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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 27. Spieltag
[Mittwoch, 26.03.2014] 1.FC Nürnberg – VfB Stuttgart 2:0 (1:0)

Besser als unsere Sektion Norditalien auf dem Foto kann man die allgemeine Gefühlslage bei den Clubfans nach dem Spiel gegen den VfB Stuttgart wohl kaum verdeutlichen. Der 1.FC Nürnberg hat kurz bevor die Lichter ausgehen die Kurve noch einmal gekriegt und sich durch einen verdienten und erkämpften 2:0-Sieg gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten wieder etwas Luft verschafft. Luft zum kurzen Durchatmen wohlgemerkt, denn schon am Samstag heißt es beim nächsten direkten Konkurrenten aus dem unteren Tabellendrittel nachzulegen.
Die Nerven waren zugegebenermaßen nur wenige Tage nach der Pleite gegen Eintracht Frankfurt schon ziemlich angespannt. Wollte man beim Club nach der Serie von Spielen gegen die direkte Konkurrenz eigentlich schon so etwas wie einen vorläufigen Klassenerhalt feiern, fand man sich nach dem Wochenende in der Realität wieder und nach vier Niederlagen in Folge nicht ganz überraschend auf Tabellenplatz 17. Zusätzlich geschwächt durch die Verletzung von Ondrej Petrak und die Sperre von Javier Pinola nach seiner roten Karte aus dem Frankfurt-Spiel, war die Stimmung rund um die Mannschaft von Gertjan Verbeek nicht unbedingt als grenzenlos optimistisch zu bezeichnen. Man durfte gespannt sein, ob und wie es dem Niederländer gelang, sein Team nach den Frusterlebnissen der letzten Wochenenden wieder aufzubauen und wer die ersten Minuten im Max-Morlock-Stadion am Mittwochabend sah, konnte schnell Zweifel daran kriegen, dass es Verbeek gelungen war. Zwar stimmte die kämpferische Einstellung dieses Mal von Beginn an, doch brachte dies zunächst keinerlei Sicherheit in das Spiel der Franken. Die Nervosität und die Angst vor dem eigenen Versagen war in den Anfangsminuten der Partie Nürnbergs zwölfter Mann.
Erst als die Männer in rot-schwarz mit zunehmender Spieldauer merkten, dass die Gäste auch nur mit Wasser kochten und – anders als Frankfurt – keineswegs ein genaues Rezept mitgebracht hatten, wie sie die drei Punkte aus dem Frankenland entführen könnten, gewannen die Aktionen der FCN-Elf an Genauigkeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte man indes schon ein wenig das Glück auf seiner Seite gehabt, als ein strammer Schuss von Konstantin Rausch in der 16. Minute an die Querlatte des eigenen Tores klatschte. In der 22. Minute dann die erste echte Chance für den Club. Adam Hlousek hatte sich auf der linken Seite durchgesetzt und den Ball scharf nach innen gegeben, wo Josip Drmic in kurzer Entfernung darauf wartete, die Lederkugel über die Stuttgarter Torlinie zu drücken. Georg Niedermeier hatte leider etwas dagegen und klärte in höchster Not und letzter Sekunde zum Eckball. Und diese Ecke sorgte erneut für Gefahr: Mike Frantz stand nach der Hereingabe völlig allein im Stuttgarter Fünf-Meter-Raum, köpfte jedoch knapp am Tor vorbei.
Jubeln durfte man als Clubfan dann erst kurz vor der Halbzeitpause. Nach Zusammenspiel mit Hiroshi Kiyotake fasste sich Josip Drmic ein Herz, umkurvte die halbe Stuttgarter Verteidigung, hing dabei im Sprintduell mit Ball am Fuß VfB-Verteidiger Gotoku Sakai ab und traf in der 43. Minute letztlich passgenau zum 1:0 ins lange Eck.
Nach der Pause ging es den Schwaben dann ähnlich wie dem Club ein paar Tage zuvor gegen Frankfurt. Der VfB erhöhte das Tempo, baute Druck auf und war um den Ausgleich bemüht. Doch statt diesen zu erzielen, bekamen die Gäste auf der anderen Seite erneut von Josip Drmic einen eingeschenkt. Markus Feulner hatte in der 54. Minute von rechts in die Sturmmitte geflankt, wo José Campagna den Ball verfehlte, der Schweizer Drmic jedoch genau richtig stand und die Lederkugel gegen die Laufrichtung von Stuttgarts Keeper Sven Ulreich im Tor unterbrachte.
Es spricht nicht unbedingt für die Moral im Team der Gäste, dass das Spiel mit dem zweiten Clubtreffer praktisch erledigt war. Ein echtes Aufbäumen der Schwaben blieb aus und der Club hatte fast überraschend wenig Mühe, den Zwei-Tore-Vorsprung über die Zeit zu bringen. Man war dem VfB nun in vielen Belangen überlegen und kassierte mit den drei Punkten am Ende die verdiente Belohnung. Doch genauso wenig, wie man nach dem 2:5 gegen Frankfurt schon endgültig abgestiegen war, genauso wenig ist man durch den dritten Heimsieg der Saison nun bereits gerettet. Am Sonntag beim SC Freiburg hat das Team von Gertjan Verbeek jedoch gleich die nächste Gelegenheit, nachzulegen – das nötige Selbstbewusstsein dürfte nach dem Sieg gegen Stuttgart ja nun vorhanden sein. Denn egal, wie das Spiel im Breisgau am Samstag auch immer ausgeht, eines wird kurz vor Ende der Duellserie gegen direkte Konkurrenten  auch der letzte Clubfan begriffen haben: Der Kampf gegen den Abstieg wird in dieser Saison bis zum letzten Spieltag dauern. Zu eng sind die Kontrahenten im untersten Tabellendrittel beieinander, zu wenig schafft es ein Team, über einen längeren Zeitraum halbwegs konstante Leistungen zu zeigen, zu sehr gleicht das Bild der letzten Tabellenränge einer spieltaglichen Momentaufnahme. Bestes Beispiel: Hatten der HSV und auch Werder Bremen nach den Siegen über Nürnberg bereits gejubelt und frohlockt (ähnlich wie der Club nach dem Braunschweig-Spiel), stecken beide Teams nur zwei Spiele später wieder mitten im Schlamassel. Und wer weiß das schon genau? Vielleicht ist es am Ende ja dann sogar umgekehrt wie in dem berühmten Sprichwort „Wenn zwei sich streiten…“ – in diesem Falle würde es dann heißen: Freuen sich zwei, heult der Dritte. Und dieser Dritte könnte nach aktuellem Stand der Dinge auch gut und gerne Hannover 96 sein, die mit 29 Punkten inzwischen auch schon nur noch drei Punkte vor dem Club stehen. Und die Niedersachsen kommen dann am vorletzten Spieltag auch noch nach Franken…
Um ein solches direkten Endspiel gegen einen direkten Konkurrenten zu verhindern, muss es am Samstag in Freiburg umso mehr heißen: Drei Punkte für den FCN!