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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 22. Spieltag
[Samstag, 22.02.2014] 1.FC Nürnberg – Eintracht Braunschweig 2:1 (0:1)

Was war denn bitte schön das für ein Fußballspiel? Wer in aller Welt hat so ein starkes Nervenkostüm, um so etwas unbeschadet zu überstehen? Und nein: Spätestens seit diesem Samstag um 17.20 Uhr gibt es auf dieser Welt keinen Clubfan mehr, der diese Liebe auch nur für den Bruchteil einer Sekunde bereut.
Der Club gewinnt gegen Eintracht Braunschweig nicht nur sein viertes von fünf Rückrundenspielen, sondern auch eine denkwürdige Partie. Drei gehaltene Elfmeter – das gab es noch nie in der Fußball-Bundesliga! Dazu zwei Tore innerhalb der ersten 120 Sekunden der zweiten Halbzeit – und das in Unterzahl! Was der 1. FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig am Samstag den 36.657 Zuschauern im Max-Morlock-Stadion geboten haben, war allerbeste Unterhaltung und Werbung für den Fußball.
Dabei begann das Spiel alles andere als gut für den später siegreichen FCN. Eintracht Braunschweig spielte im Max-Morlock-Stadion keineswegs wie ein Absteiger auf, sondern war von Beginn an um Spielkontrolle bemüht. Die Mannschaft von Torsten Lieberknecht attackierte früh in der gegnerischen Hälfte und das schmeckte dem Club so gar nicht. Man merkte den Gästen an, dass der Sieg gegen Hamburger SV vor Wochenfrist für einen ordentlichen Schub Selbstbewusstsein gesorgt hatte und so fanden die Gastgeber in der ersten Halbzeit fast gar nicht statt. Lediglich ein Schuss von Hiroshi Kiyotake in der 24. Minute hatte für so etwas wie Gefahr gesorgt, doch Eintracht-Keeper Marjan Petkovic, der den verletzten Stammkeeper Daniel Davari vertrat, war schnell genug in die kurze Ecke abgetaucht und konnte zu einer Ecke klären, die nichts einbrachte.
Auf der anderen Seite hatte Raphael Schäfer schon deutlich mehr zu tun. Vor allem Domi Kumbela tauchte immer wieder in aussichtsreicher Position vor dem Clubtor auf, hatte im Abschluss jedoch Pech und scheiterte stets knapp. Als in der 32. Minute der Nürnberger Schwede Per Nilsson mit dem Braunschweiger Norweger Havard Nielsen in einem Laufduell in Richtung Nürnberger Tor aneinander gerieten und der Norweger schließlich fiel, schien das Unheil für den FCN seinen Lauf zu nehmen. Schiedsrichter Daniel Siebert aus Berlin zögerte jedenfalls keine Sekunde und zeigte dem Nürnberger Innenverteidiger wegen einer Notbremse die rote Karte. Club-Trainer Gertjan Verbeek reagierte umgehend und brachte Ondrej Petrak für Timo Gebhart, konnte das 0:1 jedoch trotzdem nicht verhindern. Nach einer Ecke stand Kumbela mutterseelenallein im Nürnberger Fünf-Meter-Raum und da auch Raphael Schäfer wie angewurzelt auf der Torlinie stehen blieb, konnte der nur 1,73 Meter große Deutsch-Kongolese problemlos zur Braunschweiger Führung einköpfen. Die Nürnberger Hintermannschaft glich in dieser Phase das Spiels einem Hühnerhaufen und wer gehofft hatte, sich mit dem knappen Rückstand in die Pause retten zu können, bekam in der 41. Minute einen ordentlichen Dämpfer. Nach einer verunglückten Rückgabe von Mike Frantz kam Schäfer gegen Kumbela einen Schritt zu spät und holte den Stürmer von den Beinen. Schiedsrichter Siebert entschied folgerichtig auf Elfmeter.
Der Gefoulte trat selbst an, doch Schäfer ahnte die Ecke und konnte den schlecht platzierten Strafstoß ohne Mühe parieren. Und so ging es dann eben doch mit dem knappen Rückstand in die Halbzeitpause. Ein Rückstand, der in der zweiten Hälfte nur ganze 11 Sekunden Bestand hatte. Ein langer Ball auf den für Adam Hlousek zur Pause eingewechselten Tomas Pekhart, der legt per Kopf auf Josip Drmic weiter und dieser schickt Kiyotake. Der Japaner nimmt sich auf der zweiten Reihe ein Herz und ohne, dass auch nur ein Braunschweiger in der zweiten Halbzeit am Ball gewesen ist, stand es ruckzuck 1:1.
Damit jedoch nicht genug. Keine 120 Sekunden waren gespielt, da tauchte Tomas Pekhart mit dem Ball am Fuß plötzlich völlig frei auf halbrechter Position vor dem Eintracht-Tor auf. Ein trockener Schuss aus 15 Metern und der Wahnsinn hieß: 2:1 für den 1. FC Nürnberg. Das Spiel in Unterzahl binnen kürzester Zeit gedreht – die Moral in der Mannschaft stimmt.
Doch natürlich war das knappe 2:1 alles andere als eine sichere Führung. Braunschweig schüttelte sich ein paar Minuten und blies dann zum Sturm auf den Ausgleich. In der 52. und 54. Minute musste Schäfer zwei Mal in höchster Not retten. Benjamin Kessel und Jan Hochscheidt hatten sich am 2:2 versucht. In der 62. Minute köpfte Nielsen knapp über das Nürnberger Tor und als der Norweger nur eine Minute später im Zweikampf mit Javier Pinola im Nürnberger Strafraum zu Boden ging, glaubten die Clubfans ihren Ohren nicht zu trauen… da war doch schon wieder ein Pfiff und wieder zeigte Schiedsrichter Siebert auf den ominösen Punkt. Dieses Mal trat Ermin Bicakcic an, doch machte er es auch nicht besser als Kumbela in Durchgang eins. Schäfer parierte erneut und sicherte die knappe Führung.
Fünf Minuten später dann die Chance auf der anderen Seite, alles klar zu machen. Der Leidtragende war dieses Mal Tomas Pekhart gewesen und Schiedsrichter Siebert hatte, was die Vergabe von Strafstößen anging, an diesem Samstagnachmittag offensichtlich die Spendierhosen an. Dritter Elfer im Spiel, Kiyotake tritt an, kann in der 68. Minute für eine Vorentscheidung sorgen – und scheitert!
Der Nervenkrieg ging also weiter und auch, wenn die Gästen mit zunehmender Spieldauer auch zunehmend die Genauigkeit im Abschluss fehlte, hieß es in der 84. Minute noch einmal tief durchatmen, als Martin Angha eine Direktabnahme von Orhan Ademi in letzter Sekunde blocken konnte. Und auch in der 87. Minute konnte man als Clubfan einfach nur froh sein, dass Kessel am Elfmeterpunkt den Ball nicht richtig traf.
Doch wie heißt es schön? Ende gut, alles gut! Die drei Punkte blieben in Nürnberg und auch, wenn Gertjan Verbeek aufgrund der schlechten Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit am Ende zurecht Mühe hatte, „erfreut zu sein“, ist der Unterschied zur Hinrunde beim 1. FC Nürnberg gerade in diesem Spiel mal wieder mehr als offensichtlich geworden. Hätte man im Jahr 2013 mit Sicherheit den Ausgleich (und vielleicht mehr) noch kassiert, schafft es die Mannschaft im Jahr 2014 über den Kampf auch knappe Ergebnisse zu halten. Der Lohn ist nach dem 22. Spieltag Platz 12 im Gesamtklassement und vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Mit Sicherheit kein Ruhepolster, auf dem man sich ausruhen kann, doch eben immerhin ein Polster. Ein Polster, dass Spiele wie das am kommenden Wochenende in Dortmund vielleicht mit der kleinen Portion mehr Ruhe angehen lässt, die man mitunter braucht, um auch bei der angeschlagenen Biene Maja zumindest einen Teilerfolg zu feiern. Vorsicht ist nach der Dortmunder Pleite beim HSV an diesem Wochenende allemal geboten. Eine gereizte Biene sticht schließlich gerne mal zu und mit einer Leistung wie in der ersten Halbzeit gegen Braunschweig liegt man gegen Borussia Dortmund zur Pause mit Sicherheit höher zurück als nur 0:1.