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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 28. Spieltag
[Samstag, 29.03.2014] SC Freiburg – 1.FC Nürnberg 3:2 (1:2)

Es ist und bleibt knapp im Tabellenkeller. Nur wenige Tage nach dem Lebenszeichen im Form eines Sieges gegen den VfB Stuttgart, musste der Club beim Gastspiel im Breisgau einen Rückschlag hinnehmen, der vor allem deshalb nervt, weil er unnötiger war, als es Rückschläge ohnehin sind.
Denn der FCN begann in Freiburg durchaus dort, wo er gegen den VfB Stuttgart am Mittwoch aufgehört hatte. Der Sieg gegen die Schwaben hatte die Selbstbewusstseinstanks offensichtlich wieder gut gefüllt und so schauten die Freiburger zu Beginn der Partie nicht schlecht über eine fränkische Vorherrschaft auf dem grünen Rasen, die schon in der 7. Minute zur 1:0-Führung des FCN führte. Emanuel Pogatetz stand nach einer Eckballflanke im Sturmzentrum genau richtig, um mit einem Kopfball seinen ersten Treffer im Club-Trikot zu erzielen.
Leider gehört es zu den ungeklärten Phänomenen einer Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt, warum ein solcher Treffer zusammen mit dem Selbstbewusstsein des Stuttgart-Siegs nicht etwa weitere Sicherheit verleiht, sondern im Gegenteil dazu führt, dass die eigenen Aktionen fahrig und unsicher werden. Der SC Freiburg jedenfalls hatte nun nur wenig Mühe, sich ins Spiel zu kämpfen, weil der Club das eigene Spiel mehr und mehr einstellte und vor allem in der Hintermannschaft nun teilweise wie der berühmte Hühnerhaufen wirkte. Chancen für die Gastgeber ergaben sich so fast zwangsläufig, wurden jedoch zunächst nicht genutzt. Admir Mehmedi setzte in der 13. Minute einen Heber über den herausgeeilten Raphael Schäfer an den Pfosten, Karim Guedé scheiterte in der 18. Minute an Schäfer selbst. In der 23. Minute war es dann aber doch so weit. Wie auf der anderen Seite war es ein Eckball, eine Flanke und ein Innenverteidiger, der die Übersicht behielt. Pavel Krmas sprang am höchsten und glich zum 1:1 aus.
Auch nach dem zweiten Treffer des Spiels blieben die Gastgeber tonangebend, vergaben jedoch beste Chancen. Der Club hingegen kam wie aus dem Nichts zu einem weiteren Erfolgserlebnis. Nach einem Eckball in der 44. Minute riss Torschütze Krmas den anderen Torschützen Pogatetz im Strafraum um und Josip Drmic ließ es sich nicht nehmen, den fälligen Elfmeter praktisch mit dem Pausenpfiff zum 2:1 zu verwandeln. Ein wenig schmeichelhaft die Führung, doch beim Club-Anhang keimte wieder Hoffnung auf – das Glück schien zurückgekehrt. Freiburg vergab die Chancen, der FCN führte zur Halbzeit 2:1.
Nach dem Seitenwechsel blieb der erwartete Sturmlauf der Gastgeber zunächst aus. Der Club schien zunächst sicherer in der Hintermannschaft zu stehen, baute einen kurze Zeit ratlos scheinenden Gegner durch einen kapitalen Bock jedoch selbst wieder auf. Pogatetz bewegte sich in der 53. Minute im eigenen Strafraum wie ein Elefant im Porzellanladen und rannte Freiburgs Felix Klaus einfach um. Memehdi glich vom Elfmeterpunkt wieder aus.
Wer nun gehofft hatte, dass der FCN wieder an der Reihe sei mit einem Torerfolg, sah sich in getäuscht. Im Gegenteil: Felix Klaus traf in der 65. Minute nach erneutem Durcheinander in der Nürnberger Hintermannschaft unhaltbar zum 3:2 in linke obere Toreck. Das Team von Gertjan Verbeek lag erstmals in der Partie zurück und hatte nun 25 Minuten, um das Ergebnis wieder auszugleichen. Es geschah indes: Nichts! Jedenfalls nicht auf Nürnberger Seite. Eher hatten die Freiburger noch diverse Möglichkeiten, das Ergebnis zu verbessern.
Sie taten es nicht und da es auf fränkischer Seite nicht einmal zu einer Schlussoffensive gereicht hatte, blieb es bei der zwar knappen, aber durchaus verdienten Niederlage. Die Mannschaft des 1. FC Nürnberg präsentierte sich an diesem frühen Samstag einfach als zu dumm und setzte dem in der vierten Minute der Nachspielzeit noch die Krone auf: Pogatetz sah nach (zugegeben vermeintlichem) Foulspiel zunächst die Gelbe Karte vom schwachen Schiedsrichter Dr. Jochen Drees. Als der Verteidiger aus Österreich dann noch den Ball weg schlug, holte er sich von Drees in der Konsequenz die Ampelkarte ab und erweist seiner Mannschaft schon in Hinblick auf das kommende Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach einen Bärendienst.
Apropos Heimspiel: Die Heimspiele müssen es beim Club nun richten. Drei sind es noch, gegen Mönchengladbach, Leverkusen und Hannover. Einfach wird das nicht, doch auf Punkte in den Spielen in Wolfsburg , Mainz oder auf Schalke zu schielen, wäre nach der Leistung in Freiburg ungefähr so, als würde man glauben, dass man mit den momentan 26 Punkten auf dem Konto die Klasse halten kann. Stuttgart, der HSV, Freiburg, Hannover 96 und auch Eintracht Braunschweig werden allein schon deshalb noch punkten, weil sie z.T. noch gegeneinander spielen. Zum Zünglein an der Waage oder auch zur tragischen Figur können hier vor allem die 96er aus Hannover werden. Sie spielen noch in Braunschweig und Nürnberg, und empfangen zu Hause noch den HSV, den VfB Stuttgart und am letzten Spieltag den SC Freiburg.
Doch was hilft es beim Club, auf andere zu schauen? Noch ist man Fünfzehnter – soll heißen, man kann es noch aus eigener Kraft schaffen und braucht nicht gleichzeitig auf Patzer anderer Mannschaften zu hoffen. Und auch das Phrasenschwein freut sich über die Erkenntnis, dass man auch am Ende des 29. Spieltages noch Fünfzehnter sein wird, wenn man gegen Borussia Mönchengladbach drei Punkte einfährt. Ob dies gelingen wird? Ein Prophet, der dies bei den Leistungsschwankungen der Verbeek-Mannschaft momentan sagen kann…
Bleibt am Ende noch der Hinweis auf das, was nach dem Spiel in Freiburg passiert ist. Ein Spiegel dessen, was in den 90 Minuten auf und um den grünen Rasen passiert ist und was man als Fan im Stadion oder an den Fernsehgeräten oft gar nicht so mitkriegt. Gertjan Verbeek hat in den letzten Wochen stets den Eindruck eines fairen Sportsmannes gemacht, der auch schon Kritik dafür einstecken musste, dass er von seinen Spielern ein unfaires Spiel nicht sehen will. Je nach Einstellung gibt es viele Möglichkeiten, sich gegen einen Abstieg zu wehren. Unterscheiden tun sich die Möglichkeiten oft nur in Nuancen, die dann auch darüber entscheiden, ob man sich sportlich oder unsportlich gegen ein drohendes Fiasko wehrt. Die Freiburger haben diesen Bogen am Samstag offensichtlich überspannt und egal, was da im Detail am Spielfeldrand oder in den Katakomben nun gewesen sein mag, in einer Sache hat der Nürnberger Trainer definitiv recht: Dr. Jürgen Drees hat am Samstag mit zweierlei Maß gepfiffen. Dem 1. FC Nürnberg pfiff er jede noch so kleine Szene ab, während er beim SC Freiburg oft großzügig hat weiterspielen lassen. Wenn man als Mannschaft im Abstiegskampf schon nach wenigen Minuten mit mehreren gelben Karten vorbelastet ist und fast die gesamte Defensivabteilung schon in der ersten Halbzeit zwei Mal überlegen muss, wie sie in den nächsten Zweikampf geht, weil letztlich gelb-rot droht, dann kann dies ein Spiel auch mit entscheiden. Dr. Jürgen Drees hat am Samstag genau auf diese Weise Einfluss auf den Ausgang der Partie genommen. Die Wutrede Gertjaan Verbeeks an den Mikrofonen der Sky-Reporter und das spätere Fernbleiben von der Pressekonferenz ist daher in ganzem Umfang nachvollziehbar. Abstiegskampf heißt Abstiegskampf, weil gekämpft werden muss, mitunter auch nah an der Grenze zum Erlaubten. Wenn letztlich jedoch über das Ziel hinaus geschossen wird, müssen klare Worte erlaubt sein, ohne dass gleich der Stempel des schlechten Verlierers gezückt wird. Und genau aus diesem Grund hier die Wutrede unseres Trainers im genauen Wortlaut:
„Das war ein gutes Spiel, wo wir fast die ganze Zeit gegen zwölf Mann gespielt haben. Wenn man nicht besteht gegen diese Emotionen, die es hier gibt, und wenn man nicht geschützt wird, auch nicht durch den vierten Offiziellen, wenn man sieht, wie der Trainer (Christian Streich – d. Red.) mich beschimpft hat, das ist unverschämt, brutal, respektlos! Das habe ich noch nie mitgemacht.
Ich gehe auch nicht zur Pressekonferenz und setze mich neben diesen Mann, das ist ein Kollege von mir, das ist brutal, das gibt’s doch gar nicht! Das ist unverschämt, wie man hier empfangen wird! Wie ein Verrückter hat er agiert, bei jedem Mal, wenn etwas passiert ist.
Man sieht auch, wie der Schiedsrichter da mitgeht. Wenn ein Spieler so schlecht spielt, dann spielt er nicht das nächste Mal. Das heißt: Er darf nicht mehr pfeifen. Das ist doch unglaublich, was er gemacht hat heute, das gibt’s doch nicht! Wenn man sieht, wie international gepfiffen wird, dann ist das doch ein großer Unterschied. Die beiden Mannschaften wollten Fußball spielen, die gehen drauf, die waren nicht gemein oder so.
Natürlich versucht der SC Freiburg, mit der Atmosphäre einen Vorteil rauszuholen. Wenn der Schiedsrichter nicht dagegen besteht, dann muss er was anderes machen. Da muss der Deutsche Fußball-Bund Maßnahmen ergreifen, aber die machen das nicht, die verteidigen immer. Das ist das erste Mal, dass ich etwas sage über die Schiedsrichter. Was hier passiert ist, unverschämt. Das ist kein Kollege. Eine Entschuldigung würde ich nicht annehmen.“