Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 20. Spieltag
[Samstag, 08.02.2014] 1.FC Nürnberg – Bayern München 0:2 (0:1)

Seien wir an dieser Stelle doch mal ehrlich: So macht das doch keinen Spaß mehr! Sportlicher Erfolg in allen Ehren, auch das Streben nach Titeln und Dominanz, doch das, was die Zuschauer mittlerweile jedes Wochenende geboten bekommen, wenn der FC Bayern München auf dem grünen Rasen steht, ist an Langeweile nicht mehr zu überbieten. Die Großkopferten aus der Landeshauptstadt sind drauf und dran, das zu zerstören, was die Massen an jedem Spieltag in die Stadien treibt: Die Hoffnung auf interessanten, spannenden Fußball.
Das, was den Autor dieser Zeilen trotz aller Rückschläge und Niederlagen des Clubs zu jedem Spiel wieder vor den Fernseher oder ins Stadion bringt, ist die Ungewissheit des Endergebnisses, die Suche nach Spektakel, Szenen, über die man sich den Rest der Woche unterhalten kann, die man diskutieren kann, über die man sich streiten kann und von denen man weiß, dass das Pendel des Erfolgs schon am nächsten Wochenende wieder in die andere Richtung ausschlagen kann. Ein weiser Mann hat einmal gesagt, dass der Fußball gerade deshalb so beliebt ist, weil man vorher nie weiß, wie es am Ende ausgeht.
Nun, bei Spielen der Bayern auf nationaler Ebene weiß man es inzwischen. Und genau deshalb sind die gähnend langweilig. Wenn selbst eine kämpferische und spielerische Top-Leistung des Gegners am Ende nicht mehr reicht, um auch nur den Hauch einer Chance auf Zählbares zu haben, greifen irgendwann die Gesetze des Bolzplatzes unserer Jugend wieder: Mit dem will doch keiner mehr spielen! Ein emotionsloses Pflichtprogramm will niemand sehen. Nicht umsonst liegt Schach in der Zuschauergunst meilenweit hinter dem Fußball.
Den Erfolgsfans der Bayern mag all dies egal sein, doch schließlich sind sie nicht umsonst Bayernfans und werden es erst merken, wenn sie irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft schweigend und allein im Stadion stehen. Der FC Bayern München macht sich selbst zur grauen Maus der Liga. Noch 50 Siege und kein Mensch wird samstags mehr fragen: „Wie haben denn die Bayern gespielt?“ Die Antwort „gewonnen“ wird die Leute genauso wenig interessieren wie das Ergebnis des VfL Bochum.
Also, Ihr Bauern, werdet glücklich in Eurer arroganten, großkopferten Trutzburg und schaut Euch das Geschehen, das die Menschen wirklich interessiert ruhig von der Tabellenspitze an: Der Kampf um die Vizemeisterschaft, der Kampf gegen den Abstieg ist sowieso viel spannender. Als Clubfan hat man wenigstens noch einen Grund, mit seiner Mannschaft zu fiebern! Und dieses Fiebern wird weitergehen. Geschissen auf das Spiel von heute, entscheidend sind die Duelle gegen Gegner auf Augenhöhe (oder hoffentlich knapp darunter) – wie in den kommenden zwei Wochen in Augsburg und gegen Braunschweig. Solche Spiele müssen gewonnen werden! Spiele, in denen man eine Chance auf Erfolg hat. Spiele, die so ganz anders sind, weil sie emotional sind, weil gekämpft wird und in denen ein Zweikampf nicht gleich als Majestätsbeleidigung beweint wird.
Freuen wir uns als Clubfans also, dass wir die Bayern in dieser Saison hinter uns haben. Jetzt ist wieder Zeit für echten Fußball! Fußball, der in den nächsten Wochen leider ohne Daniel Ginczek und Timothy Chandler stattfinden wird. Die Beiden zogen sich im Spiel am Samstag schwere Knieverletzungen zu. Während Timothy Chandler mit einem Außenmeniskusriss im linken Knie rund acht bis zehn Wochen wird pausieren müssen, ist die Saison für Daniel Ginczek bereits beendet. Der Stürmer erlitt einen Kreuzbandriss und muss nun mit rund sechs Monaten Pause rechnen. Den Beiden an dieser Stelle die besten Genesungswünsche.
Alles in allem also ein Samstag zum Vergessen für den 1. FC Nürnberg. Die Einstellung stimmte, der Wille war auch da, die Chance zur 1:0-Führung auch mehr als einmal und unterm Strich bleibt der starke Eindruck, dass Gertjan Verbeek und sein Team zur Zeit Vieles richtig machen. Da geht es dann auch mal einfacher, hinter ein solches Spiel einen Haken zu machen. Erste Niederlage im Kalenderjahr 2014 gegen… ja, gegen wen eigentlich?