga drei verschwunden – oder im Fall von Arminia Bielfeld auf dem besten Wege dahin. Ein Schicksal, das auch dem 1. FC Nürnberg damals durchaus blühte – doch Martin Bader und seine Mitarbeiter haben damals die Weichen richtig gestellt und sie werden sie auch dieses Mal wieder richtig stellen. Der Club wird auf lange Sicht keine Mannschaft werden, die sich problemlos in der ersten Fußball-Bundesliga wird halten können. Widrige Umstände, ein bis zwei Einkäufe, die nicht so einschlagen wie gewünscht und schon ist man im Strudel nach unten wieder mitten drin. Ein dauerhafte Etablierung in der oberen Tabellenhälfte der Fußball-Bundesliga? Allein schon aus finanzieller Hinsicht kaum machbar – dazu gibt es inzwischen zu viele Vereine, die auf große Geldgeber setzen können. Martin Bader und sein Finanzvorstand Ralf Woy mussten also im Hinterkopf stets darauf vorbereitet sein, dass es nach den tollen sechsten und zehnten Plätzen der letzten Jahre irgendwann die Kurve auch wieder nach unten abknicken kann. Und sie waren darauf vorbereitet: In der kurzen Zeit seit dem letzten Wiederaufstieg ist der Club mit größtmöglichem Aufwand und Tempo wieder entschuldet worden und kann nun bei aller Reduzierung des Etats durch den Abstieg trotzdem gleich wieder angreifen und ein gewisses finanzielles Risiko für den sofortigen Wiederaufstieg in Kauf nehmen. Der 1. FC Nürnberg gehört in die erste Fußball-Bundesliga – darüber sind sich alle Beteiligten einig. In den letzten zehn Jahren hat der FCN neun Jahre erstklassig gespielt – hoffen wir alle, dass mit der nächsten Saison nur ein Jahr Zweitklassigkeit hinzu kommt.