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DER DISORDER – Der Clubspielberichtkommentar

Fußball-Bundesliga 2013/2014, 4. Spieltag
[Samstag, 31.08.2013] 1.FC Nürnberg – FC Augsburg 0:1 (0:0)

Das muss man in der Tat jetzt erst einmal verarbeiten… da ist man eine Woche im Urlaub, hört über diverse Kanäle trotzdem nur Gutes von einem Derby, auf das man zuvor bewusst – und entschuldigt die Wortwahl – geschissen hat, kommt dann zurück, den Gedanken an den „Pflichtsieg“ fest im eigenen Denken verankert und was sieht man…??? Oh ja, jedem Fußballkenner muss bereits vorher klar gewesen sein, dass ein Duell zwischen dem Club und Augsburg nicht unbedingt ein Versprechen auf Hochgenusses beinhaltet, aber das, was die Mannschaften von Michael Wiesinger und Markus Weinzierl am Samstag da größtenteils auf den grünen Rasen gelegt haben, war dann doch schwer verdächtig, dass es bei längerem Hinsehen zu akutem Augenkrebs führen könnte. Mit Fußball hatte das jedenfalls streckenweise wenig zu tun – eher mit Kampf und Krampf und ganz genau da wären wir dann beim Thema: Für den 1. FC Nürnberg hat spätestens an diesem Samstagnachmittag um 17.20 Uhr der Abstiegskampf begonnen. Und so paradox es klingen mag: Hätte man auf Seiten des Club die eineinhalb Stunden vorher mal ordentlich gekämpft und die eigenen Möglichkeiten abgerufen, man hätte sich den nun kommenden Krampf der kommenden Spiele sparen können.
Gegen die Fuggerstädter ließ der FCN jedoch alles vermissen, was den Clubfan in Sachen Klassenerhalt oder gar höhere Ziele ruhig schlafen ließe. Die Mannschaft von Michael Wiesinger fand nie richtig ins Spiel, ließ sich von den Gästen in fast allen Belangen den Schneid abkaufen und steht – so weh es auch tut – am Ende verdient ohne Punkte da. Sarkastisch und durchaus der Doppeldeutigkeit der Worte bewusst, könnte man auch sagen: Der Club hat sich den Leistungen seiner Schiedsrichter in den ersten Saisonspielen angepasst. Und genau wie die Herren in schwarz stehen Michael Wiesinger und sein Team nun bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Saison gehörig in der Kritik. Einzig das Pfeifen im Walde kann da noch helfen: Dem Autor dieser Zeilen ist Abstiegskampf am Anfang der Saison bedeutend lieber als gegen Ende der Spielzeit.
Michael Wiesinger hatte seine Mannschaft nach der Niederlage in München auf zwei Positionen umgestellt. Hiroshi Kiyotake und Robert Mak standen in der Startelf, Timothy Chandler und Marvin Plattenhardt nahmen zunächst auf der Bank Platz. Den großen Ankündigungen des Trainers („Wir wollen alles raushauen, damit wir dieses Spiel gewinnen“) ließen seine Spieler jedoch nur wenige bis gar keine Taten folgen. Im Gegenteil: Der Gast aus Augsburg übernahm schon früh die Kontrolle im Max-Morlock-Stadion und kam durch Sascha Mölders in der dritten Minute und André Hahn in der 18. Minute zu ersten guten Gelegenheiten. Beim Club entstand Gefahr für das gegnerische Tor eigentlich nur, wenn Robert Mak den Turbo einschaltete und wie in der 24. und 25. Minute mal bis zur Grundlinie durchstartete. Leider waren die Hereingaben in beiden Fällen zu unpräzise und so stockte dann in der 34. Minute wieder auf der anderen Seite der Atem, als Halil Altintop völlig frei zum Kopfball kam, jedoch an den Reflexen von Raphael Schäfer scheiterte. Hahn hatte dann in der 44. Minute noch eine Chance durch einen strammen Schuss von halbrechter Position, scheiterte jedoch ebenfalls an Schäfer.
Nach torlosem ersten Abschnitt hatte man im Fanlager des FCN ja noch gehofft, die schlechtere Halbzeit nun hinter sich gebracht zu haben, doch der Eindruck täuschte. Die Männer in rot-schwarz zeigten sich auch in Durchgang zwei von einer Seite, die man so eigentlich gar nicht sehen will. Es dauerte bis zur 56. Minute zum ersten Torabschluss des Club in der zweiten Halbzeit – bezeichnenderweise durch einen Freistoß von Hiroshi Kiyotake. Da auch den Gästen nicht mehr viel einzufallen schien, musste sich dann eben ein Javier Pinola zur Verfügung stellen, um wieder Leben in die Bude zu bringen. Eine knappe Viertelstunde vor Schluss musste der Argentinier den Platz nach gelb-roter Karte verlassen – eine Entscheidung, die man selbst am Tag nach dem Spiel und in nüchternem Zustand nicht so recht nachvollziehen kann, die jedoch irgendwie ins Bild passte. Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß und wenn dann auch noch der Schiedsrichter mit dem falschen Bein aufgestanden ist, dann eben gute Nacht.
Das gute Gefühl jedenfalls, dass sich mitunter einstellt, wenn die eigene Mannschaft in Unterzahl plötzlich anfängt zu kämpfen, wollte sich irgendwie nicht einstellen und war im Gegenteil sogar ziemlich schnell verpufft. Grund war ganz einfach die Tatsache, dass Augsburg nun wieder eine echte Chance auf drei Punkte witterte und im Gegensatz zum Club noch einmal ordentlich aufs Gaspedal drückte. Mölder scheiterte in der 79. Minute noch einmal an einem glänzend parierenden Schäfer, doch fünf Minuten später konnte auch der einzige Nürnberger in Normalform nicht mehr retten. Tobias Werner stand in der 84. Minute auf der linken Angriffsseite plötzlich mutterseelenallein, stürmte in Richtung FCN-Tor und scheiterte mit seinem Abschluss noch am Pfosten. Nicht so Kevin Vogt, der beim Nachschuss besser zielte und den Innenpfosten so traf, dass die Lederkugel schließlich zum 0:1 im Netz zappelte. Da half dann als Trost auch wenig, dass Markus Feulner drei Minuten zuvor noch die beste Clubchance des gesamten Spiels hatte, als er einen Distanzschuss seinerseits an den Pfosten nagelte. Hahn und Mölders hatten nach der Führung sogar noch die Chance, für den FCA auf 2:0 zu erhöhen, waren jedoch gnädig.
Es blieb beim peinlichen 0:1 aus Nürnberger Sicht und am Ende kann man fast froh sein, dass nun erst einmal die Länderspielpause ansteht. Das Team von Michael Wiesinger hat nun die Gelegenheit, sich zu sammeln und sich das Spiel gegen die Fuggerstädter noch zigmal anzugucken – man wird einige Durchläufe brauchen, bis alle Fehler angesprochen sind. In zwei Wochen geht es dann nach Braunschweig und ja, auch gegen den bisher punktlosen Aufsteiger heißt es wieder: Pflichtsieg. Auch, wenn diese Floskel der Pflicht gegen Augsburg wenig geholfen hat: Steht man nach dem Spiel in Braunschweig weiter sieglos da, sollte man beim FCN dringlichst aufpassen, dass der frühweihnachtliche Baum nicht schon zu Zeiten, in denen die ersten Lebkuchen in den Supermärkten auftauchen, Feuer fängt.