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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 10. Spieltag
[Freitag, 25.10.2013] VfB Stuttgart – 1.FC Nürnberg 1:1 (1:1)

„Neue Besen kehren gut“ ist zum Glück ein altes Sprichwort, das seinen Einzug in die Sprachwelt hielt, lange bevor der Fußball die Menschen auf dieser Welt in emotionale Ekstase versetzt hat und das an dieser Stelle daher bedenkenlos verwendet werden kann, ohne dass die Rufe nach dem Phrasenschwein laut werden. Dass jedoch selbst der beste Besen seine Zeit braucht, bis er seine Arbeit zur Zufriedenheit aller verrichtet, hat man beim Clubspiel am Freitagabend in Stuttgart gesehen. Im Großen und Ganzen herrschte Ordnung, wie man sie nach einem Großreinemachen erwarten darf, doch längst war noch nicht alles Gold, was glänzte. Dennoch kann man mit dem Gesamtergebnis fürs Erste zufrieden sein. Der Club hat bewiesen, dass er mit einem Gastgeber, der bei der Frage nach den Abstiegskandidaten stets außen vor bleibt, mehr als mithalten kann und mit dem ein oder anderen Quäntchen mehr Glück, wäre an diesem ersten Spieltag unter dem neuen Trainer auch mehr drin gewesen, als das siebte Unentschieden der Saison.
Dabei verlief der Start in die Ära Verbeek (und dieser Vorgriff sei an dieser Stelle erlaubt, weil bewusst gewählt) alles andere als optimal. Beide Teams waren in der Mercedes-Benz-Arena noch dabei, sich zu sortieren, da zeigte Schiedsrichter Guido Winkmann schon auf den ominösen Punkt im Nürnberger Strafraum. Niklas Stark hatte sich bei einem Zweikampf mit Alexandru Maxim so verhalten, wie man es von einem Bundesliga-Profi mit gerade mal 13 Spielen in der höchsten Spielklasse durchaus erwarten darf bzw. muss: Unerfahren. Vedad Ibisevic jedenfalls war die Diskussion darüber, ob der Elfmeter berechtigt oder das Zweikampf-Verhalten von Stark einfach nur unglücklich war, ziemlich egal und so brachte er seine Mannschaft nach nicht einmal drei Minuten vom Elfmeterpunkt in Führung.
Doch der der Club der Saison 2013/2014 wäre nicht der Club der Saison 2013/2014, wenn er sich von einem solch frühen Rückstand zurückwerfen ließe. Die Antwort kam mehr oder weniger postwendend. Nach tollem Dribbling schickte Timothy Chandler auf der halbrechten Seite Josip Drmic in die Spitze und der Schweizer glich mit einem sehenswerten und spannenden Billardtor aus. Der Ball prallte in der sechsten Minute zunächst an den Innenpfosten im langen Eck, rollte dann auf der Linie entlang zum anderen Innenpfosten, wo vor er sich dann endlich den Weg über die Linie suchte.
Alles wieder ausgeglichen und so pendelte sich dann auch das Spiel ein. Der Club und der VfB neutralisierten sich auf durchaus ansehnlichem Niveau und standen vor allem in der Hintermannschaft sicher. Klare Torchancen ergaben sich daher allein aus individuellen Fehlern und waren eher selten. Und wenn beim Club in der Abwehr dann doch mal jemand schlief, war zumindest Raphael Schäfer hellwach. So auch in der 13. Minute, als er im 1:1-Duell gegen Martin Harnik die Nerven behielt und seine Mannschaft vor einem erneuten Rückstand bewahrte.
Der Club hingegen brauchte bis zur 40. Minute, um das nächste Ausrufezeichen zu setzen. Adam Hlousek zwang VfB-Keeper Sven Ulreich mit einem strammen Schuss zur Glanzparade. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war es dann erneut der Österreicher Harnik, der im Grunde das Tor hätte treffen müssen. Völlig frei vor dem Nürnberger Tor setzte der VfB-Spieler seinen Kopfball jedoch neben das Nürnberger Gehäuse.
In der zweiten Halbzeit hatte dann der erst unmittelbar zuvor eingewechselte und wieder genesene Daniel Ginczek die größte Chance des Durchgangs. Völlig frei scheiterte der Clubstürmer in der 71. Minute jedoch am herauseilenden Ulreich. Ginczeks fehlende Spielpraxis der vergangenen Wochen bewahrte die Schwaben vor dem zweiten Gegentreffer, denn noch am Anfang der Saison hätte 22-Jährige den Ball in solche aussichtsreicher Position mit größter Wahrscheinlichkeit versenkt. So aber zeigten sich beide Teams mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr mit der Punkteteilung zufrieden und Aufregung gab es erst in der Nachspielzeit noch einmal, als Emanuel Pogatetz im eigenen Strafraum entschieden klären musste.
Die Punkteteilung in Stuttgart bedeutete für den Club nunmehr bereits das siebte Unentschieden im zehnten Spiel der noch jungen Saison. Auf den ersten Dreier wartet man noch immer und wird diesen mit Sicherheit am kommenden Samstag im Heimspiel gegen Freiburg anvisieren. Eine Aufgabe, die einfacher sein könnte, tat sich der FCN gegen die Breisgauer doch vor allem im eigenen Stadion in den letzten Jahren immer schwer. Ohne Wenn und Aber muss am nächsten Wochenende jedoch endlich der erste Saisonsieg her – und das weiß auch der neue Besen… pardon… Trainer aus den Niederlanden. Mit Punkteteilungen allein kommt man aus dem Keller jedenfalls nicht heraus und schaut man sich die bisherigen Rekorde an, was die Unentschieden in einer Saison angeht, haben häufige Remis den Mannschaften nur selten etwas gebracht. Am Ende stand nicht selten der Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag – wenn nicht gar der Abstieg. Aus leidvoller Erfahrung müsste dies auch beim Club bekannt sein, steht man in der Rangliste mit den 16 Unentschieden der Saison 1998/1999 doch ziemlich weit oben (die komplette Rangliste steht übrigens unten auf der Startseite).
Legen wir also alle Statistik einfach mal zur Seite und hoffen wir, dass der neue Besen… pardon… Trainer in der nun kommenden Woche erst richtig Fahrt aufnimmt. An Selbstbewusstsein scheint es dem neuen Club-Trainer jedenfalls nicht zu mangeln, verglich sich Verbeek doch nach dem Spiel mit einem unbestritten Großen seiner Zunft: „Auch Guardiola hat bei Barcelona und Bayern lange gebraucht. Meine Ideen umzusetzen braucht Zeit.“