Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 25. Spieltag
[Sonntag, 16.03.2014] Hamburger SV – 1.FC Nürnberg 2:1 (0:0)

Nach der dritten Niederlage in Folge muss der 1. FC Nürnberg mal wieder erkennen, wie sehr der Fußball ein Tagesgeschäft ist. Hatte es vor Wochenfrist vor dem Anpfiff des Heimspiels gegen Werder Bremen vom gegnerischen Trainer Robin Dutt noch geheißen, der Club sei die Mannschaft mit der besten Form im unteren Tabellendrittel, sehen sich Gertjan Verbeek und seiner Männer nach der zweiten unnötigen Pleite in Folge plötzlich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Oder anders ausgedrückt: Man steckt wieder mitten im Abstiegssumpf. Ein Sumpf – so schien es zumindest ist den ersten Wochen der Rückrunde – aus dem sich die Männer in weinrot an den eigenen Haaren herausziehen können. Ein Sumpf jedoch auch, der tiefer und hartnäckiger zu sein scheint, als auf den ersten Blick angenommen.
Fest steht spätestens seit der Niederlage vom Sonntag: Die Anfangseuphorie des Jahres 2014 ist Geschichte. Eine gewisse Leichtigkeit hatte man dabei sowieso nur beim Rückrundenauftakt gegen Hoffenheim feststellen können. Die Siege bei der Hertha, in Augsburg und gegen Braunschweig waren hart erarbeitet und strapazierten das Glück des Tüchtigen teilweise doch recht arg. Fast mag es scheinen, als sei dieses Glück des Tüchtigen in den drei Partien aufgebraucht worden – wenn es denn allein das Glück gewesen wäre, das gegen Dortmund, Bremen und Hamburg gefehlt hat.
Leider war es gerade am regnerischen Sonntag beim Dino der Liga weitaus mehr, das beim Club gefehlt hat. Die Gäste waren den Hanseaten in vielerlei Hinsicht unterlegen und auch Trainer Verbeek musste am Ende anerkennen, dass nur ein Team die drei Punkte verdient hatte: der HSV.
Immerhin 80 Minuten hatte das Nürnberger Bollwerk dem Ansturm von Rafael van der Vaart und Co. standgehalten. Ohne einen Raphael Schäfer in Höchstform wäre dies jedoch mit Sicherheit so auch nicht gewesen. Zu zahlreich und präziser werdend kamen die Einschläge, während der Club seine Entlastungsangriffe zu zögerlich und ungenau spielte und nur selten für Gefahr vor dem Tor von René Adler sorgen konnte. Dabei wäre es genau ein solcher Angriff gewesen, der dem Heimteam das Genick hätte brechen können. Der Rothosen verzweifelten schon fast an ihrer Chancenauswertung und wäre Mitte der zweiten Halbzeit durch einen präzise ausgespielten Konter das 1:0 für den Club gefallen, das Spiel hätte eine komplett anderen Ausgang nehmen können.
Und nein, der Autor dieser Zeilen will hier nun keinesfalls in ein „Hätte-Wäre-Wenn“ verfallen und sich die Welt rosa malen. Im Gegenteil: Er will aufzeigen, welch Chance der FCN am Sonntag in der Imtech Arena vertan hat. Der HSV hatte sich durch die vielen vergebenen Chance selbst an den Rand der Selbstaufgabe gebracht. Die Köpfe hingen mit jedem vergeblichen Angriff tiefer und ein 0:1 wäre dem berühmten Messerstich in den Rücken gleich gekommen.
Einzig: Der Club unternahm nichts, diesen Stich zu setzen und so kam es letztlich, wie es kommen musste: Ein abgefälschter Sonntagsschuss durch Hakan Calhanogu leitete in der 80. Minute den Anfang vom Ende ein. Hanno Balitsch hatte jede Abwehraktion auf der rechten Seite verweigert, Mike Frantz bekam gerade noch den Fuß dazwischen und machte das Geschoss so für seinen Keeper unerreichbar. Und um schließlich für klare Verhältnisse zu sorgen, grätschte Mike Frantz die Kugel in der 86. Minute dann auch noch zum 0:2 ins eigene Tor. Eine unglückliche Grätsche – zugegeben, doch passte sie somit bestens ins Gesamtbild der Nürnberger Mannschaft an diesem Nachmittag.
Die Ironie des Tages wollte es dann so, dass Josip Drmic kurz vor Schluss noch der 1:2-Anschlusstreffer gelang und der eingewechselte José Campana in der Nachspielzeit durch einen gut gezirkelten Freistoß fast noch den Ausgleich erzielt hätte. Letztlich blieb das Spiel in Hamburg doch ein Abziehbild der momentanen Situation. In der trügerischen Annahme einer nicht vorhandenen Sicherheit (Hamburg schießt kein Tor mehr/wir sind schon fast raus auf dem Abstiegskampf), kommt der Rückschlag (der HSV führt plötzlich 2:0/ups, wir haben gegen Bremen verloren). Hoffen wir, dass das Aufwachen im Abstiegskampf nicht genauso zu spät kommt, wie der Anschlusstreffer am Sonntag.
Erste Anzeichen einer wachsenden Unruhe sind zu spüren – sowohl unter den Fans als auch unter den Akteuren. Die offene Kritik von Mike Frantz am Abwehrverhalten von Hanno Balitsch ist ein erstes Anzeichen dafür, dass es auch im sonst eng zusammenstehenden Team erste (zumindest kleine) Risse gibt.
Sich jetzt jedoch selbst verrückt zu machen, ist auch zu diesem Zeitpunkt der Saison genauso der falsche Weg wie er es nach dem Hinrundenspiel gegen Freiburg gewesen wäre. Der Club steht noch immer – wenn auch knapper als zuvor – über dem Strich. Heißt: Er kann es im Gegensatz zu den drei Mannschaften unter ihm noch aus eigener Kraft ans rettende Ufer des 34. Spieltages schaffen. Die nächsten beiden Heimspiele gegen Frankfurt und Stuttgart bieten beste Möglichkeiten, um ein wieder ein wenig Land zu gewinnen. Und seien wir doch mal ehrlich: Es wäre doch nicht unser Club, wenn er nicht wieder erst mit dem Rücken zur Wand stehen müsste, ehe er begreift, worum es geht…