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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 6. Spieltag
[Samstag, 21.09.2013] 1.FC Nürnberg – Borussia Dortmund 1:1 (0:1)

Zwei Mal nacheinander das selbe Ergebnis – und trotzdem ist die Gefühlslage beim 1. FC Nürnberg eine ganz andere als noch vor Wochenfrist. Dem schwachen 1:1 in Braunschweig ließ die Mannschaft von Michael Wiesinger gegen Tabellenführer Borussia Dortmund einen starken Auftritt folgen und verbesserte dadurch die Stimmungslage rund um den Club – obwohl das Ergebnis am Ende der 90 Minuten genau das gleiche war, wie letzte Woche beim Tabellenletzten. Und da sage noch mal einer, Fußball seine eine Ergebnissportart…
Es wurde viel diskutiert beim 1. FC Nürnberg in der letzten Woche. Nach dem schwachen Spiel in Braunschweig begann die übliche Trainerdiskussion, die Kritik an Michael Wiesinger wurde lauter und Sportchef Martin Bader hatte alle Hände voll zu tun, die Kritiker zu beruhigen und zu bekräftigen, dass man beim Club in Sachen Trainer inzwischen einen sehr viel längeren Atem hat als so mancher Konkurrent in der Bundesliga. Wiesinger selbst hatte zu Beginn der Woche Konsequenzen angekündigt und betont, dass er auch vor „unpopulären Maßnahmen“ nicht zurückschrecke – um dann am Donnerstag den Clubspieler mit den meisten Bundesligaspielen aus dem Kader zu verbannen. Hanno Balitsch war als Hauptakteur der Unruhe in der Mannschaft ausgemacht worden und wird sich – so zumindest der aktuelle Stand auch nach dem Dortmund-Spiel – zur Winterpause wohl einen neuen Verein suchen müssen. Was genau zur Suspendierung des Routiniers geführt hat, kann man nur erahnen. Wiesinger und Bader sprechen viel- und nichtssagend von „sportlichen Gründen“, ein offenes Geheimnis ist es jedoch auch, dass Hanno Balitsch und Trainer Michael Wiesinger offensichtlich unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung des Spielsystems beim Club hatten. Während es der Spieler eher ein Verfechter der defensiven Sicherung ist, bevorzugt Wiesinger Offensive mit Augenmaß.
Es kam also zu Umstellungen in der Startelf und neben Hanno Balitsch musste beim Club auch Josip Drmic zunächst draußen bleiben. Mike Frantz und Niklas Stark rückten dafür in die Startelf. Auch beim Gast aus Dortmund wurde munter durchgewechselt. Nach einem kräftezehrenden ChampionsLeague-Spiel beim SSC Neapel tauschte Trainer Jürgen Klopp die Startelf gleich auf mehreren Positionen und ließ seine Mannschaft in besserer 1B-Stärke antreten. Nuri Sahin, Robert Lewandowski und auch Henrikh Mkhitaryan nahmen zunächst auf der Reservebank Platz. Dies änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass die Borussia auf dem Spielfeld zunächst das Heft in die Hand nahm. Die Dortmunder agierten sicherer und klarer in ihren Aktionen – kein Wunder, wenn da das Selbstbewusstsein von fünf Siegen in fünf Spielen auf das Selbstbewusstsein von drei mickrigen Punkten trifft.
Der Club brauchte ein paar Minuten, um ins Spiel zu kommen, doch schon früh zeichnete sich ab, dass da an diesem Samstag ein ganz anderer 1.FCN auf dem Platz stand als letzten Sonntag in Braunschweig. In der 19. Minute wurde die Leistungssteigerung dann schon fast belohnt. Mike Frantz kam im Strafraum frei zum Kopfball, doch der Heber über Roman Weidenfeller senkte sich statt ins Tor nur auf das Quergebälk. Die bis dahin größte Chance des Spiels und da sich mit zunehmender Spieldauer nun auch die Mannschaften auf durchaus hohem Niveau neutralisierten, blieb es zwar die ganze Zeit spannend, doch zu echten Torchancen kam es kaum.
Schiedsrichter Knut Kircher hatte dann seine Finger im Spiel, um dem Spiel zur Würzung durch Tore zu verhelfen. In der 37. Minute pfiff er nach einem harmlosen Zweikampf zwischen Jakub Blaszszykowski und Niklas Stark Freistoß, den Marcel Schmelzer aus halbrechter Position mit einem sehenswerten und unhaltbaren Schuss in den Winkel zum 1:0 für die Gäste verwandelte. Nach gutem Spiel lief der Club wie aus dem Nichts plötzlich einem Rückstand hinterher, zeigte sich jedoch wenig beeindruckt. Hiroshi Kiyotake und Adam Hlousek kamen noch vor der Pause zu passablen Möglichkeiten, es blieb jedoch beim 0:1 zur Pause.
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich der Club zunächst als das bessere Team und drückte nun mit Nachdruck auf den Ausgleich. Dieser fiel in der 50. Minute, als der Ball nach einer Freistoßflanke von Marvin Plattenhardt vor den Füssen von Per Nilsson landete und der Schwede die Lederkugel  mit Wucht im Dortmunder Tor unterbrachte. Dass das Unentschieden den Dortmunder Gästen zu wenig war, sah man in der Folgezeit. Der BVB erhöhte den Druck wieder und kam zu guten Möglichkeiten. Blaszczykowski verzog einen Schuss vom Strafraumrand in der 54. Minute nur knapp und Raphael Schäfer reagierte in der 56. Minute exzellent, als Marvin Duksch plötzlich völlig frei vor ihm auftauchte. Borussen-Trainer Jürgen Klopp brachte dann schließlich noch Robert Lewandowski und der Pole hatte nach tollem Solo von Jonas Hofmann in der 77. Minute die Führung auf dem Fuß, scheiterte jedoch auch am wieder glänzend aufgelegten Schäfer. Da der Keeper mit seiner guten Form dieses Mal jedoch nicht allein war und auch der Rest des Teams leidenschaftlich spielte und gut verteidigte, wäre das 2:1 dann fast noch zur späten Belohnung geworden. Der einbgewechselte Alexander Esswein spielte sich bei einem Konter in der Nachspielzeit hervorragend durch die Dortmunder Abwehrbeine und hatte plötzlich nur noch Roman Weidenfeller und das leere BVB-Tor vor sich. Der FCN-Angreifer verzog jedoch und der Ball segelte knapp über das Dortmunder Gehäuse.
So blieb es am Ende bei einem gerechten Unentschieden. Der 1. FC Nürnberg wartet zwar weiter auf den ersten Sieg in der neuen Spielzeit , doch wenn es der Mannschaft von Michael Wiesinger nun vielleicht auch mal gelingt, auch gegen schwächere Gegner eine gute Leistung abzurufen, dürfte der erste Saisonsieg nicht mehr lange auf sich warten lassen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und mit Sicherheit ist die Situation nach dem Punktgewinn gegen Dortmund auch nicht gleich eitel Sonnenschein. Der Club muss die Kurve kriegen – und mit dem Spiel gegen Borussia Dortmund ist zumindest das Einlenken am Anfang der Biegung gelungen. Hoffen wir, dass er am Ende nicht doch noch aus der Kurve fliegt, denn nimmt man den Besuch im Max und Marek zum Spiel gegen Dortmund als Messlatte für die Stimmung um das Team, dann sieht es schon zu Beginn der Saison 2013/2014 ziemlich düster aus. Wir werden sehen, ob sich gegen Bremen wieder ein paar mehr Clubfans im weiten Rund des Max-und-Marek-Stadion versammeln. Das Stadion in Nürnberg war ja schließlich auch ausverkauft.