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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 31. Spieltag
[Sonntag, 20.04.2014] 1.FC Nürnberg – Bayer Leverkusen 1:4 (1:1)

Es ist schon irgendwie seltsam, aber auf Bayer 04 Leverkusen trifft der 1. FC Nürnberg zu Hause in den letzten Jahren immer erst gegen Ende der Saison. War es vor zwei Jahren der 34. Spieltag, empfing man die Werkself letzte Saison am 32. Spieltag im Max-Morlock-Stadion. Dieses Mal war es nun also der 31. Spieltag und ein wenig Wehmut dürfte schon aufgekommen sein – musste man nach 90 Minuten doch das Gefühl haben, dass es für längere Zeit das letzte Gastspiel der Rheinländer im Frankenland war. Denn auch, wenn z.B. die Ergebnisse des Vergleichs an diesem Ostersonntag im Jahr 2014 und dem Aufeinandertreffen am 34. Spieltag der Saison 2011/2012 wie ein 1:4-Ei dem anderen glichen, so könnten doch die Umstände unterschiedlicher nicht sein. Schenkte man beim in den letzten beiden Spielzeiten die Spiele gegen Bayer stets leicht faulenzend ab, weil der Klassenerhalt bereits feststand, das Ziel also erreicht war und man die Spiele bis zur Sommerpause etwas gemütlicher angehen konnte, hätte man an diesem Sonntag die drei Punkte gegen Null Vier dringend gebrauchen können – und hatte dennoch nie auch nur den Hauch einer Chance, das Spiel nach 90 Minuten siegreich zu gestalten.
Was hatte man beim FCN nach der blutleeren Vorstellung in Wolfsburg im Laufe der Woche nicht alles beschworen. Die Chance sei noch da, das Stadion müsse zur Festung werden, die Mannschaft sei intakt und wolle bis zum Umfallen kämpfen – alles Parolen, die man als Fan eines Teams im Abstiegsschlamassel nur zu gut kennt. Und vor allem alles Parolen, die man sich sparen könnte, hätte man z.B. die Notwendigkeit einer Festung im eigenen Stadion schon früher erkannt und den Heimfans nicht nur ganze zwei Saisonsiege im eigenen Stadion geschenkt. Zwei Siege bei 15 Spielen vor heimischem Publikum? Zu wenig! Zwei Siege bei nun 16 Spielen vor heimischem Publikum? Nicht bundesligatauglich! Und ganz genau so präsentierte sich der 1. FC Nürnberg an diesem Sonntag – zumindest in der zweiten Halbzeit! Und damit zum mindestens zweiten Mal hintereinander – nach dem Auftritt in Wolfsburg.
Das zweite 1:4 in Folge – und nach 90 Minuten muss man konsterniert feststellen: Die Klatsche geht auch in dieser Höhe in Ordnung. Der Autor dieser Zeilen mag nämlich inzwischen längst nicht mehr allein an Pech denken, wenn der erste Torschuss des Gegners zum wiederholten Male zum 0:1 im Nürnberger Tornetz landet. 16 Minuten hatte es an diesem Ostersonntag gedauert – beim letzten Heimspiel gegen Mönchengladbach waren zumindest schon 18 Minuten gespielt, ehe die Gäste unter tatkräftiger Mithilfe der Heimelf in Führung gehen konnten.
Und dann hieß es ja im Laufe der Woche noch, die Mannschaft sei intakt – und nach dem 1:1 durch Marvin Plattenhardt in der 26. Minute konnte man das Gefühl vielleicht sogar bekommen. Dass der Treffer mehr oder weniger durch Zufall nach einem Freistoß gefallen ist, blendet man als hoffender Clubfan da genauso gerne aus, wie die Tatsache, dass die klaren Torchancen der ersten Halbzeit allein auf Leverkusener Seite lagen und in der 28. Minute nach Kopfball von Ömer Toprak der Pfosten helfen musste, um nicht zwei Minuten nach dem Ausgleich prompt wieder hinten zu liegen.
Nach dem Seitenwechsel eine Spielsituation, wie sie symptomatischer für Situation beim Club nicht sein könnte: In der 47. Minute verpassen Josip Drmic und Hiroshi Kiyotake quasi im Doppelpack die schnelle Führung nach der Pause. Es folgt der Tempogegenstoß von Bayer Leverkusen, Sebastian Boenisch behält die Übersicht und trifft mit einem Schuss ins lange Ecke in der 48. Minute zum 2:1 für die Gäste.
Was dann folgte, war die eigentlich Offenbarung an diesem Osterfeste. Der Club nämlich offenbarte gnadenlos, dass er mit der aktuellen Mannschaft keinerlei Chance mehr auf den Klassenerhalt hat. Viele Verletzte hin, viel Pech her – die elf Mann, die da in Halbzeit zwei auf dem grünen Rasen des Max-Morlock-Stadions das Trikot des 1. FC Nürnberg trugen, sind – wenn es gut läuft – maximal eine durchschnittliche Zweitligatruppe. Anzahl der halbwegs brauchbaren Torchancen an diesem Ostersonntag in Durchgang zwei: Null!
Und was noch schlimmer ist: Die Gegentore fielen dümmer als es jede Schülermannschaft erlauben dürfte. Beispiel gefällig? 80. Minute: Eckball für den Club, abgefangen, schneller Gegenzug, hinten offen wie ein Scheunentor und es steht 1:3 durch Emir Spahic. Noch ein Beispiel gefällig? 87. Minute: Wieder kontert der Gast, Heung-Min Son scheitert mit seinem Schuss noch an Raphael Schäfer, doch Plattenhardt legt umgehend dem eingewechselten Roberto Hilbert vor und es steht 1:4.
Wirklich neue Erkenntnisse hat das Spiel gegen Bayer Leverkusen nicht gebracht. Der Club steckt weiter im Keller – ist inzwischen fünf Punkte hinter Rang 15, könnte über die Relegation aber noch immer die Klasse halten. Einzig: Es fehlen die eindeutigen Beweise, dass die Mannschaft den Klassenerhalt auch wirklich will. Genauso fehlen die Beweise, dass die Mannschaft das Zeug hat, den Klassenerhalt zu schaffen. Was man dem ersten Anzug wahrscheinlich ohne Probleme zugetraut hätte, erweist sich für die Aushilfskräfte offensichtlich als eine Nummer zu groß. Irgendwelche Parolen oder Zusammenhaltsfloskeln haben noch nie eine Liga gehalten – was nun her muss, sind Ergebnisse! Allein die Resultate in den nächsten drei Spielen zählen noch – danach kann man sich dann wieder zusammensetzen und Bilanz ziehen. Möglichkeiten gibt es am Ende sowieso nur zwei: Entweder es hat ein kleines Wunder gegeben, der Knoten ist rechtzeitig geplatzt und über Umwege hält man doch noch irgendwie die Klasse – oder aber eben es geht sang- und klanglos runter in die zweite Liga. Welche dieser beiden Möglichkeiten der Autor dieser Zeilen bevorzugen würde, dürfte klar sein.