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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 19. Spieltag
[Sonntag, 02.02.2014] Hertha BSC Berlin – 1.FC Nürnberg 1:3 (1:1)

Kaum zu glauben, aber wahr oder einfach nur der Hammer? Der Club setzt zu einem wahren Siegeszug in der Rückrunde an und gewinnt auch das zweite Pflichtspiel des Jahres 2014. Auf den Punkt gebracht: Maximale Ausbeute im neuen Jahr und erstmals seit dem siebten Spieltag die Abstiegsränge wieder verlassen! In einem vor allem zum Ende hin sehr turbulenten Spiel behielten die Männer in rot-schwarz einen kühlen Kopf und zeigten, dass das Attribut „Abstiegskandidat“ momentan definitiv anderen Mannschaften in der Bundesliga gebührt. Und wie schon nach dem Auftaktspiel gegen Hoffenheim gibt es vor allem einen Indikator dafür, dass die Rückrunde beim Club sehr viel besser laufen wird als die ersten 17 Spiele der Saison: Das Glück ist zurück! Das Glück, das Du im Fußball manchmal eben einfach brauchst… Das Glück, das man sich erarbeiten muss!
Und gearbeitet haben die Clubspieler an diesem Sonntagnachmittag im Berliner Olympiastadion mit Sicherheit. Vielleicht nicht gleich von Anfang an mit vollem Erfolg, so doch konsequent und auf lange Sicht und am Ende eben auch durch den Erfolg belohnt! In klaren Worten: Man konnte sich schon für ein paar Momente fragen, ob das aus dem Hoffenheim-Spiel mitgebrachte Selbstbewusstsein nach dem frühen Gegentor durch Sergio Ramos nun schon wieder am Boden liegt… Der Hertha-Stürmer hatte bereits nach drei Minuten und fünfzehn Sekunden Grund zum Jubeln, als er nach einer Ecke per Kopf traf. Die Betonung liegt jedoch auf den Worten „für ein paar Momente“, denn auch, wenn die aus der Not geborene und neu formierte Innenverteidigung mit Javer Pinola und Ondrej Petrak zu Beginn des Spiels mehr als einmal ins Schwimmen geriet und die Hertha-Angreifer zum Teil schalten und walten durften, wie es ihnen gefiel, so hatte man doch stets auch den Eindruck: Lass den Jungs von Gertjan Verbeek mal noch ein bisschen Zeit, sich zu finden und sich das 0:1 aus den Klamotten zu schütteln und der Rest wird dann schon.
Wurde es ja schließlich auch: Hertha-Verteidiger Johannes van den Bergh klärte einen langen Ball von Hiroshi Kiyotake genau vor die Füsse von Markus Feulner. Dieser erkannte die Situation goldrichtig, ging mit dem Ball ein paar Meter und zog dann aus etwa 16 Metern einfach mal ab. Trocken und präzise landete das Spielgerät in der 20. Minute im linken unteren Eck des Hertha-Tores. Der Ausgleich war geschafft und die Gäste aus Franken erarbeiteten sich nun zunehmend auch eine optische Überlegenheit. Timothy Chandler hatte in der 26. Minute die beste Möglichkeit, den Club in Führung zu bringen.
Auf der anderen Seite hätte sich der FCN jedoch auch nicht beschweren dürfen, wenn er trotz besser werdendem Spiel mit einem Rückstand in die Halbzeit gegangen wäre. Sergio Ramos stand nach einem mustergültigen Konter der Berliner völlig frei vor FCN-Keeper Raphael Schäfer, verzog jedoch in der 35. Minute klar. Nur zwei Minuten später musste Javier Pinola einen Schuss von Marcel Ndjeng auf der Linie klären.
Nach dem Seitenwechsel ging es auf beiden Seite zunächst mit unverändertem Personal weiter – das Niveau der Partie war jedoch offensichtlich in der Kabine geblieben. Die beiden Mannschaften bekämpften sich auf Augenhöhe und da auch der Club seine Defensive inzwischen in den Griff bekommen hatte, gab es hüben wie drüben kaum noch Torraumszenen – zumindest bis Josip Drmic in der 68. Minute plötzlich den Turbo einschaltete und auf Daniel Ginczek passte. Dieser zog aus halbrechter Position einfach mal ab und klatschte den Ball an den langen Pfosten. Drmic indes war mit gelaufen und stand nun genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Der Schweizer verwandelte den Abpraller und stürzte die Gastgeber in ein Dilemma: Es drohte die zweite Niederlage im Kalenderjahr und auch, wenn Hertha sich durchaus redlich bemühte, wirklich Zwingendes sprang lange Zeit nicht dabei heraus. Zumindest bis zur 88. Minute als der Ball plötzlich im Nürnberger Tornetz zappelte und Schiedsrichter Weiner noch dazu eine rote Karte in den Berliner Himmel reckte. Raphael Schäfer war zunächst aus seinem Kasten geeilt, um einen langen Ball zu entschärfen, diesen jedoch direkt vor die Füße von Ronny geklärt. Der Brasilianer versuchte, den Ball mit einer Bogenlampe im Nürnberger Tor unterzubringen, doch Petrak klärte auf der Linie mit der Hand. Schiedsrichter Weiner entschied auf rote Karte für Petrak und wurde dann jedoch offensichtlich von seinem Linienrichter angefunkt. Dieser hatte zuvor eine Abseitsstellung von Ramos gesehen, so dass der Schiedsrichter letztlich die rote Karte zurücknahm und statt auf Elfmeter für Hertha zu entscheiden, das Spiel mit einem indirekten Freistoß für Nürnberg wegen Abseits fortsetzen ließ.
Und natürlich kochten die Diskussionen über die Situation nach der Partie hoch. Je nachdem, für welchen Verein das Herz schlug, wurde die Situation mal so und mal so bewertet. Und selbst in den Medien bewertete man unterschiedlich: Während die BILD-Zeitung z.B. von der Richtigkeit der Entscheidung schrieb, hatte der kicker von einer Fehlentscheidung gesprochen. Diskussionen also, die letztlich zu nichts führen und selbst wenn der DFB nun inzwischen seinen eigenen Schiedsrichter für die Fehlentscheidung rügt: DER DISORDER stellt sich jetzt mal ganz klar als Turm in die Schlacht und sagt, dass die Entscheidung richtig war. Allein schon, weil der Club in dieser Saison schon genug Elend über sich ergehen lassen musste! Und nein, im wahren Leben sollte man Unrecht auf gar keinen Fall mit Unrecht wieder gut machen, aber Fußball ist eben auch Fußball und diese Artikel entstehen mit Sicherheit nicht, weil ich dem ganzen Spektakel neutral gegenüberstehe. Ich fiebere mit dem Club mit, ich schreie für ihn, stehe in der Kurve, um ihn zu unterstützen und sorry an den Rest der Welt: Wenn eine Entscheidung für den Glubb fällt, dann freue ich mich! Egal, ob es sich am Ende um eine Fehlentscheidung handelt oder nicht. Und genauso werde ich mich auch wieder aufregen, wenn eine Entscheidung gegen den Club fällt. Das macht für mich die Faszination des Fußballs aus: heute Du, morgen ich – und/oder umgekehrt. Und alles Hätte-Wäre-Wenn: so ein Elfmeter, den die Hertha dann evtl. bekommen hätte, muss auch erst einmal verwandelt werden. Und hätte es denn dann 2:2 gestanden, wäre die Diskussion beim Elfmeter in der Nachspielzeit losgegangen und es wären mit Sicherheit auch hier nicht wenige Herthaner zu finden gewesen, die dann plötzlich geschrien hätten: Das war nie und nimmer ein Elfmeter.
So aber interessiert es irgendwie keine Sau. Es gab den Elfmeter, Drmic lief an, verwandelte: 3:1 für den Club! Alles bestens! Ruhe im Karton! Nächste Woche die Bauern schlagen!!!