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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 24. Spieltag
[Samstag, 08.03.2014] 1.FC Nürnberg – Werder Bremen 0:2 (0:1)

Es wäre ja auch zu schön gewesen… Der Club macht einfach da weiter, wo er vor dem Spiel bei Borussia Dortmund aufgehört hat, gewinnt gegen alle Mannschaften, die nicht unter den ersten Fünf in der Tabelle stehen, holt dementsprechend in den fünf Spielen der Wahrheit gegen Bremen, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Freiburg mal eben 15 Punkte und hat sich Ende März mit dann 38 Punkten endgültig aus dem Abstiegskampf verabschiedet. Es wäre ja auch zu schön gewesen…
Die Landung auf dem Boden der Tatsachen war beim Spiel gegen Werder Bremen umso härter. Nicht, dass irgendjemand wirklich daran geglaubt hätte, dass das mit 15 Punkten in den nächsten fünf Spielen wirklich klappen würde, doch dass es am Ende dann gar kein Punkt war, der am frühen Samstagabend in Franken geblieben ist, wurde so dann doch nicht unbedingt erwartet. Und nötig war die magere Punktausbeute gegen die Werderaner auch nicht. Dafür umso ärgerlicher.
Zwei Niederlagen in den letzten beiden Spielen, dabei 0:5 Tore – das klingt nicht unbedingt nach einem Statement im Abstiegskampf. Im Gegenteil: Nach dem erfolgreichen Rückrundenauftakt scheint den 1. FC Nürnberg die Realität schneller wieder einzuholen, als es so mancher Clubfan befürchtet hat. Viel zu sehr erinnerte das Spiel im Max-Morlock-Stadion an viele Partien in der Hinrunde. Die Mannschaft von Gertjan Verbeek spielte gefälligen Fußball, hatte teilweise fast 80 Prozent Ballbesitz und die ein oder andere Torchance war auch dabei. Allein: Nur für schönen Fußball bekommt man keine Punkte. Wenn der Gegner die zwei Chancen, die sich ihm bieten, nutzt, heißt der Sieger am Ende eben nicht 1. FC Nürnberg. Eintracht Braunschweig konnte das Lied vor zwei Wochen auch singen.
Und spätestens an dieser Stelle muss man sich als Clubfan dann vielleicht in der Tat die Frage stellen: Was ist mir lieber? Eine Mannschaft, die schönen Fußball spielt, am Ende aber mit leeren Händen dasteht? Oder eine Mannschaft, die grottig kickt, einem den letzten Nerv raubt, nach neunzig Minuten jedoch als Sieger den Platz verlässt? Nun, wahrscheinlich heißt die Antwort: Ich will eine Mannschaft, die schönen Fußball spielt und am Ende trotzdem (oder gerade deshalb) einen Grund zum Feiern liefert!
Gertjan Verbeek jedenfalls würde dies sofort unterschreiben und daran arbeitet er mit seinem Team. Dass es bei einer solchen Arbeit Rückschläge gibt, muss Jedem, der sich auch nur halbwegs mit Fußball auskennt, klar sein. Das liegt allein schon in der Tatsache begründet, dass da auf dem grünen Rasen eben zwei Mannschaften stehen, die nur deshalb gegeneinander antreten, weil jeder nach 90 Minuten das bessere Ende für sich haben will. Und am Samstag waren es eben leider die Bremer, die in Hinsicht auf das bessere Ende den besseren Plan ausgearbeitet hatten.
Natürlich kann man jetzt hingehen und sich fragen, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn Hiroshi Kiyotake in der 12. Minute den Ball aus wenigen Metern im leeren Bremer Tor untergebracht hätte. Oder was passiert wäre, wenn auch nur einer der unzähligen Nürnberger Angriffe nach dem Seitenwechsel den gewünschten Erfolg gebracht hätte und zum Ausgleich geführt hätte. Ist aber alles nicht und so stand es nach 39 Minuten plötzlich 0:1. Aaron Hunt konnte nämlich unbehelligt durch die Nürnberger Hälfte spazieren, zog aus 25 Metern einfach mal ab und hämmerte seinen Schuss ans Lattenkreuz. Den Abpraller verwandelte der gedankenschnelle Franco di Santo zur Führung für die Gäste.
Umso schlimmer, dass sich in Hälfte zwei dann fast ein identisches Bild bot. Der Club ließ Ball und Gegner laufen, kam jedoch kaum zu Torchancen und musste letztlich beim ersten, vielversprechenden Gegenangriff der Gäste gleich die Vorentscheidung hinnehmen. José Campana, der am Samstag sein Startelf-Debüt im FCN-Trikot feierte und zumindest offensiv durchaus Akzente setzen konnte, leistete sich in der eigenen Hälfte einen folgenschweren Fehlpass. Philipp Bargfrede schnappte sich in der 68. Minute das Leder, zog aus rund 20 Metern ab und hatte dabei noch Glück, dass Javier Pinola den Ball leicht abfälschte. Patrick Rakovsky, der in der Halbzeit für den angeschlagenen Raphael Schäfer gekommen war, hatte jedenfalls keine Chance, den Flachschuss ins Eck abzuwehren. Es stand 2:0 für Bremen, der Drops war gelutscht und wäre für den Club beinahe noch bitterer geworden. In der 75. Minute zeigte Schiedsrichter Manuel Gräfe nämlich nach einem Zweikampf zwischen Pinola und Hunt plötzlich auf den Elfmeterpunkt im Nürnberger Strafraum. Es folgte jedoch eine Geste mit Seltenheitswert: Aaron Hunt ging zum Schiedsrichter und schilderte ihm, dass kein strafstoßwürdiges Foul geschehen sei. Also nahm der Unparteiische seine Entscheidung zurück und setzte das Spiel mit einem Schiedsrichterball fort. Und auch, wenn man einschränkend vielleicht anmerken möchte, dass Aaron Hunt bei einem knapperen Spielstand wahrscheinlich anders reagiert hätte, gebührt dem Bremer Spieler hier ohne Wenn und Aber Respekt. Schließlich hat man beim Club ja auch schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen und wenn es am Ende der Saison dann vielleicht ums Torverhältnis geht und der Club bleibt Bundesligist, weil er ein Gegentor weniger hat als das Team auf Platz 16, wird man Aaron Hunt in Nürnberg vielleicht sogar noch ein Denkmal setzen.
Aber malen wir die Situation beim Club nicht schwärzer als sie ist. Durch die vier Siege zu Beginn der Rückrunde hat sich die Mannschaft von Gertjan Verbeek den Luxus erkämpft, auch mal eine vielleicht nicht ganz einkalkulierte Niederlage einstecken zu können, ohne gleich wieder auf einen Abstiegsplatz zu rutschen. Und sein wir ehrlich: Schaut man sich den Saisonverlauf der letzten Spielzeiten beim FCN mal etwas genauer an, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass es noch nie Sache des 1. FC Nürnberg war, Big Points dann zu machen, wenn sie Luft nach unten verschaffen. Der 1. FC Nürnberg macht seine Big Points, wenn er sie dringend braucht, weil er mit dem Rücken zur Wand steht. Alles andere wäre ja auch langweilig. Was will man denn mit einer Saison, in der schon Ende März feststeht, dass man mit Abstieg nichts mehr zu tun hat?
Nein, beim 1. FC Nürnberg braucht man einen Schuss vor den Bug, um erfolgreich zurückzuschlagen. Diesen Schuss hat man mit einer unnötigen Niederlage gegen Werder Bremen nun bekommen. Man hat gesehen, von wo der Einschlag kommt und weiß, in welche Richtung man zurückschießen muss. Das Abstiegsgespenst hat den Club noch nicht von seiner Liste gestrichen und wer weiß, was passiert wäre, hätte man das Spiel gegen Bremen gewonnen. Man wäre vielleicht genau dieser Annahme gewesen – nämlich dass das Abstiegsgespenst sein Augenmerk auf andere Vereine gerichtet hat. Und so ärgerlich und – sagen wir es ruhig – Scheiße jede einzelne Club-Niederlage auch ist, dieses 0:2 war vielleicht genau der Schuss vor den Bug, den die Spieler gebraucht haben, um zu merken, dass das Gespenst ihnen noch immer im Nacken sitzt.
Nächstes Wochenende hat man nun jedoch die tolle Möglichkeit, dem Geist mit dem Bettlaken zu zeigen, dass sich der HSV auf der Liste der hochgradig gefährdeten Mannschaften viel besser macht als der Glubb. Und sehen wir es doch mal so: 12 Punkte aus den nächsten vier Partien, wären nun auch nicht so schlecht.