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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 26. Spieltag
[Sonntag, 23.03.2014] 1.FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 2:5 (0:1)

Der 1. FC Nürnberg kassiert zum zweiten Mal in der laufenden Saison fünf Gegentore in einem Heimspiel. Und auch, wenn das Resultat letztlich sehr viel deutlicher aussieht, als es der Spielverlauf war, hat die Mannschaft von Gertjan Verbeek am Sonntag über weite Strecke den Beweis ihrer Erstligatauglichkeit nicht erbracht. Nein, der Autor dieser Zeilen bereut diese Liebe nicht, doch zumindest in der ersten Halbzeit sind ihm leichte Zweifel gekommen, ob sie ihm gut tut.
Was der Fußballclub aus Nürnberg in den ersten 45 Minuten der vorher als „Überholspiel“ angekündigten Partie auf dem grünen Rasen den Max-Morlock-Stadions anbot, glich einem Offenbarungseid. In dem Tempo, in dem sich die Spieler in rot-schwarz versuchten die Bälle zuzuschieben, überholt man jedenfalls niemanden. Und mit Fußball hatte das auch wenig bis gar nichts zu tun. Die Gäste aus Frankfurt waren in allen Belangen überlegen und zeigten vor allem eine ganz entscheidende Eigenschaft, die dem Club völlig fehlte: Die Männer von Armin Veh waren geil auf den Ball, lechzten nach einem Torerfolg, zeigten den Willen, das Spiel zu gewinnen. Bei den Franken hingegen wirkten viele Aktionen wie Alibis, das Team war verunsichert und nervös und wenn dann noch individuelle Fehler wie in der 21. Minute bei Emanuel Pogatetz hinzukommen, steht es auch mal ruckzuck 0:1. Der Österreicher hatte an der Außenlinie den Ball gegen Stefan Aigner vertändelt und anstatt ordentlich nachzusetzen, sah er zu, wie Aigner in aller Seelenruhe nach innen auf den völlig frei stehenden Tranquillo Barnetta flankte und der Schweizer aus kurzer Distanz keine Mühe hatte, den Ball im Nürnberger Tornetz unterzubringen. Unglücklich für den Club an diesem Gegentor war allein die Tatsache, dass man zum Zeitpunkt der Frankfurter Führung nur mit zehn Mann auf dem Platz stand, weil Ondrej Petrak sich nach einem Ellbogencheck von Joselu behandeln lassen musste, während der Übertäter weiterspielen und im Laufe des Spiels noch zwei Tore erzielen durfte, weil Schiedsrichter Knut Kircher der einzige im Max-Morlock-Stadion war, der den Check des Spaniers nicht als Tätlichkeit bewertete.
Insgesamt lag es indes nicht an Kircher, dass der Club praktisch ohne eigene Torchance in die Pause ging und die einzige Hoffnung, die man zu diesem als Clubfan noch haben durfte, das Spiel gegen eine andere Eintracht gewesen ist – nämlich die aus Braunschweig. Und tatsächlich schien sich die Elf von Gertjan Verbeek auch dieses Mal für die zweiten 45 Minuten ordentlich etwas vorgenommen zu haben. Robert Mak kam für den erneut schwachen Hiroshi Kiyotake und plötzlich war zumindest Tempo im Spiel. Tempo, dass jedoch zunächst nach hinten los ging. Denn während der Club noch nach Wegen in Richtung Eintracht-Tor suchte, schlug diese auf der anderen Seite gnadenlos zu. Joselu (-> der nicht mehr hätte auf dem Platz stehen dürfen) und Alexander Madlung (aus Abseitsposition) erhöhten in den Minuten 49 und 53 auf 3:0 für die Gäste.
Nun kann und darf man trefflich darüber streiten, – und jeder wird seine eigene Meinung dazu haben – ob es eine Mannschaft auszeichnet, wenn sie bei einem 0:3-Rückstand nicht aufgibt und endlich mit dem Kampf beginnt, oder ob eben die Mannschaft selbst schuld ist, wenn sie am Ende punktlos dasteht, weil sie das Kämpfen viel zu spät begonnen hat. Tatsache ist, dass die Gastgeber nach dem sehenswerten 1:3 durch Josip Drmic in der 64. Minute plötzlich zurück im Spiel waren und nicht wenige der rund 40.000 Zuschauer auf ein Hannover-Reloaded-Spiel mit umgekehrten Vorzeichen hoffte. Wenn der Club einen 3:0-Vorsprung verspielen kann, kann er einen 0:3-Rückstand ja vielleicht auch aufholen… Und die Hoffnungen stiegen noch, als José Campagna in der 72. Minute mit einem Sonntagsschuss sogar zum 2:3 traf. Das Spiel stand zu diesem Zeitpunkt auf des Messers Schneide und wenn man dem Clubspiel an diesem Nachmittag etwas abgewinnen konnte, dann mit Sicherheit das Kämpferische in dieser Phase der Partie. Ein bisschen mehr Glück in der ein oder anderen Situation, ein wenig höhere Genauigkeit und das Abstiegsduell hätte in der Tat noch einmal kippen können. Doch Glück muss man sich eben erarbeiten und da reichte Aufwand beim FCN über die gesamte Spieldauer gesehen definitiv nicht.
Spätestens als Javier Pinola zehn Minuten vor Schluss für eine Notbremse die rote Karte sah, war klar, dass der Ausgleich an diesem Sonntag nur Wunschdenken bleiben würde. Es kam letztlich dann auch, wie es kommen musste: Beim Club ließen die Kräfte nach, die letzte Konzentration wich dem Frust über eine sich anbahnende Niederlage und Frankfurt nutzte die Gelegenheit, um beim eigenen Torverhältnis nachzubessern. Joselu (-> der nicht mehr hätte auf dem Platz stehen dürfen) und Vaclav Kadlec sorgten in der 88. Minute und in der Nachspielzeit für die Gegentreffer vier und fünf an diesem Nachmittag.
„Jetzt muss man sich Sorgen machen.“ Treffender als Raphael Schäfer direkt nach dem Abpfiff kann man die Lage beim Club kaum zusammenfassen. Alles, was direkt nach Rückrundenstart noch so leicht aussah und sich zur Not auch über das Glück des Tüchtigen erarbeitet wurde, war gegen Eintracht Frankfurt nicht mehr auszumachen. Statt dessen lähmten Angst und Nervenflattern jede einzelne Aktion der Nürnberger Elf.
Wohin die Reise letztlich geht? Einen echten Aufschluss werden erst die nächsten Partien geben können. Denn, wer so spielt wie der Club in der ersten Halbzeit gegen Frankfurt, steigt definitiv ab. Wer jedoch so kämpft, wie die Mannschaft in der zweiten Halbzeit (zumindest bis zum Platzverweis von Javier Pinola), wird sich sein Glück wieder erarbeiten und früher oder später auch wieder Erfolgserlebnisse feiern. Wobei: Streichen wir das „später“ lieber und wünschen der Mannschaft, dass sie einen Weg findet, am Mittwoch gegen Stuttgart jenes Bild des kämpfenden und siegenden FCN über 90 Minuten zu zeigen.