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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 11. Spieltag
[Samstag, 02.11.2013] 1.FC Nürnberg – SC Freiburg 0:3 (0:0)

Über 48 Stunden sind seit dem Abpfiff im Max-Morlock-Stadion nun vergangen und der Stachel sitzt noch immer tief. Der späte Zeitpunkt des Clubspielkommentars ist also keineswegs etwa der Faulheit des Autors dieser Zeilen zuzuschreiben, sondern ganz einfach der noch immer herrschenden Fassungslosigkeit. Fragen wie „Warum ausgerechnet immer gegen Freiburg?“ oder weiter gefasst „Kann es so etwas wie einen Angstgegner bei der heute üblichen Personalrotation im Profi-Fußball überhaupt noch geben?“ sollen auf der Suche nach Antworten an dieser Stelle einmal bewusst außen vor bleiben. Vielmehr gilt es vor allem eine Frage zu beantworten: Wie in aller Welt kann man ein solches Fußballspiel überhaupt verlieren?
Da treffen im Max-Morlock-Stadion die beiden einzig noch sieglosen Profimannschaften der Saison 2013/2014 aufeinander, da findet der Club nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser ins Spiel, macht durch Manuel Pogatetz in der 28. Minute sogar das vermeintliche Führungstor, das sich nur deshalb nicht als solches verewigen lässt. weil Schiedsrichter Manuel Gräfe dem Treffer die Anerkennung verweigert, da kommt der Club klar besser aus der Kabine, hat zwischen der 50. und 65. Minute gleich mehrere Großchancen, lässt nach hinten gegen harmlos und verunsichert wirkende Freiburger kaum bis gar nichts zu und liegt dann in der 57. Minute plötzlich doch 0:1 hinten, schenkt das Spiel am Ende schließlich nicht nur fast widerstandslos ab, obwohl man die letzten 21 Minuten nach gelb-roter Karte für Oliver Sorg in Überzahl bestreiten darf und kassiert mit elf gegen zehn sogar noch zwei Gegentore.
Die traurigen Details sparen wir uns an dieser Stelle, steht doch fest, dass die Aufbruchsstimmung, die durch den Trainerwechsel in Nürnberg geherrscht haben mag, spätestens mit dem Abpfiff am Samstag nun schon wieder Geschichte ist. Auf die Verantwortlichen beim 1. FC Nürnberg wartet nun der härtere Teil ihrer Arbeit. Dachte man nach der 0:5-Klatsche gegen den Hamburger SV den Tiefpunkt erreicht zu haben, auf den es durch personelle Maßnahmen zu reagieren gilt, muss man sich nun eingestehen, dass das Problem nicht allein im Trainerteam um Michael Wiesinger zu suchen war.
Gleichzeitig hat man nun jedoch das Problem, dass die Mannschaft gegen Freiburg eigentlich eines der besseren Spiele der Saison abgeliefert hat, dass man sich Chancen erarbeitet hat zu einem Zeitpunkt, als man ausnahmsweise noch nicht in Rückstand lag und dass die brutale Realität im Fußball nun mal doch so aussieht, dass am Ende allein das Ergebnis zählt. Gertjan Verbeek hat nun die mit Sicherheit nicht einfache Aufgabe, eine Mannschaft, die er kaum kennt, aufbauen zu müssen, obwohl man ihr außer einer mangelhaften Chancenauswertung am Samstag kaum einen Vorwurf machen konnte.
Wie kritisch die Situation beim Club inzwischen ist, zeigte sich nach dem Spiel nicht nur an der Tatsache, dass man den Sturz auf den letzten Tabellenplatz nur noch aufgrund des besseren Torverhältnisses verhindern konnte (und das will bei 0:8 Toren aus den letzten beiden Heimspielen schon was heißen), sondern auch daran, dass die Mannschaft sich genötigt sah, sich nach dem Abpfiff noch der Nordkurve zu stellen. Das mag auf der einen Seite ehrenwert sein, auf der anderen Seite muss die Frage erlaubt sein: Hat eigentlich wirklich irgendjemand daran geglaubt, dass es in der emotional aufgeladenen Atmosphäre so kurz nach Abpfiff zu konstruktiven Gesprächen kommt? Bei aller Verständlichkeit, dass man von Seiten der Verantwortlichen möglichst schnell um Unterstützung bei den Fans werben wollte. die Art und Weise, wie das Ganze dann über die Bühne ging – und das zeigen vor allem die erneut aufgekommenen Diskussionen um das Verhalten von Raphael Schäfer – war in höchstem Maße unprofessionell.
Fans und Anhänger sind in höchstem Maße emotional – das macht sie aus und erklärt auch die ein oder andere unbedachte Tat (oder in diesem Falle Forderung). Die Verantwortlichen eines Vereins jedoch schreiben sich selbst ein hohes Maß an Professionalität auf die Fahnen – und müssen sich dem Vorwurf nun stellen, nicht nur in der Vergangenheit den ein oder anderen Fehler begangen zu haben, sondern auch am Samstag blind in die Falle des Aktionismus getappt zu sein. Das ist ärgerlich und man kann zum Wohle des Clubs nur hoffen, dass Martin Bader und Co. nun so schnell wie möglich die Kurve wieder kriegen und sich in der Tat auf das konzentrieren, wofür sie bezahlt werden: Für professionelle Arbeit im Dienste des Clubs.
Den Fans, die nicht allein durch ihre Eintrittsgelder für diese professionelle Arbeit bezahlen, sei an dieser Stelle vor allem eins gewünscht: Durchhaltevermögen in der bedingungslosen Unterstützung des Clubs. Die Beispiele der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass Drohgebärden und Aufkündigung des Supports nichts bis überhaupt nichts bewirken, sondern im Gegenteil: Die Mannschaft nur weiter verunsichern. Weder die Hertha, noch Köln oder Frankfurt konnten in den Jahren, in denen ihre Fans den Support verweigerten, am Ende die Klasse halten. Kehrtwenden zum Guten gab es in den letzten Jahren stets nur dort, wo es ruhig geblieben ist, wo die Mannschaft sich des Supports sicher sein konnte und die Verantwortlichen sich – statt im übertragenen Sinne in der Kurve stehen zu müssen – darauf konzentrieren konnten, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Gerade unser Gegner vom letzten Samstag ist da durchaus ein Beispiel – so schmerzhaft es im Moment auch sein mag.
Bei allem Respekt – und die, die den Autor dieser Zeilen persönlich kennen, wissen um diesen Respekt – für die in vielen Bereichen gute Arbeit der Ultras – wer an dieser Stelle überlegt, der Mannschaft den Support zu verweigern und sich zusätzlich noch einzelne Spieler aus der Mannschaft zieht, um sie trotz größtenteils guter Leistung aus persönlichen Antipathien in den Fokus der Kritik zu stellen, der hat das Prinzip des Sports nicht verstanden. In der Bundesliga spielen 18 Mannschaften und lässt man die Ziele der Meisterschaft und des internationalen Geschäfts einmal außen vor, treibt diese Mannschaften vor allem ein Grundgedanke voran: Im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Das Prinzip des Sports ist es dabei, besser zu sein als der Andere und dafür so manch Entbehrung und so manche Anstrengung in Kauf zu nehmen – ohne jede Garantie, dass sich das am Ende auszahlt. Komme mir also nun niemand mit dem Argument: Ich bin jedes Wochenende dabei und gebe jede Menge Geld für meinen Club aus – also habe ich auch das Recht darauf, zu meckern. Dieses Argument zieht nicht. Das Geld, dass man für die Eintrittskarte ausgibt, bezahlt man für den sportlichen Wettkampf. Eine Garantie für den Ausgang dieses sportlichen Wettkampfes würde diesen als solchen ad absurdum führen.
Wer also mit der Leistung des eigenen Teams nicht zufrieden ist, für den gibt es ganz genau zwei Alternativen: Entweder man peitscht das Team nach vorne und hofft so, die ein bis zwei Prozent aus der Mannschaft herauskitzeln zu können, die auf dem grünen Rasen sonst mitunter fehlen (und natürlich hat man dann nach dem Spiel das Recht, sich im Freundeskreis oder am Stammtisch stundenlang darüber aufzuregen, wenn es trotzdem nicht gereicht hat) – oder aber, die andere Alternative: Man bleibt zu Hause! Das mag unbefriedigend sein, doch letztlich hilft es der Mannschaft, dem geliebten Club, immer noch mehr als ein kontraproduktives Pfeifkonzert.
Die Fans des 1. FC Nürnberg haben in den letzten Jahren mehr als einmal bewiesen, dass sie zu den besten und vor allem lautstärksten in Deutschland gehören. Sie haben – gerade auch in den ersten Spielen dieser bisher so vermaledeiten Saison – bewiesen, dass es der Mannschaft hilft, wenn man trotz aller Widrigkeiten an sie glaubt. Geben wir das jetzt nicht auf! Fangen wir jetzt bloß nicht an, uns gegenseitig zu zerfleischen! Die anderen 17 Mannschaften der Bundesliga würden sich hämisch die Hände reiben – und sie würden sich tunlichst solche Fans wie der 1.FC Nürnberg wünschen, wenn wir alle da gemeinsam wieder raus kommen.
Denn: Eine Antwort auf die Frage, wie man ein solches Spiel wie das am Samstag verlieren kann, gibt es nicht – es sei denn, man akzeptiert die nüchterne Ansage: Das ist Sport! Eine Antwort, wie wir alle, die wir uns zum Club gehörig fühlen, da unten wieder rauskommen, die gibt es – und sie kann nur heißen: Gemeinsam!