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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 7. Spieltag
[Sonntag, 29.09.2013] SV Werder Bremen – 1.FC Nürnberg 3:3 (2:1)

Wenn man der Club-Mannschaft der Saison 2013/2014 eines nicht vorwerfen kann, dann ist das mit Sicherheit fehlende Moral. Nach einem wahren Wechselbad der Gefühle und einem Ergebnis, das am Ende nicht so recht Fisch und nicht so recht Fleisch sein will, bleibt als einzig gesicherte Erkenntnis: Das Team von Michael Wiesinger lässt sich nicht so leicht unterkriegen.
Da könnte man nun also dahin gehen und sagen: Schön, dass das geklärt ist, doch viel wichtiger wäre doch die Antwort auf die Frage, warum die Elf offensichtlich jedes Mal erst einen Rückschlag braucht, ehe sie in vollem Umfang bereit ist, zu zeigen, was in ihr steckt. Davon, dass der Club in der letzten Woche gegen Borussia Dortmund ein mehr als achtbares Unentschieden geholt hat und mit entsprechendem Selbstbewusstsein an die Weser gefahren sein musste, merkte der geneigte Clubfan in der ersten halben Stunde des Sonntagsspiels jedenfalls mal rein gar nichts. Werder Bremen schien der Auswärtssieg beim Derby in Hamburg ungleich mehr Schwung verliehen zu haben, legte das Team von Robin Dutt in den ersten Minuten doch los, wie die so oft zitierte Feuerwehr. Dazu das nötige Glück und schon stand es 1:0 für die Gastgeber. Neuzugang Santiago Garcia zog halblinks in den Nürnberger Strafraum ein, suchte einfach mal den Abschluss (oder Mitspieler Hunt?) und konnte sich in der siebten Minute bei Berkay Dabanli bedanken, dass er den Fuß noch hinhält und dem Ball die entscheidende Richtungsänderung gibt. Dass Aaron Hunt, für den der Ball von Garcia hätte auch gedacht sein können, beim Abspiel etwa zwei Meter im Abseits stand, sei an dieser Stelle zwar erwähnt, doch Schwamm drüber…. Den Pfiff zu verweigern war bei weitem nicht die einzige Fehlentscheidung des Juristen in schwarz an diesem Nachmittag.
Vor allem muss man fairerweise sagen: Hätte der Schiedsrichter auch nur ansatzweise so viele Fehler gemacht, wie die Nürnberger Hintermannschaft, er wäre mit Schimpf und Schande von jedem einzelnen Zuschauer des Weserstadions vom Hof gejagt worden. So aber machte Herr Stieler den ein oder anderen weiteren Fehler und die Nürnberger Abwehr war ein einziger solcher. Logische Konsequenz: Das 2:0 durch Eljero Elia in der 34. Minute – nach ganz einfachem Muster. Hunt läuft über außen in die Abwehr, passt dann leicht quer nach hinten in Richtung Strafraumgrenze, wo der Werder-Stürmer, der seit 3356 Spielminuten auf einen Erfolg gewartet hatte, keinerlei Mühe hat. Und auch, wenn das an dieser Stelle übertrieben scheint: Das Spiel schien zu diesem Zeitpunkt entschieden. Zu überlegen war Werder, zu schwach präsentierte sich der Gast.
Die Wende kam schließlich kurz vor der Halbzeit aus dem Nichts. Von der linken Eckfahne flankte Tomas Pekhart einfach mal ins Nichts vor dem Bremer Tor. Der Ball kommt im Strafraum einmal auf, alle Beteiligten auf Bremer Seite schauen tatenlos zu, Garcia will schließlich eingreifen, verschätzt sich jedoch völlig und ganz plötzlich steht Hiroshi Kiyotake genau richtig zum Ball und zeigt, was man sonst nur im Training zu sehen bekommt: Er nagelt die Lederkugel in den Winkel des Bremer Tors.
Mit dem Anschlusstreffer ging es in die Pause und Michael Wiesinger nutzte den Rückenwind. Er brachte Josip Drmic für Alexander Esswein und stellte auf zwei Stürmer um. Eine Maßnahme, die schnell Wirkung zeigte. Der Club war nun das bessere Team und drückte vehement auf den Ausgleich – der in der 53. Minute nach exzellenter Zusammenarbeit der beiden Stürmer auch fallen sollte. Pekhart flankt von der rechten Strafraumgrenze präzise ins Sturmzentrum, wo Drmic den Ball gegen die Laufrichtung von Werder-Keeper Sebastian Mielitz im Tor unterbringt.
Doch der erneute Rückschlag lässt nicht lange auf sich warten, schien sich der Club nach der erfolgreichen Aufholjagd doch zunächst außerstande, den Druck aufrecht zu erhalten. Nach einem Eckball sorgte Dabanli für einen Querschläger per Kopf, Raphael Schäfer befand sich im Tiefschlaf und auch Emanuel Pogatetz bekam den Ball nicht so recht aus der Gefahrenzone. Also fasste sich Elia mit dem frischen Erfolgserlebnis im Rücken erneut ein Herz und zog in der 66. Minute aus rund 26 Metern ab. Werder Bremen führte also wieder.
Doch einmal Moral, immer Moral und so gab der Club auch dieses Mal nicht auf. Im Gegenteil – er löste den Rückstand sogar spielerisch auf. Kiyotake zeigte in der 70. Minute, zu was er im Stand ist, als er nicht nur erkannte, dass Pekhart bei einem Angriff keine Option war, weil er im Abseits stand, sondern auch noch sah, dass Adam Hlousek mindestens ebenso aussichtsreich gestartet war. Kiyotake steckte durch, Hlousek vollendete und nach dem 3:3 waren noch 20 Minuten zu spielen.
Der Club gab nun nicht auf – wollte endlich den ersten Saisonsieg und hatte durch Pekhart (Kopfball in der 79. Minute) und Drmic (Lattenknaller in der 80. Minute) auch durchaus noch gute Gelegenheiten. Am Ende blieb jedoch wieder mal so ein Spiel,  bei dem man am Ende nicht so recht wusste, ob man sich freuen sollte oder ob die Enttäuschung überwiegt. Zwei Niederlagen nach sieben Saisonspielen ist aller Ehren wert – erst recht, wenn man bereits ein Bayern-Spiel hinter sich hat. Null Saisonsiege nach sieben Spieltagen ist auf der anderen Seite im Grunde ein No-Go. Rechnet man die fünf Unentschieden der Saison dagegen, kommt man beim Betrachten der nüchternen Ergebnisse zu dem klaren Schluss, dass letztlich eigentlich nur das Heimspiel gegen den FC  Augsburg komplett aus der Rolle fällt und nie und nimmer hätte verloren werden dürfen. Die drei Zähler aus dem Spiel auf dem Konto und in Nürnberg wäre keinerlei Trainerdiskussion aufgekommen.
Der Club ist in dieser Saison noch sieglos und da kann die Tatsache, dass man seit nun drei Spielen auch ungeschlagen ist, auch mit viel Ironie nur wenig trösten. Man ist beim FCN durch das Augsburg-Spiel im Moment im negativen Bereich und so heißt es am kommenden Sonntag mal wieder: Das Spiel muss gewonnen werden – allein schon, um nicht noch weiter in den negativen Bereich abzurutschen. Und auch, wenn der Autor dieser Zeilen weit davon entfernt ist, das Spiel am Sonntag als ein erstes Abstiegsendspiel hoch zu stilisieren, bietet das direkte Aufeinandertreffen mit dem unteren Tabellennachbarn doch auch die Chance, sich in Richtung Tabellenende ein wenig Luft zu verschaffen. Und wenn der Knoten des ersten Saisonsieges dann erst einmal geplatzt ist, werden wir schon sehen, wo die Reise dann hingeht…. Ganz Fisch oder ganz Fleisch ist mir jedenfalls am Ende dann doch immer noch lieber als dieser ewige Wurst-Käse-Salat.