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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 9. Spieltag
[Samstag, 19.10.2013] Eintracht Frankfurt – 1.FC Nürnberg 1:1 (0:0)

Seien wir doch ehrlich: Wirklich groß ist die Hoffnung auf ein gutes Abschneiden des Clubs bei Eintracht Frankfurt nach dem Debakel gegen Hamburg und der darauffolgenden Trainerposse um Christian Gross, Marcel Koller und wie sie alle heißen mögen, nicht gewesen. Roger Prinzen in der Rolle des Interimscoaches, der über die Länderspielpause nur selten in voller Teamstärke trainieren konnte – wie in aller Welt sollte der Mann für den nötigen Ruck im Teamgefüge sorgen können? Wie sollte der arme Mann fehlendes Selbstbewusstsein wieder aufbauen, neue taktische Kniffe ausarbeiten oder schlichtweg für das Prozent mehr Leistungsbereitschaft sorgen, das in den ersten acht Spielen der Saison für den ersten Saisonsieg gefehlt hatte?
Wenn es an diesem Samstag in Frankfurt also einen Mann in der Commerzbankarena gab, der den 90 Minuten Bundesliga-Fußball relativ entspannt entgegensehen konnte, dann war es Roger Prinzen und mit ihm sein gesamtes Trainerteam. In der Pflicht stand um 15.30 Uhr ganz allein die Mannschaft! Die Mannschaft, die durch ihr Auseinanderfallen vor zwei Wochen für einen rabenschwarzen Sonntag gesorgt hatte. Die Mannschaft, die ganz offensichtlich immer erst dann anfing Fußball zu spielen, wenn sie in Form eines Gegentores einen Arschtritt verpasst bekommen hatte. Die Mannschaft, die irgendwann dazu übergegangen war, ihren Fans zu versichern, dass den vielen Worten nun endlich Taten folgen sollten, diese dann jedoch in allen erdenklichen Formen schuldig blieb. Die Mannschaft schließlich, die schlicht und ergreifend in dieser Saison noch nicht ein einziges Spiel gewonnen hat und den eigenen Ansprüchen nach einem knappen Drittel der Saison meilenweit hinterher hinkt.
Was also wollte man an diesem Samstag in Frankfurt erwarten? Und viel entscheidender: Was bekamen die Clubfans letztlich geboten?
Nun, sagen wir es doch wohlwollend: Wir bekamen ganz genau das, was wir erwarteten bzw. erwarten konnten.
Da war zunächst ein unsäglicher Grottenkick, an dessen Entstehung in erster Linie der Club die Verantwortung trug. Die große Überschrift hieß Schadensverhinderung. Bloß nicht wieder so einen auf den Sack bekommen wie an diesem schwarzen, vermaledeiten Sonntag gegen den Hamburger SV. Bloß nicht den Anschein erwecken, in Franken stünde die neue und bleibende Schießbude der Liga. Kurzum: Bloß kein Gegentor kassieren, bloß nicht in Rückstand geraten. Hinten sicher – vorne hilft der liebe Gott. Auf die Qualität eines Fußballspiels kann unter diesen Umständen nun wirklich keine Rücksicht genommen werden. Und man traut es sich kaum zu sagen: Recht hatten die Verantwortlichen. Was wäre denn passiert, wenn der Club ins offene Messer einer stürmischen Taktik gelaufen wäre? Wer außer der in Bochum kurz vor der Entlassung stehende Peter Neururer hätte sich denn nach einer erneuten Packung noch zugetraut, den Sauhaufen wieder zu einer funktionierenden Mannschaft zu formen?
Fragen, die sich letztlich nicht stellten, weil der Club an diesem Samstag zwar schlecht spielte – aber eben auch gut. Weil er sich auf das konzentrierte, was im momentanen Tohuwabohu der erfolglosen Trainersuche überhaupt möglich ist: Erst einmal das Spiel des Gegners zerstören und dann mal sehen, was geht. Und zumindest in der ersten Halbzeit hat dies auch wunderbar funktioniert. Der 1. FC Nürnberg hielt in Frankfurt in Durchgang eins ein nicht unverdientes 0:0-Unentschieden, ohne auch nur eine einzige Minute Fußball gespielt zu haben. Chancen auf beiden Seiten: Fehlanzeige. Frankfurt hatte zwar einen fast bayernesque anmutenden Ballbesitzanteil – wirklich etwas daraus gemacht haben die Gastgeber jedoch nicht. Um zu Zählbarem zu kommen, brauchte man in Frankfurt schon einen tiefschlafenden FCN, den der neunmalige deutsche Meister in der 50. Minute dann auch dankbar mimte. Einfaches Doppelpassspiel vor dem Nürnberger Strafraum, der Ball kommt zu Alex Meier und von dort zu Michal Kadlec. Der Tscheche lässt sich nicht zweimal bitten und schiebt frei stehend aus wenigen Metern zum 1:0 für Frankfurt ein.
Der Club lag also wieder einmal zurück – und schien damit endlich wieder im eigenen Element. Plötzlich gaben die Gäste Gas und wenn es so etwas wie ein weit sichtbares Symbol dieses Aufbruchs gab, dann war dies der Lattenknaller von Niklas Stark in der 60. Minute. Aus über 20 Metern nahm sich der Youngster ein Herz und beförderte die Lederkugel in leichter Kurve mit ordentlich Schmackes ans Frankurter Quergebälk. Dass es letztlich noch bis zur 86. Minute dauern sollte, ehe man als Clubfan endlich jubeln durfte, konnte zu diesem Zeitpunkt ja noch niemand ahnen. Bezeichnenderweise waren es dann zwei eingewechselte Spieler, die dem FCN letztlich zumindest noch einen Punkt retteten. Robert Mak passte steil auf Josip Drmic, der in den Strafraum eindrang, den herauseilenden Kevin Trapp umkurvte und schließlich aus spitzem Winkel ins leere Tor traf. Der Ausgleich war also mal wieder geschafft und bewies vor allem eins: Wenn der Club muss, kann er oft auch. Die Zeit drängte, eine weitere Pleite drohte und plötzlich zappelte der Ball im Tor der Gegner. Eine Antwort auf die Frage, warum es in dieser Saison mit dem Toreschießen immer erst dann klappt, wenn der Henker bereits beginnt, die Schlaufe zuzuziehen, wird wohl erst der neue Trainer geben können. Und egal, wer es letztlich ist: Hoffen wir, dass er die Antwort auf diese Frage möglichst schnell findet und die entsprechenden Ursachen dann ruckzuck abstellt. Immer nur reagieren macht auf die Dauer auch keinen Spaß und vor allem hält man die Klasse nur, wenn man irgendwann beginnt, selbst zu agieren. Wünschen wir Martin Bader in Sachen Trainersuche also ein glückliches Händchen in seinen weiteren Aktionen und hoffen wir inständig, dass es die Tage nun nicht irgendwann heißt: Nachdem wir feststellen mussten, dass der Club auch ohne Michael Wiesinger an der Seitenleite genauso gespielt hat, wie mit ihm, haben wir uns entschlossen, ihn als Interimstrainer zurückzuholen, bis Marcel Koller sich entschieden hat, ob er den Job in Nürnberg antreten will.