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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 33. Spieltag
[Samstag, 03.05.2014] 1.FC Nürnberg – Hannover 96 0:2 (0:1)

Dieses letzte Heimspiel der Saison 2013/2014 hatte so etwas wie der letzte Strohhalm sein sollen – die letzte große Chance, am Hamburger SV vorbei zu ziehen und sich über die Relegation dann doch noch die Bundesliga-Spielberechtigung für die kommende Saison zu sichern. Die Hoffnung war groß – schließlich ging es für Hannover um nichts mehr. Doch die Mannschaft des 1. FC Nürnberg ist in dieser Saison offensichtlich nicht mehr fähig, noch Spiele zu gewinnen. Anfängerfehler, wie sie in jeder Schülermannschaft nicht gemacht werden, führen zu Gegentoren und auf der anderen Seite verpufft jede Bemühung auf einen eigenen Treffer irgendwo zwischen Strafraumgrenze und Toraus an den krummen Füßen unserer Stürmer. Und ja, natürlich wiederhole ich mich da, aber es ist ja eben auch seit Wochen immer wieder das selbe Bild.
Natürlich könnte man nun hingehen und Mitleid mit den FCN-Kickern haben. Da trainiert man eine Woche lang hart, macht sich selbst heiß auf das entscheidene Duell, geht mit Kampfeslust in die letzten 90 Minuten der Saison im eigenen Stadion und dann steht es nach nicht einmal fünf Minuten schon 0:1. Wieder rennt man einem Rückstand hinterher, wieder hat alle Entschlossenheit nichts genutzt, wieder ist es gleich der erste kleine Fehler, der gnadenlos bestraft wird. Ja, man könnte schon Mitleid bekommen… Man könnte, wenn die Mannschaft nicht selbst schuld wäre. Denn das sie Fußball spielen kann, hat sie zumindest ein bis drei Mal in dieser Saison bewiesen. Und natürlich verliert niemand mit Absicht ein Spiel, aber mit ein wenig mehr Konzentration und Einsatzwillen wäre die ein oder andere Niederlage der Rückrunde mit Sicherheit zu vermeiden gewesen und man stünde nun dementsprechend nicht mit dem Rücken zur Wand.
Dass man überhaupt noch steht und nicht schon mausetot am Boden liegt, hat der Club nicht der eigenen Stärke zu verdanken, sondern der Schwäche der anderen Teams in dem Schneckenrennen um den Abstieg. Wenn es nicht so traurig wäre, man könnte fast meinen, dass auch Braunschweig und der HSV in der nächsten Saison gar nicht erstklassig spielen wollen. Wer daraus jetzt jedoch irgendeine Hoffnung für das letzte Saisonspiel am kommenden Samstag auf Schalke ableitet, ist entweder beneidenswerter Berufsoptimist oder hat von Fußball keine Ahnung. Mit Timothy Chandler, Javier Pinola und Marvin Plattenhardt haben im Spiel gegen Hannover gleich drei etatmäßige Abwehrspieler ihre fünfte Gelbe Karte der Saison gesehen und müssen dementsprechend in Gelsenkirchen zuschauen. Unsere ohnehin schon löchrige Verteidigung wird auf Schalke einem Hühnerhaufen gleichen und Klaas-Jan Huntelaar wird heimlich schon mal die Torjägerliste angeschaut haben und wissen, dass er nur sechs Treffer auf Robert Lewandowski und Mario Mandzukic aufzuholen braucht.
Der 1. FC Nürnberg wird am kommenden Samstag nach fünf Jahren Erstklassigkeit zum wiederholten Mal den Weg in die Zweitklassigkeit antreten. Es wird ein Umbruch geben, die Mannschaft wird ein neues Gesicht bekommen und früher oder später wird der Club auch wieder in die erste Bundesliga aufsteigen. Je nachdem, wann das sein wird, wird dann eventuell niemand mehr aus dem aktuellem Kader in der Aufstiegsmannschaft stehen. Und wer die Auftritte der letzten Wochen verfolgt hat, wird heilfroh darüber sein.