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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 30. Spieltag
[Samstag, 12.04.2014] VfL Wolfsburg – 1.FC Nürnberg 4:1 (2:1)

Nach nunmehr fast fünf Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit befindet sich der 1. FC Nürnberg auch nach dem Spiel in Wolfsburg weiter auf dem besten Weg in Richtung zweite Liga. Mit einer blutleeren und kämpferisch nie überzeugenden Leistung meldeten Kapitän Raphael Schäfer und seine Mitspieler erneut mehr als deutlich ihre Ansprüche an, in der kommenden Saison in Bochum, Sandhausen oder Aalen auf Punktejagd gehen zu wollen. Wobei hier wahrscheinlich genau das Problem liegt: Bei den ersten Spielern, die in Wolfsburg noch das rot-schwarze Trikot trugen, hatte man bereits den Eindruck, sie seien mit den Gedanken längst bei einem neuen Verein und eben keineswegs willig, den Gang in die zweite Liga mit anzutreten – geschweige denn, sich gegen den drohenden Abstieg noch zu wehren.
Dem Gegner aus der Autostadt war man an diesem Samstag jedenfalls in allen Belangen hoffnungslos unterlegen – und das obwohl ein früher, eigener Treffer, mit dem gar nicht unbedingt zu rechnen gewesen war, für Selbstbewusstsein hätte sorgen können. Martin Angha hatte das Spiel des Clubs in der achten Minuten auf der rechten Seite schnell gemacht, zu Hiroshi Kiyotake gepasst und dieser weiter zu Markus Feulner. Der trickst im Wolfsburger Strafraum Naldo aus und lässt VfL-Keeper Max Grün mit einem trockenen Schuss keine Abwehrmöglichkeit. Der Club führt und bei den mitgereisten Fans kommt tatsächlich so etwas wie Hoffnung auf ein Fußballwunder auf. Ein Wunder allerdings, dass sich nur etwas mehr als zehn Minuten später dann schon wieder in einen Albtraum verwandelt hatte. Durch Tore in der 19. und 22. Minute durch Ivica Olic und Ivan Perisic führten nämlich nach einem knappen Viertel des Spiels die Gastgeber wieder und zeigten danach mehr als deutlich, dass sie keinerlei Zweifel am Ausgang des Spiels aufkommen lassen wollten. Einzig in einer kurzen Phase nach dem Seitenwechsel spürte man bei den Gästen aus Franken so etwas wie ein aufbäumen. Irgendjemand muss den Männern in rot-schwarz noch einmal gesteckt haben, dass sie ja nur mit einem Tor in Rückstand lagen und da die Gastgeber zu dieser Zeit zwischen Minute 50 und 60 die Zügel etwas schleifen ließen, kam es zu dieser Zeit dann auch endlich zur zweiten Chance für den Glubb. Markus Feulner verpasste jedoch eine scharfe und präzise Hereingabe, schlug ein Luftloch und verpasste es somit, die Chancenauswertung des FCN auf den beachtlichen 100 Prozent zu halten, die man in der ersten Halbzeit vorweisen konnte, da man aus der einzigen Torchance auch den einzigen eigenen Treffer gemacht hatte.
Alles in allem blieb das Spiel des 1. FC Nürnberg in der zweiten Halbzeit ein echtes Trauerspiel mit dem der VfL Wolfsburg wenig bis gar keine Mühe hatte. Im Gegenteil – kaum schaltete die Millionentruppe aus der Autostadt wieder einen Gang höher, schon sah man sich in Nürnbergs Hintermannschaft wieder unlösbaren Problemen ausgesetzt. Junior Malanda in der 69. Minute und erneut Ivan Perisic in der 81. Minute sorgten schließlich für die Tore zum 3:1 und 4:1 und der trostlose Auftritt der Gästeelf schaffte dann schließlich etwas, dass dem Autor dieser Zeilen in fast nunmehr fast 35 Jahren Clubfan-Dasein noch nie passiert ist: Etwa zehn Minuten vor Schluss – nach dem Treffer zum 4:1 – verließ ich den Block. Das Fass war voll. Die Enttäuschung groß. Das Kopfschütteln heftig.
Man kann ja mal ein Spiel verlieren – und wenn es nicht läuft, wie im Moment, kann man auch mal sieben der letzten acht Spiele verlieren. Aber einfach aufzuhören zu kämpfen, ist Verrat an den eigenen Fans, Verrat am eigenen Arbeitgeber und damit letztlich Verrat an sich selbst. Die Spieler des 1. FC Nürnberg haben in dieser verkorksten Saison jede nur erdenkliche Unterstützung erhalten und selbst immer wieder betont, wie sehr ihnen diese Unterstützung hilft. Spätestens jetzt ist es jedoch an der Zeit, den Fans etwas zurück zu zahlen. Die Anhänger auf den Rängen wollen sehen, dass die Spieler sich bis zu der Sekunde, in der auch rein rechnerisch nichts mehr geht, den Arsch aufreißen. Es sind verdammt nochmal noch vier Spiele und nur zwei Punkte Rückstand zum rettenden Ufer. Überflüssig zu erwähnen, dass da noch nichts verloren ist, Durchhalteparolen jedoch auch schnell zu wertlosen Lippenbekenntnissen verkommen, wenn die Leistung auf dem Platz nicht stimmt.
Keiner der 1.800 Clubfans, die an diesem Wochenende mit in Wolfsburg waren und wahrscheinlich sogar noch jede Menge mehr Leute, wird beginnen, die Liebe zum Club zu bereuen – selbst (oder gerade?), wenn am Ende der Saison der Gang in die zweite Liga ansteht. Die Liebe zum Club ist jedoch etwas Anderes als die Liebe zu einzelnen Spielern und nicht umsonst, kann man die noch heute verehrten Helden der Vergangenheit wie etwa Max Morlock, Marek Mintal oder Andreas Köpke an maximal zwei Händen abzählen. Es liegt an den Spielern selbst, wo sie sich in der Club-Historie einreihen wollen – als Versager oder als Mannschaft, die das Steuer gerade noch so rum gerissen hat. Im Moment geht die Tendenz eher in Richtung Versager, doch wie schon so oft geschehen, sei auch an dieser Stelle noch einmal der Hinweis erlaubt, wie sehr der Fußball heutzutage Tagesgeschäft ist. Einfacher wird die Sachlage mit den abnehmenden, verbleibenden Spielen mit Sicherheit nicht. Doch wer in der Bundesliga bleiben will, der muss eben auch mal Mannschaften wie Bayer Leverkusen, Mainz 05 und/oder Hannover 96 schlagen. Eine kleine Siegesserie zum Saisonschluss hat bisher noch keiner Mannschaft geschadet und im Gegenteil: Schon so manchem Team in letzter Sekunden doch noch zum Klassenerhalt verholfen.
Doch machen wir uns nichts vor: Der Worte sind spätestens nach der Klatsche in Wolfsburg genug gewechselt. Ab sofort zählen nur noch Taten – sprich: Punkte. Neun Punkte sollten es aus den letzten vier Spielen dabei mindestens sein – und ja: Das mag vermessen klingen angesichts der letzten Leistungen und Spiele. Und ja und zugegeben: Es ist so etwas wie das letzte Pfeifen beim Gang in den Keller. Doch wer kämpft kann verlieren… wer nicht kämpft, hat schon verloren!
Und hätte ich mich mit diesem Kommentar der Leistung angepasst, die der 1. FC Nürnberg am Samstag in der Volkswagen-Arena auf den grünen Rasen gebracht hat, der Text wäre nach einem Satz beendet gewesen. Ja, die Enttäuschung ist groß. Ja, die Hoffnung ist klein. Und trotzdem werde ich nicht aufgeben, ehe es am Ende vielleicht heißt: Jetzt ist die Enttäuschung klein und die Hoffnung ist groß!